HINTERGRUND: US-Bürger wählen Präsidenten nicht direkt

23. Oktober 2012, 07:48 Uhr

Bei der Wahl am 6.

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Bei der Wahl am 6. November stimmen die Menschen in den USA nicht direkt über ihren künftigen Präsidenten und seinen Stellvertreter ab. Vielmehr entscheiden sie gemäß der Verfassung von 1789 nur über die Wahlmänner und -frauen ihres Bundesstaates, die dann an ihrer Stelle den Staatschef und seinen Vize küren. Für den Einzug ins Weiße Haus muss ein Kandidat 270 der 538 Stimmen im sogenannten Electoral College erhalten.

Die Zahl der Wahlmänner für die Bundesstaaten spiegelt ihre jeweilige Bevölkerungsstärke wider. Kalifornien etwa verfügt über 55, das kleine Delaware dagegen nur über drei Vertreter. Mit Ausnahme von Maine und Nebraska bekommt der Kandidat mit den meisten Stimmen alle Wahlmänner aus dem Bundesstaat zugesprochen - egal, wie knapp die Mehrheit ausfällt.

Die Wahlmänner kommen am 17. Dezember in den 50 Bundesstaaten und der Hauptstadt Washington zusammen und geben ihre Stimmen in versiegelten Umschlägen ab. Diese werden dann an den Kongress weitergeleitet, der die Wahlmännerstimmen in einer Sitzung am 6. Januar auszählt. Sollte kein Kandidat die erforderlichen 270 Elektoren auf sich vereinen, entscheidet das Repräsentantenhaus mit einfacher Mehrheit über den nächsten Präsidenten.

Das Wahlsystem in den USA führt dazu, dass es am Ende meist nur auf wenige Bundesstaaten ankommt, in denen sich Mehrheiten für Republikaner und Demokraten traditionell abwechseln. Kritiker bemängeln, dass diesen "Swing States" wie Ohio oder Florida ein unverhältnismäßig großes Gewicht zukommt. Zudem besteht die Möglichkeit, dass ein Kandidat zum Präsidenten gekürt wird, obwohl er landesweit in der Wählergunst unterlegen ist. Vor zwölf Jahren kam George W. Bush auf 47,9 Prozent der Stimmen, sein Kontrahent Al Gore holte 48,4 Prozent. Bush durfte aber 271 Wahlmänner stellen, Gore nur 266.

AFP