12. April 2012, 10:53 Uhr

Türkische Justiz ermittelt gegen bekannten Pianisten

Die türkische Justiz ermittelt Medienberichten zufolge gegen den bekanntesten Pianisten und Komponisten des Landes wegen des Verdachts auf Volksverhetzung durch beleidigende Äußerungen über den Islam.

Die türkische Justiz ermittelt Medienberichten zufolge gegen den bekanntesten Pianisten und Komponisten des Landes wegen des Verdachts auf Volksverhetzung durch beleidigende Äußerungen über den Islam. Die Istanbuler Staatsanwaltschaft habe ihre Ermittlungen gegen den als Regierungskritiker bekannten Musiker Fazil Say nach der Anzeige eines Bürgers aufgenommen, berichtete die Online-Ausgabe der Zeitung "Milliyet". Say soll über den Kurznachrichtendienst Twitter abfällige Bemerkungen über den Islam verbreitet haben. Bei einer Verurteilung drohen ihm drei Jahre Haft.

Laut "Milliyet" machte sich der bekennende Atheist Say auf Twitter unter anderem über islamische Vorstellungen vom Paradies lustig, in denen von Flüssen aus Wein und von Jungfrauen für die Gläubigen die Rede ist. Say habe die Frage gestellt, ob das Paradies etwa eine Kneipe oder ein Bordell sei. In einem anderen Tweet fragte er nach einem besonders eilig vorgetragenen Gebetsruf in einer Moschee, ob der Muezzin wohl schnell zur Freundin oder zum Schnaps habe zurückkehren wollen.

Say hatte in den vergangenen Jahren mehrmals mit scharfer Kritik an der türkischen Regierung und an anderen Künstlern von sich reden gemacht. Unter anderem hatte er wegen der Politik der islamisch geprägten Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan öffentlich über eine Auswanderung nachgedacht.

AFP
 
 
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