Der Ölkonzern BP hat im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko einen neuen Versuch zur Eindämmung der Umweltkatastrophe gestartet. Per Unterwasserroboter wurde am Samstag zunächst der alte Trichter über dem lecken Bohrloch abgenommen, über das anschließend eine neue Absaugglocke gestülpt werden soll. Die Vorrichtung soll das gesamte Öl auffangen, dürfte aber erst in einigen Tagen voll einsatzbereit sein.
"Innerhalb der kommenden vier bis sieben Tage, je nachdem, wie alles klappt, sollte die Verschlusskappe angebracht sein", sagte BP-Vizechef Kent Wells. Am Sonntag führten Unterwasserroboter weitere Arbeiten zur Installation der Absaugglocke aus. Wenn die neue Technik erfolgreich installiert ist, soll mit der Absaugvorrichtung das gesamte Öl, das aus dem lecken Bohrloch am Meeresgrund in 1500 Metern Tiefe austritt, aufgefangen und an Bord von Spezialschiffen gepumpt werden.
Zunächst fließen jedoch die von der bisherigen Vorrichtung täglich aufgefangenen rund 15.000 Barrel (rund 2,4 Millionen Liter) Öl ins Meer. Schätzungen der US-Regierung zufolge treten aus dem Bohrloch täglich zwischen 5,6 Millionen und 9,6 Millionen Liter Öl aus. Mindestens genauso viel Öl soll die neue Vorrichtung laut BP auffangen können. BP erklärte allerdings, dass die neue Absaugglocke noch nie in dieser Tiefe oder unter solchen Bedingungen angebracht worden sei. Es gebe daher "keine Gewissheit, dass sie erfolgreich oder innerhalb des angesetzten Zeitrahmens installiert wird".
Die Installation der neuen Vorrichtung ist erneut nur eine Zwischenlösung. Das Ende des für die Umwelt verheerenden Ölflusses soll eine Entlastungsbohrung bringen, die den Druck von der lecken Leitung nehmen soll. Mit der Fertigstellung der Entlastungsbohrung wird erst Mitte August gerechnet.
Der Einsatz der neuen Absaugvorrichtung ist der jüngste Schritt im Bemühen des Konzerns zur Eindämmung der Ölkatastrophe. Vor allem die Regierung in Washington hatte auf den Einsatz der Absaugvorrichtung gedrängt - auch weil sie angesichts der bevorstehenden Hurrikansaison als sturmresistenter gilt. In der vergangenen Woche hatten starke Winde und hoher Wellengang die Arbeiten im Golf von Mexiko bereits tagelang lahmgelegt. Für die kommenden Tage wird in der Region ruhiges Wetter erwartet.
Die von dem britischen BP-Konzern betriebene Plattform "Deepwater Horizon" war am 20. April explodiert und zwei Tage später gesunken. Es ist die größte Ölkatastrophe in der US-Geschichte, das Öl bedroht vor allem die Ökosysteme im Golf von Mexiko und an den Küsten im Süden der USA.
Die US-Justiz prüft derweil weiterhin, wie es zu dem Unglück kommen konnte. Justizminister Eric Holder sagte dem Fernsehsender CBS, die Behörden würden noch Dokumente sammeln und Zeugen befragen. Dabei gehe es sowohl um strafrechtliche als auch um zivilrechtliche Aspekte. Wann entschieden werde, ob gegen BP Anklage erhoben werde oder nicht, stehe noch nicht fest.
Der Chefvolkswirt und Vizepräsident von BP, Christof Rühl, wies politische Forderungen nach einem Stopp von Ölbohrungen in tiefen Gewässern zurück. Die Förderung von Öl in der Tiefsee sei ein "Wachstumsbereich", sagte Rühl dem "Tagesspiegel" (Montagsausgabe). Ein Stopp der Unterwasserförderung allgemein sei zudem "keine realistische Lösung", weil dann der Ölpreis "ganz erheblich" steigen würde.