Titisee-Neustadt nach Brandkatastrophe unter Schock

27. November 2012, 15:23 Uhr

Nach dem verheerenden Brand in einer Behindertenwerkstatt mit 14 Toten steht die kleine Schwarzwald-Gemeinde Titisee-Neustadt unter Schock.

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Nach dem verheerenden Brand in einer Behindertenwerkstatt mit 14 Toten steht die kleine Schwarzwald-Gemeinde Titisee-Neustadt unter Schock. Für Samstag sei ein Gedenkgottesdienst im örtlichen Münster Sankt Jakobus geplant, teilte das Büro des Bürgermeisters mit. Die Ursache für die Brandkatastrophe, bei der 13 Behinderte und eine Betreuerin starben, ist bislang weiter unklar.

Die Todesopfer wurden unterdessen identifiziert. Bei ihnen handelt es sich laut Freiburger Polizei um eine 50-jährige Betreuerin der Caritas-Werkstatt, zehn behinderte Mitarbeiterinnen im Alter von 28 bis 68 Jahren sowie drei behinderte Mitarbeiter zwischen 45 und 68 Jahre. Außerdem wurden bei dem Feuer am Montag neun Menschen verletzt. Es war eine der schwersten Brandkatastrophen der vergangenen Jahrzehnte in Deutschland.

Die Polizei richtete eine Sonderkommission ein, um die Ursache des Feuers zu klären. "Die Brandermittler der Kriminalpolizei, die Spurensicherung und Sachverständige waren in der Nacht vor Ort", sagte ein Sprecher der Freiburger Polizei. Am späten Nachmittag wollen die Ermittler auf einer Pressekonferenz über den Stand der Dinge informieren.

Die Brandkatastrophe löste weit über die Region hinaus Trauer und Entsetzen aus. Papst Benedikt XVI. schickte nach Angaben des Freiburger Erzbistums ein Beileidstelegramm. "Papst Benedikt XVI. gedenkt der bei diesem tragischen Unfall ums Leben gekommenen Menschen in seinem Gebet und versichert den Angehörigen der Opfer seine tief empfundene Anteilnahme", heißt es darin. Das Bistum richtete darüber hinaus ein Trauerportal im Internet ein. In Titisee-Neustadt wurde laut Stadtverwaltung ein Weihnachtsmarkt abgesagt.

Nach ersten Angaben der Polizei von Montag war das Feuer möglicherweise in einem Lagerraum ausgebrochen, in dem auch Chemikalien gelagert wurden. In der Werkstatt führen die Behinderten unter anderem Holz- und Metallarbeiten aus.

Nach dem Brandausbruch hatte sich nach Angaben der Feuerwehr dichter Rauch sehr schnell in dem Gebäude ausgebreitet. Die meisten Opfer starben demnach, weil sie den hochgiftigen Qualm einatmeten. Bei den Rettungsarbeiten am Montag wurden der Feuerwehr zufolge auch zwei Einsatzkräfte durch Rauch leicht verletzt. Sie verbrachten die Nacht zur Beobachtung in einem Krankenhaus. Insgesamt waren rund 300 Retter im Einsatz.

Die psychologische Betreuung von Angehörigen und Einsatzkräften ging derweil weiter, wie der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr von Titisee-Neustadt, Gotthard Benitz mitteilte. Nach dem Unglück waren 25 Seelsorgerteams entsandt worden.

Ungenügende Sicherheitsstandards schloss Benitz aus Sicht der Feuerwehr aus. "Wir haben keine Erkenntnisse, dass es irgendwelche Mängel gegeben hat beim vorhandenen Brandschutz", sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Die Feuerwehr sei auf Einsätze in dem Objekt vorbereitet gewesen und habe dort regelmäßig trainiert, zuletzt im vergangenen Jahr.

In der Werkstatt hielten sich dem Betreiber zufolge zum Unglückszeitpunkt bis zu 60 Menschen auf. Die Toten seien ausschließlich im mittleren Geschoss gefunden worden, wo auch der Brand ausgebrochen sei, sagte Benitz. Treppenhäuser seien rauchfrei geblieben, so dass Menschen aus den anderen Etagen noch hätten flüchten können.

AFP