UN-Inspektoren in Syrien von Heckenschützen beschossen

26. August 2013, 13:43 Uhr

Die UN-Inspektoren, die den Giftgas-Vorwürfen in Syrien nachgehen sollen, sind von Heckenschützen beschossen worden.

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Die UN-Inspektoren, die den Giftgas-Vorwürfen in Syrien nachgehen sollen, sind von Heckenschützen beschossen worden. Die Experten hätten ihre Arbeit in der Nähe von Damaskus deshalb abbrechen müssen, teilte ein UN-Sprecher mit. Die Inspektoren hatten sich am Morgen auf den Weg in das Umland der syrischen Hauptstadt gemacht, wo bei einem Chemiewaffen-Einsatz mehr als 1300 Menschen getötet worden sein sollen. Unterdessen wächst im Westen die Bereitschaft zu einer Intervention in Syrien.

Unbekannte Heckenschützen hätten das erste Fahrzeug des Untersuchungsteams "absichtlich mehrmals" beschossen, erklärte UN-Sprecher Martin Nesirky in New York. Berichte über Verletzte lagen zunächst nicht vor. Ziel der Experten war die östlich von Damaskus gelegene Region Ghuta, in der Syriens Streitkräfte nach Darstellung der Rebellen am vergangenen Mittwoch Giftgas gegen Zivilisten eingesetzt haben sollen. Die syrische Regierung bestreitet jede Verantwortung für die Ereignisse und gibt den Aufständischen die Schuld dafür.

Für eine Reaktion auf den mutmaßlichen Einsatz von Chemiewaffen in Syrien ist nach Ansicht der britischen Regierung nicht unbedingt ein UN-Mandat nötig. Es sei "möglich", ohne einen einstimmigen Beschluss des UN-Sicherheitsrats zu handeln, sagte der britische Außenminister William Hague der BBC. Nach Angaben der französischen Regierung werden die westlichen Staaten "in den kommenden Tagen" über ihre Reaktion auf den mutmaßlichen Chemiewaffen-Einsatz entscheiden.

Frankreichs Außenminister Laurent Fabius sagte im Sender Europe 1, bisher sei noch keine Entscheidung gefallen. Er hob hervor, es sei "offensichtlich", dass das Massaker an Zivilisten in der Nähe von Damaskus auf Regierungstruppen des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad zurückzuführen sei.Fabius sagte weiter, dass die Reaktion der westlichen Länder genau abgewogen werden müsse. Es müsse "gleichzeitig mit Entschiedenheit und mit kühlem Kopf" reagiert werden. Nötig sei eine "harte Antwort" auf das Vorgehen der syrischen Regierungstruppen. Die Optionen lägen auf dem Tisch. "Die einzige Option, die ich nicht in Erwägung ziehe, ist nichts zu tun", fügte er hinzu.

Zu einer Umgehung des UN-Sicherheitsrates bei der Entscheidung über eine mögliche militärische Intervention westlicher Staaten in Syrien äußerte sich Fabius zurückhaltend: "Unter bestimmten Umständen" sei ein solches Vorgehen denkbar, aber Fabius mahnte Vorsicht an, da "das internationale Recht" gelte.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der britische Premier David Cameron haben nach Angaben der Regierung in London "wenig Zweifel", dass der mutmaßliche Giftgaseinsatz "vom Regime ausgeführt" wurde. Sie seien sich einig, dass einem solchen Angriff "eine entschlossene Reaktion der internationalen Gemeinschaft" folgen müsse, erklärte Camerons Büro nach einem Telefonat der Regierungschefs.

Der syrische Staatschef Baschar al-Assad wies derweil die Vermutung, seine Armee habe chemische Waffen eingesetzt, scharf zurück. Entsprechende Äußerungen von westlichen Politikern seien "eine Beleidigung des gesunden Menschenverstandes" und "Unsinn", sagte der Präsident der russischen Zeitung "Iswestija". Zugleich warnte Assad die USA vor einem militärischen Eingreifen in Syrien. Die USA würden einen "Fehlschlag" erleiden, "genau wie in allen früheren Kriegen, die sie angefangen haben, vom Vietnamkrieg bis in die heutige Zeit", sagte er.

Auch der russische Außenminister Sergej Lawrow warnte vor einer US-Militäraktion. Lawrow habe seinem US-Kollegen John Kerry gesagt, dass ein solches Vorgehen "extrem gefährliche Folgen" haben würde, teilte das Außenministerium in Moskau mit. In einem Telefongespräch am Sonntag habe Lawrow Kerry erklärt, seine Regierung sei "zutiefst besorgt" über jüngste Äußerungen aus Washington zu einem möglichen Eingreifen der US-Armee in Syrien. Dies könne schwerwiegende Folgen für "die ganze Region des Nahen Ostens und Nordafrikas" haben, sagte Lawrow demnach.

AFP