6. August 2012, 07:43 Uhr

Usain Bolt sprintet zu olympischem Gold über 100 Meter

Der schnellste Mann der Welt fiel auf die Knie und küsste die Laufbahn.

Der schnellste Mann der Welt fiel auf die Knie und küsste die Laufbahn. Dann erhob sich Usain Bolt, der Triumphator, und warf sich langsam, lässig und genüsslich in seine "Blitz"-Pose. Mit der zweitbesten Zeit der Geschichte (9,63) rannte der Jamaikaner erneut zur olympischen Goldmedaille über 100 Meter. 41 Schritte benötigte Usain "Gold" im Olympiastadion von London - exakt so viele wie beim Olympiasieg vor vier Jahren in Peking. Die Konkurrenz war chancenlos.

"Ich wusste, dass ich es schaffen kann. Wenn es drauf ankommt, bin ich da", sagte Bolt, der schwach startete, um seinen vierten Olympiasieg kämpfen musste, am Ende aber ganz überlegen siegte. "Es mag nicht die beste Reaktion der Welt gewesen sein", bekannte der 25 Jahre alte Weltrekordler (9,58), "ich bin ein bisschen im Startblock sitzengeblieben." Dann aber war er unwiderstehlich, als zweiter Läufer nach Carl Lewis (USA, 1984 und 1988) wiederholte er den Olympiasieg über die kurze Sprintdistanz.

Beim Aufeinandertreffen der schnellsten Männer der Welt blieb Bolt eindrucksvoll der Souverän. Sein Landsmann Yohan Blake lief in 9,75 Sekunden persönliche Bestzeit und holte Silber, lag aber eben auch 0,12 Sekunden hinter Kumpel Bolt zurück. "Ich wollte Gold gewinnen, aber ich danke Gott für Silber", sagte Blake - und betonte mit einem Grinsen: "Ich bin immer noch der bessere Cricket-Spieler." Justin Gatlin aus den USA, Olympiasieger in Athen 2004, rannte in 9,79 zu Bronze.

Hinter Bolt hatten nach einer durchwachsenen Saison viele Fragezeichen gestanden. Erstmals seit dem dreifachen Triumph von Peking hatte der Nimbus der Unbesiegbarkeit des "Außerirdischen" Kratzer erhalten. Wer das Fehlstart-Fiasko der WM 2011 als einen einmaligen Ausrutscher gewertet hatte, weil Bolt anschließend die 200 m gewann und gemeinsam mit Blake einen Weltrekord mit der Staffel aufgestellt hatte, sah sich 2012 getäuscht.

Bolt hatte in den vergangenen Monaten immer wieder über Rückenbeschwerden geklagt, auch im Vorfeld von London ließ er sich deshalb bei Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt in München behandeln ließ. "Er ist der beste Arzt der Welt, ein Teil dieser Medaille geht auch nach Deutschland", sagte Bolt nach dem Rennen. Ende Mai lief Bolt beim Meeting im tschechischen Ostrau dann eine indiskutable 10,04. Damals kamen prompt erste Zweifel auf, ob der Weltrekordler physisch und psychisch fit für die Sommerspiele sein würde.

Spätestens mit seinen Siegen gegen Bolt bei den jamaikanischen Olympia-Ausscheidungen spielte sich Blake immer weiter in den Vordergrund. Seinem WM-Titel ließ der einstige Lehrling konstant Weltklasse-Leistungen folgen. Mit 9,75 Sekunden führte er auch die Jahres-Weltbestenliste knapp vor Bolt (9,76) an. Trotzdem sprach Blake nie offensiv über den möglichen Olympiasieg, sondern verprach nur "ein großartiges und schnelles Rennen."

Die deutschen Florettfechter um Peking-Sieger Benjamin Kleibrink und den viermaligen Einzelweltmeister Peter Joppich holten mit Bronze die zweite deutsche Fechtmedaille. Am letzten Tag der olympischen Wettbewerbe in London gewannen Kleibrink, Joppich und Sebastian Bachmann im Gefecht um Platz drei 45:27 gegen die USA.

Bisher war die Silbermedaille für Degenfechterin Britta Heidemann das einzige Edelmetall für das deutsche Team gewesen. Im Halbfinale hatten die Deutschen nach drei umstrittenen Entscheidungen 40:41 im "Sudden Death" gegen Japan verloren. Gold ging durch ein 45:39 gegen die Japaner an Italien, das damit nahtlos an alte Erfolge anknüpfte. Die Italiener hatte vor der Olympia-Pause dieser Waffengattung in Peking 2008 viermal nacheinander Team-Gold gewonnen.

Andy Murray gewann beim olympischen Tennisturnier in London Gold für Großbritannien. Der Weltranglistenvierte revanchierte sich gegen den Schweizer Weltranglistenersten Roger Federer für die Niederlage im Wimbledonfinale und gewann 6:2, 6:1, 6:4.

Murray holte das erste britische Olympiagold im Tennis seit 1920. Bronze ging an Juan Martin Del Potro aus Argentinien, der sich 7:5, 6:4 gegen Novak Djokovic durchsetzte. Philipp Petzschner war als einziger deutscher Teilnehmer bereits in der zweiten Runde gescheitert.

AFP