Unter Diktatur entführter Jesuit zeigt sich versöhnt

15. März 2013, 18:38 Uhr

Ein während der argentinischen Diktatur vom Militär entführter Jesuit kann zum damaligen Verhalten des heutigen Papstes Franziskus nach eigenen Angaben keine Aussage treffen.

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Ein während der argentinischen Diktatur vom Militär entführter Jesuit kann zum damaligen Verhalten des heutigen Papstes Franziskus nach eigenen Angaben keine Aussage treffen. "Ich kann keine Stellung zur Rolle von Pater (Jorge Mario) Bergoglio in diesen Vorgängen nehmen", erklärte der inzwischen in Deutschland lebende Pater Franz Jalics auf der Internetseite der Deutschen Provinz der Jesuiten. Bergoglio, der damals den Jesuiten in Argentinien vorstand, wird eine zu große Nähe zum von 1976 bis 1983 herrschenden Militär vorgeworfen.

Jalics hatte zusammen mit seinem Mitbruder Orlando Yorio in einem Armenviertel in Buenos Aires gearbeitet. Sie beide hätten "in der damaligen bürgerkriegsähnlichen Situation" weder Kontakt zur Junta noch zum Widerstand gegen das Militär gehabt, erklärte der aus Ungarn stammende Jalics. Trotzdem seien sie von Soldaten verhaftet worden. In einem fünftägigen Verhör habe sich zwar herausgestellt, dass die Jesuiten keine Verbindung zur Guerilla gehabt hätten. Trotzdem "wurden wir dann, auf eine für uns unerklärliche Weise fünf Monate lang mit verbundenen Augen und gefesselt in Haft gehalten".

Direkt nach seiner Befreiung habe er Argentinien verlassen, erklärte Jalics. "Erst Jahre später" hätten Yorio und er die Gelegenheit gehabt, die Geschehnisse mit dem mittlerweile zum Erzbischof von Buenos Aires ernannten Bergoglio zu besprechen. "Danach haben wir gemeinsam öffentlich Messe gefeiert, und wir haben uns feierlich umarmt. Ich bin mit den Geschehnissen versöhnt und betrachte sie meinerseits als abgeschlossen." Dem neu gewählten Papst wünschte der Jesuitenpater "Gottes reichen Segen für sein Amt".

Unter anderem ein argentinischer Autor hatte Franziskus vorgeworfen, sich nicht ausreichend für die beiden entführten Jesuitenpater eingesetzt zu haben, die in einem berüchtigten Folterzentrum der Armee festgehalten wurden. Der neue Papst hatte die beiden wegen ihrer politischen Arbeit in dem Elendsviertel auch aus dem Orden der Jesuiten ausgeschlossen - nach seinen Angaben, um die politische Neutralität des Ordens zu gewährleisten.

Bergoglio wies Vorwürfe der Mittäterschaft immer von sich. Vielmehr habe er sich für die Opfer der Diktatur eingesetzt: "Ich habe getan, was ich - angesichts meines Alters und meiner wenigen Beziehungen - tun konnte, um den Verschwundenen zu helfen", erklärte er in einem Interviewbuch. Vatikan-Sprecher Federico Lombardi erklärte: "Es hat nie glaubwürdige, konkrete Anschuldigungen gegen ihn gegeben. Die argentinische Justiz hat ihn nie angeklagt." Die Anschuldigungen seien eine Kampagne "linker antiklerikaler Elemente, um die Kirche anzugreifen".

AFP