Tod von Kates Krankenschwester schockiert die Briten

9. Dezember 2012, 14:38 Uhr

Mit Wut und Trauer hat Großbritannien auf den Tod der Krankenschwester reagiert, die auf einen Telefonstreich zweier australischer Radiomoderatoren hereingefallen war.

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Mit Wut und Trauer hat Großbritannien auf den Tod der Krankenschwester reagiert, die auf einen Telefonstreich zweier australischer Radiomoderatoren hereingefallen war. In einem Brief an die Eigentümer des Senders verurteilte die Londoner Klinik, in der die schwangere Herzogin Kate behandelt wurde, die Aktion als "wahrhaft entsetzlich". Die Führung des Medienkonzerns SCA diskutierte den Vorfall auf einer Dringlichkeitssitzung.

"Ich schreibe Ihnen, um auf das Schärfste gegen den Telefonstreich Ihres Senders 2DayFM zu protestieren", hieß es in dem Schreiben des Klinikpräsidenten Simon Glenarthur an den Medienkonzern Southern Cross Austereo (SCA). Die unmittelbare Folge des "vorsätzlichen und unüberlegten" Streichs sei die "Demütigung zweier aufopfernder Krankenschwestern" gewesen, die nur ihren Job gemacht hätten, nämlich sich um die Patienten zu kümmern. Der spätere Tod einer der beiden Pflegerinnen sei "unbeschreiblich tragisch", hieß es in dem Brief.

Zwei Moderatoren des Senders 2DayFM hatten sich am Dienstagmorgen als Queen Elizabeth II. und Prinz Charles ausgegeben und Auskunft über Kates Zustand erbeten, die wegen schwerer Übelkeit behandelt wurde. Da die Telefonzentrale so früh noch nicht besetzt war, nahm die 46-jährige Jacintha Saldanha den Anruf an und stellte zu einer Kollegin durch, die Auskunft gab. Am Freitag wurde Saldanha tot aufgefunden. Nach Darstellung britischer Medien nahm sich die zweifache Mutter das Leben, die Ermittlungen dauern aber noch an.

Glenarthur kritisierte, dass der Anruf nicht nur aufgezeichnet, sondern anschließend mit Genehmigung durch höhere Stellen des Senders auch ausgestrahlt wurde. Zwar könnten die Schäden, die der Streich angerichtet habe, nicht wieder gutgemacht werden. Es müsse jedoch sichergestellt werden, dass so etwas nie wieder geschehe, schrieb er.

Die SCA-Führung antwortete nach einer Sitzung in einem Brief an die Klinik laut der Nachrichtenagentur AAP, der Tod der Krankenschwester sei "unvorhersehbar und äußerst bedauerlich" gewesen. Alle seien wegen der jüngsten Vorkommnisse in Trauer, auch wenn die Details der Tragödie noch offen seien. Es würden umgehend "alle damit verbundenen Prozesse" innerhalb des Senders überprüft, hieß es. SCA werde bei sämtlichen Ermittlungen kooperieren.

Bereits zuvor hatten die beiden Moderatoren Mel Greig und Michael Christian angekündigt, bis auf Weiteres nicht mehr in der Sendung aufzutreten. Britischen Medien zufolge drohen ihnen Befragungen durch die britische Polizei.

Vor der Unterkunft nahe des Londoner Krankenhauses, in der Saldanha tot aufgefunden worden war, legten Trauernde Blumen nieder. Zum Haus der Familie in Bristol strömten Angehörige und Freunde, um ihrem Mann und den 14 und 16 Jahre alten Kindern Beistand zu leisten. In einem Eintrag auf Facebook kündigte ihr Mann an, seine Frau werde in ihrer Heimat im indischen Shirva beigesetzt. Er sei wegen des tragischen Verlusts seiner Frau "am Boden zerstört".

Saldanhas Familie in Indien zeigte sich ebenfalls schockiert. Ihr Schwägerin Irene D'Souza sagte AFP, es sei nur schwer zu glauben, dass sie sich tatsächlich das Leben genommen habe. "Sie war einfach keine Frau, die so etwas tut."

Australiens Medien nahmen die Moderatoren am Sonntag indes in Schutz. Dies sei ein Moment der Trauer und nicht die Zeit, um "hysterisch" jemandem die Schuld zuzuschieben, schrieb der "Daily Telegraph". Greig und Christian hätten Saldanha "nicht getötet".

AFP