Ungewisse Zukunft bei "Financial Times Deutschland"

18. November 2012, 14:13 Uhr

Der Wirtschaftszeitung "Financial Times Deutschland" ("FTD") blickt einer ungewissen Zukunft entgegen.

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Der Wirtschaftszeitung "Financial Times Deutschland" ("FTD") blickt einer ungewissen Zukunft entgegen. Nach Medienberichten vom Wochenende droht dem Titel wie auch anderen Wirtschaftsblättern des Hamburger Verlages Gruner + Jahr das Aus. Ein Verlagssprecher stellte allerdings klar, dass noch keine Entscheidung getroffen worden sei.

Das Magazin "Focus" hatte zuvor unter Berufung auf Informationen aus dem engeren Unternehmenskreis berichtet, dass sich der G+J-Aufsichtsrat am Mittwoch mit der Zukunft der "FTD" sowie der Wirtschaftstitel "Impulse" und "Börse Online" beschäftigen wolle. Nach Angaben des Magazins ist geplant, die drei Titel einzustellen. Lediglich das Wirtschaftsmagazin "Capital" soll weitergeführt werden. Damit wären auch die Überlegungen für eine rein digitale "FTD" vom Tisch. Laut "Focus" sollen von den 350 Mitarbeitern der G+J-Poolredaktion Wirtschaftsmedien 330 entlassen werden.

Auch der "Spiegel" berichtet am Wochenende, dass die Tage der "FTD" gezählt seien. Nach Informationen des Magazins sieht eine der diskutierten Varianten den Umzug von "Capital" nach Berlin und eine stärkere politische Ausrichtung des Magazins vor.

Das "Hamburger Abendblatt" berichtet dagegen von Überlegungen bei G+J, das Defizit bei der "Financial Times Deutschland" zurückzufahren, ohne das Blatt aufzugeben. Demnach könnte die Seitenzahl des Blattes an den Wochentagen sinken, während die Wochenendausgabe ausgebaut werde. An bestimmten Tagen solle die "FTD" nur noch im Internet erscheinen, ehe sie nach einer Übergangszeit von drei bis fünf Jahren komplett ins Internet verlagert würde.

G+J-Sprecher Claus-Peter Schrack wollte sich an den Spekulationen nicht beteiligen. Im Lichte der schwierigen Situation auf dem Medienmarkt prüfe das Unternehmen derzeit verschiedene Optionen, teilte er auf Anfrage von AFP mit.

Die "Financial Times Deutschland" war im Jahr 2000 an den Start gegangen. Sie ist stark defizitär: Berichten zufolge erwarten die G+J-Wirtschaftsblätter im laufenden Jahr einen Verlust von 15 Millionen Euro, der Großteil davon gehe auf das Konto der "FTD". Erst am Dienstag hatte die traditionsreiche "Frankfurter Rundschau" Insolvenz angemeldet, seit vergangenem Monat ist auch die Nachrichtenagentur dapd insolvent.

AFP