Tausende Anhänger der inhaftierten ukrainischen Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko haben am Unabhängigkeitstag in Kiew gegen Präsident Viktor Janukowitsch protestiert.
Inmitten von Protesten gegen die Inhaftierung der einstigen Regierungschefin Julia Timoschenko hat die Ukraine am Mittwoch den 20. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit gefeiert. Trotz eines Verbots der Behörden versammelten sich mehrere tausend Anhänger Timoschenkos in der Innenstadt von Kiew und forderten ihre Freilassung, wie ein AFP-Reporter berichtete. Sicherheitskräfte stellten sich ihnen entgegen und verhinderten einen Marsch in Richtung des Amtssitzes von Präsident Viktor Janukowitsch. Für den Abend planten die Timoschenko-Anhänger eine Kundgebung auf dem Unabhängigkeitsplatz, dem Schauplatz der Orangenen Revolution von 2004.
Die einstige Regierungschefin sitzt seit August in Untersuchungshaft; ihr wird wegen des Vorwurfs des Amtsmissbrauchs der Prozess gemacht. Timoschenko weist die Vorwürfe zurück und wirft Staatschef Janukowitsch vor, sie mit einem politisch motivierten Verfahren kaltstellen zu wollen. Im Falle einer Verurteilung drohen der pro-westlichen Oppositionspolitikerin mehrere Jahre Haft, außerdem könnte sie von der Parlamentswahl 2012 und der Präsidentschaftswahl 2015 ausgeschlossen werden. Nach Angaben ihres Anwalts ist sie inzwischen in der Haft erkrankt und leidet unter "beunruhigenden Symptomen".
Die Ukraine erklärte am 24. August 1991 ihre Unabhängigkeit von der in jenen Tagen gerade zerfallenden Sowjetunion. Timoschenko war eine der Anführerinnen der Orangenen Revolution, die zur Annullierung der umstrittenen Wahl des Kreml-treuen Janukowitsch führte und pro-westliche Politiker in Kiew an die Macht brachte. Die Hoffnungen auf eine schnelle Annäherung an die EU erfüllten sich jedoch nicht; 2010 gewann Janukowitsch die Präsidentenwahl gegen Timoschenko. Der Wahlverlauf wurde auch von westlichen Beobachtern als korrekt eingestuft.