Thierse nerven "Wecken" statt "Schrippen" in Berlin

31. Dezember 2012, 14:08 Uhr

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) ärgert sich darüber, wenn im Berliner Stadtviertel Prenzlauer Berg Brötchen inzwischen als "Wecken" und nicht berlinerisch als "Schrippen" verkauft werden.

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Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) ärgert sich darüber, wenn im Berliner Stadtviertel Prenzlauer Berg Brötchen inzwischen als "Wecken" und nicht berlinerisch als "Schrippen" verkauft werden. "Wenn man beim Bäcker ist und plötzlich steht da nicht mehr 'Schrippen soundsoviel', sondern da steht 'Wecken', da denke ich, das können die doch woanders sagen, in Berlin sagt man 'Schrippen'", sagte Thierse im Deutschlandfunk. Ähnlich sei es, wenn statt "Pflaumenkuchen" neuerdings "Pflaumendatschi" gesagt werde.

Thierse hob hervor, er persönlich habe nichts gegen Schwaben, doch seien schwäbische Zuwanderer zum Sinnbild für die Veränderungen am Prenzlauer Berg in den vergangenen 20 Jahren geworden. Im südlichen Teil des Viertels seien rund 90 Prozent der jetzt dort lebenden Menschen seit 1990 zugezogen "und das heißt doch zugleich, da müssen andere verdrängt worden sein". Auch wenn gegen Veränderung nichts einzuwenden sei, gebe es eben auch eine "unfreundliche Rückseite". Dafür sei der Schwabe der Inbegriff geworden, denn "man erkennt ihn halt so schnell, wenn er den Mund aufmacht".

"Ich habe gegen das Schwäbische und Bayerische nichts, dass soll da gesprochen werden, wo sie wohnen, hier in Berlin möchte ich gerne, dass das Berlinerische noch eine Chance hat", bekannte sich der 69-jährige Thierse zu einer "ein bisschen lokalpatriotischen" Gesinnung. Sprache sei für ihn eben "auch ein Ort von Heimat". Das bedeute jedoch nicht, dass er "eine Käseglocke über den Prenzlauer Berg stülpen" wolle.

Der derzeitige Bundestagsvizepräsident gehört dem Bundestag seit 22 Jahren an, kandidiert im kommenden Herbst aber nicht erneut. Mehrfach hatte er seinen Wahlkreis Berlin-Pankow, zu dem der Ortsteil Prenzlauer Berg gehört, direkt gewonnen. 2009 musste er sich allerdings dem Linken-Politiker Stefan Liebich geschlagen geben.

AFP