Nach ihrem Vormarsch im Norden Malis haben die Tuareg-Rebellen die Region Azawad für unabhängig erklärt.
Nach ihrem Vormarsch im Norden Malis haben die Tuareg-Rebellen die Region Azawad für unabhängig erklärt. "Wir verkünden feierlich die Unabhängigkeit von Azawad, die von heute an gilt", sagte der Sprecher der Nationalen Befreiungsbewegung von Azawad (MNLA). Die Europäische Union (EU) und die Afrikanische Union (AU) lehnten die Unabhängigkeitserklärung ab.
Die MNLA wolle die Grenzen zu den angrenzenden Staaten anerkennen, sagte der Sprecher der Gruppierung dem französischen Sender France 24. Alle militärischen Aktionen würden eingestellt. Auch in einer im Internet verbreiteten Erklärung gaben die Tuareg-Rebellen die Unabhängigkeit von Azawad bekannt.
Die einseitige Unabhängigkeitserklärung stieß international auf Ablehnung. Frankreichs Verteidigungsminister Gérard Longuet sagte in Paris, die Unabhängigkeitserklärung habe keine Bedeutung, solange sie nicht von den afrikanischen Staaten anerkannt werde. Ein Sprecher des Außenministeriums in Paris erklärte, die Erklärung werde als "null und nichtig" betrachtet.
Eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton sagte in Brüssel, die EU habe in der Krise durchgehend deutlich gemacht, dass sie die territoriale Unversehrtheit Malis respektiere. Die Krise in dem westafrikanischen Land müsse innerhalb der verfassungsrechtlichen Bestimmungen beigelegt werden. Die EU unterstütze die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) bei der Suche nach einem politischen Ausweg.
Auch die Afrikanische Union (AU) wies die Ausrufung der Unabhängigkeit durch die Rebellen zurück. Diese sei "nichtig und habe keinen Wert", hieß es in einer Erklärung von AU-Kommissionspräsident Jean Ping.
Algeriens Ministerpräsident Ahmed Ouyahia sagte der französischen Zeitung "Le Monde", sein Land akzeptiere niemals, dass die territoriale Integrität Malis in Frage gestellt werde. Algerien setze auf einen Dialog, um die Krise beizulegen. Am Donnerstag waren im malischen Gao sechs algerische Diplomaten verschleppt worden. Zu der Tat bekannte sich die islamistische Gruppe Ansar Dine.
Azawad nennen die Tuareg-Rebellen ihre Heimatregion, die sich in Mali vom Westen bis in den Norden erstreckt und auch Teile des nördlichen Niger und des südlichen Algerien umfasst. Nach dem Militärputsch am 22. März in Mali gelang es der MNLA gemeinsam mit Ansar Dine innerhalb weniger Tage weite Teile des Nordens unter ihre Kontrolle zu bringen.
Die Islamisten hatten sich jedoch zuletzt von den Tuareg distanziert und ihre vormaligen Verbündeten aus der Stadt Timbuktu vertrieben. Ein Ansar-Dine-Sprecher sagte am Freitag in einer Videobotschaft, seine Gruppierung erkenne die Unabhängigkeitserklärung der Tuareg nicht an. "Wir sind gegen Revolutionen, die nicht im Namen des Islam sind", sagte der Sprecher. Ziel sei es, das islamische Recht der Scharia zu verhängen.
Die ECOWAS-Staaten hatten am Donnerstag in einer zwölfstündigen Sitzung grünes Licht für einen 2000 Mann starken Militäreinsatz im Norden Malis gegeben. Der Plan muss allerdings nach Diplomatenangaben noch von den jeweiligen Staatschefs unterzeichnet werden.
Menschen- und Hilfsorganisationen warnten angesichts der unsicheren Lage in Mali vor einer humanitären Katastrophe. Laut Oxfam flüchteten bereits mehr als 210.000 Menschen vor der Gewalt, Nahrungs- und Medikamentendepots wurden geplündert.