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11. November 2010, 10:45 Uhr

Religionswächter Ali Bardakoglu tritt zurück

Der oberste türkische Religionswächter Ali Bardakoglu muss überraschend sein Amt aufgeben: Bardakoglu hatte erklärt, das Kopftuch für muslimische Frauen sei keine religiöse Pflicht, sondern eine persönliche Entscheidung. Die islamisch-konservativen Regierung um Premier Erdogan sah dies offenbar anders.

Nach sieben Jahren im Amt ist der Chef des staatlichen Religionsamtes in der Türkei, Ali Bardakoglu, zurückgetreten. Er gehe auf eigenen Wunsch, sagte Bardakoglu am Donnerstag vor Journalisten. Nachfolger wird Bardakoglus bisheriger Stellvertreter, der Ankaraner Theologe Mehmet Görmez. Die Presse spekulierte unterdessen, dem Rücktritt seien Differenzen zwischen Bardakoglu und der Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan vorausgegangen.

Anders als in westeuropäischen Ländern sieht die türkische Version des Laizismus keine Trennung von Staat und Religion vor, sondern die Kontrolle des Islam durch den Staat. Das türkische Religionsamt verwaltet alle 80.000 Moscheen im Land, bezahlt die Imame und bereitet die Freitagspredigten vor. Der 2003 ernannte Bardakoglu hatte sich in den vergangenen Jahren durch die Geißelung von Zwangsheirat und Ehrenmorden einen Ruf als Reformer erarbeitet.

Mehrere Zeitungen berichteten am Donnerstag, in jüngster Zeit habe Bardakoglu die Erdogan-Regierung jedoch verärgert. So lehnte er eine Schiedsrichterrolle seines Amtes im Streit um das islamische Kopftuch ab. Auch habe Bardakoglu das Reformprogramm der Regierung zur Lösung der Kurdenfrage sowie die Haltung Ankaras zur muslimischen Minderheit der Alewiten nicht genügend unterstützt, hieß es. Oppositionschef Kemal Kilicdaroglu kritisierte deshalb den Wechsel beim Religionsamt. Die Regierung dementierte jedoch, dass sie mit Bardakoglu unzufrieden gewesen sei.

AFP
 
 
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