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23. September 2010, 23:43 Uhr

Irans Präsident sorgt mit Rede für Eklat

Die USA und andere westliche Delegationen haben wegen der Rede des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad am UN-Sitz in New York aus Protest den Saal verlassen.

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat auch in diesem Jahr mit einer Rede vor der UN-Vollversammlung in New York für einen Eklat gesorgt. Ahmadinedschad zitierte am Donnerstag (Ortszeit) Verschwörungstheorien, wonach die USA selbst in die Anschläge vom 11. September 2001 verwickelt sein sollen. Zahlreiche westliche Delegationen verließen daraufhin den Saal.

Die meisten US-Bürger sowie andere Nationen und Politiker dächten, dass die Regierung in Washington die Anschläge vom 11. September inszeniert habe, sagte Ahmadinedschad während der Generaldebatte zum neuen Sitzungsjahr der UN-Vollversammlung. Damit habe das Land unter anderem seine Wirtschaft wiederbeleben und die Kontrolle über den Nahen Osten verstärken wollen. Ahmadinedschad hatte die Generaldebatte auch in den vergangenen Jahren für Provokationen genutzt und vor allem Israel angegriffen.

US-Präsident Barack Obama habe die Äußerungen Ahmadinedschads "empörend und widerwärtig" gefunden, sagte ein US-Vertreter, der anonym bleiben wollte. Mitglieder des Terrornetzwerkes El Kaida hatten am 11. September 2001 vier Passagierflugzeuge entführt. Zwei steuerten sie in das World Trade Center in New York, eines ins US-Verteidigungsministerium in Washington. Eine vierte Maschine stürzte in Pennsylvania ab. Bei den Anschlägen kamen 3000 Menschen ums Leben.

Wenige Stunden zuvor hatte Obama in seiner Rede vor der UN-Vollversammlung dem Iran im Atomstreit erneut eine Verhandlungslösung angeboten: "Die Tür für Diplomatie bleibt offen, falls der Iran sie nutzen will." Ahmadinedschad sagte nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Isna dem japanischen Fernsehsender TBS, Verhandlungen mit den fünf UN-Vetomächten und Deutschland würden voraussichtlich im Oktober beginnen. Zugleich warf er ihnen vor, das Recht auf die Nutzung der Atomkraft monopolisieren zu wollen.

Der Westen verdächtigt den Iran, unter dem Vorwand der Energiegewinnung heimlich am Bau von Atomwaffen zu arbeiten. Teheran bestreitet dies. Die Verhandlungen der 5+1-Gruppe mit dem Iran stagnieren, seit der UN-Sicherheitsrat im Juni neue Sanktionen gegen das Land verhängt hat.

Unterdessen demonstrierten rund 800 Menschen vor dem UN-Sitz gegen die Teilnahme des iranischen Präsidenten an der Generaldebatte. "Ahmadinedschad ist ein Terrorist", riefen die mit Plakaten und iranischen Fahnen ausgerüsteten Demonstranten. "Es ist Zeit für die internationale Gemeinschaft, aufzuhören, mit Ahmadinedschad Geschäfte zu machen", sagte Ali Safawi, Mitglied des Nationalen Widerstandsrats des Iran, in dem sich zahlreiche im Exil agierende iranische Oppositionsgruppen zusammengeschlossen haben. Das iranische Volk müsse "endlich den demokratischen Wandel" bekommen, den es verdiene.

Um die Unterdrückung im Iran zu verdeutlichen, spielten einige der zumeist iranischstämmigen Demonstranten auf einem Podium Szenen einer Steinigung und einer Hinrichtung durch den Strang nach. Die Todesstrafe ist im Iran weit verbreitet.

AFP