Patientenschützer: Wettbewerb um Spenderorgane eindämmen

3. Januar 2013, 08:53 Uhr

Der Chef der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, hat die Schließung von Transplantationszentren gefordert, um einen Kampf um Spenderorgane zu vermeiden.

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Der Chef der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, hat die Schließung von Transplantationszentren gefordert, um einen Kampf um Spenderorgane zu vermeiden. Noch in diesem Jahr sollte die Hälfte der Zentren schließen, um schädlichen Wettbewerb zwischen den Einrichtungen zu vermeiden, sagte Brysch der "Bild"-Zeitung. Organspende brauche "Offenheit und Vertrauen statt Profit und Eitelkeit".

Auch Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery sprach sich gegenüber dem Blatt für eine Reduzierung der Zahl der Transplantationszentren aus. Dies mache eine ständige Überprüfung einfacher und sorge dafür, dass "falsche ökonomische Anreize" keine Rolle spielten.

Am Leipziger Transplantationszentrum waren Unregelmäßigkeiten bei der Organspende aufgedeckt worden. Laut Uniklinik sollen Patienten fälschlich als Dialysepatienten ausgegeben und damit kränker gemacht worden sein, um deren Chancen auf eine Spenderleber zu erhöhen. Nach Angaben der Universitätsklinik waren 37 Patienten in den Jahren 2010 und 2011 und ein Patient im Jahr 2012 betroffen. Der verantwortliche Direktor der Klinik sowie zwei Oberärzte wurden beurlaubt.

Im vergangenen Sommer war ein Organspende-Skandal an der Uniklinik in Göttingen aufgeflogen. Dort sowie auch in Regensburg sollen durch die Manipulation von Krankenakten bestimmte Patienten bei der Organspende bevorzugt worden sein.

Inmitten der Diskussion über die neue Organspendenaffäre forderte der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn eine öffentliche Verurteilung korrupter Ärzte. Berufsrechtlich könnten etwa Geldstrafen erhoben werden, im schlimmsten Fall könne die Approbation entzogen werden, sagte Spahn im "Morgenmagazin" der ARD. Als Beispiel nannte der Politiker Fälle, in denen jemand gegen Mietzahlungen in einer Praxis medizinische Technik ausstellen dürfe und in denen er dann Patienten zugewiesen bekomme.

Spahn betonte die Verantwortung der Ärztekammern und kassenärztlichen Vereinigungen, ihrer Kontrollfunktion stärker nachzukommen. Wenn die Ärzteschaft dies nicht selbst tue, "dann ist die Bundesregierung gefordert. Dann sollten wir schärfere Gesetze machen", sagte er. Ein solches Gesetz sei auch noch vor der Bundestagswahl möglich. Die Fälle am Leipziger Klinikum müssten nun schnell aufgearbeitet werden. Die Spendenbereitschaft dürfe dadurch nicht beeinträchtigt werden.

AFP