Aus Protest gegen ihre Haftbedingungen ist die ukrainische Oppositionsführerin Julia Timoschenko in einen Hungerstreik getreten.
Aus Protest gegen ihre Haftbedingungen ist die ukrainische Oppositionsführerin Julia Timoschenko in einen Hungerstreik getreten. Timoschenko habe erklärt, dass sie seit Freitag keine Nahrung mehr zu sich nehme, sagte der Anwalt Sergej Wlassenko der Nachrichtenagentur AFP nach einem Besuch in der ukrainischen Haftanstalt Charkiw. Die 51-Jährige leidet unter schweren Gesundheitsproblemen.
Timoschenko sei seit Freitag in einem "unbegrenzten Hungerstreik", sagte Wlassenko. Sie protestiere damit gegen ihre Behandlung durch das Personal der Haftanstalt und durch Ärzte. Zudem fordere sie ein Ende der "politischen Repressionen" in der Ukraine.
Zuvor hatte Wlassenko eine Erklärung seiner Mandantin verlesen, in der sie Schläge durch Gefängnismitarbeiter beklagte: Als sie am Wochenende vorübergehend in ein Krankenhaus verlegt worden sei, hätten drei "kräftige Männer" sie aus dem Bett gezerrt. "In meiner Angst und Verzweiflung habe ich mich verteidigt, so gut ich konnte" und dabei "einen schweren Schlag in den Magen" erhalten. Vor Journalisten sagte Wlassenko, Timoschenko habe Blutergüsse an Armen und Bauch.
Am Freitag war die Politikerin aus dem Gefängnis in ein Krankenhaus in Charkiw gebracht worden, um dort wegen ihrer starken Rückenschmerzen behandelt zu werden. Weil sie eine Untersuchung im Krankenhaus durch ukrainische Ärzte ablehnte, wurde sie am Sonntag zurück in die Haftanstalt gebracht. Laut ihrem Anwalt erfolgte die Verlegung ins Krankenhaus unter Zwang. Der Staatsanwalt bestätigt, dass sie sich geweigert habe, freiwillig mitzukommen. Die Anwendung "physischer Gewalt" sei gesetzlich und durch die Strafvollzugsordnung erlaubt.
Timoschenko war im vergangenen Oktober wegen Amtsmissbrauchs in ihrer Zeit als Ministerpräsidentin zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Grund war ein 2009 mit Russland geschlossenes Gasgeschäft mit Russland, das der Ukraine einen Schaden in Millionenhöhe beschert haben soll. Die Europäische Union hatte die Inhaftierung Timoschenkos, die bei der Präsidentschaftswahl 2010 gegen ihren Erzrivalen Viktor Janukowitsch unterlag, als politisch motiviert kritisiert.
Vergangene Woche hatte ein weiteres Verfahren gegen Timoschenko wegen Veruntreuung und Steuerhinterziehung in ihrer Zeit als Chefin eines staatlichen Energiekonzerns mit Voranhörungen begonnen. Wegen ihres schlechten Gesundheitszustands nahm die 51-Jährige nicht daran teil.
Timoschenko war Mitte April von ausländischen Ärzten in der Haft untersucht worden. Der Delegation gehörten auch Charité-Chef Karl Max Einhäupl und der Leiter der Orthopädie, Norbert Haas, an. Ein Gutachten der beiden Mediziner, das der Klinik zufolge unter anderem Vorschläge zur Therapie mache und die Eignung des Krankenhauses in Charkiw bewerte, soll in Kürze veröffentlicht werden.