Zehntausende Griechen gegen Merkel auf der Straße

9. Oktober 2012, 16:13 Uhr

Bei den Protesten während des Besuchs von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Athen ist die griechische Polizei mit Tränengas gegen Demonstranten vorgegangen.

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Bei den Protesten während des Besuchs von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Athen ist die griechische Polizei mit Tränengas gegen Demonstranten vorgegangen. Nach einem Gespräch mit dem griechischen Ministerpräsidenten Antonis Samars würdigte Merkel die Sparanstrengungen Athens, mahnte Griechenland aber zu weiteren Reformen. Merkel war am Mittag zu ihrem ersten Besuch seit Beginn der Schuldenkrise in Griechenland eingetroffen.

Wie AFP-Korrespondenten berichten, versuchten Protestteilnehmer eine Metallabsperrung in der Nähe des Parlaments zu überwinden. Kleine Gruppen maskierter Demonstranten warfen Flaschen und Steine auf Bereitschaftspolizisten und versuchten Fenster von Geschäften zu zerstören. In der Nähe demonstrierten auf dem Syntagma-Platz vor dem Parlament rund 25.000 Menschen friedlich.

"Es ist vieles geschafft, es ist noch Etliches zu tun", sagte Merkel nach einem Gespräch mit Samaras in dessen Amtssitz in Athen. Sie seien sich einig darüber gewesen, was noch getan werden müsse. Merkel würdigte die bereits erbrachten Opfer der Bevölkerung und bekräftigte, dass Griechenland trotz der Krise den Euro behalten solle: "Ich wünsche mir, dass Griechenland in der Eurozone bleibt."

Samaras sagte, das griechische Volk habe "geblutet" für die bisherigen Reformen. "Wir verlangen nicht mehr Geld, auch keine besonderen Eingeständnisse", sagte er. Wichtig sei nur, dass die Ziele erreicht würden, Griechenland wieder wettbewerbsfähig zu machen. Merkel trifft nach dem Gespräch mit Samaras noch den griechischen Präsidenten Karolos Papoulias sowie griechische und deutsche Unternehmer.

Merkel ist in Teilen der griechischen Bevölkerung sehr umstritten. Linke und nationalistische Parteien machen ihren Kurs für die seit Jahren anhaltende Rezession mitverantwortlich. An den Protesten der Linken in Athen nimmt auch der Chef der deutschen Linkspartei Bernd Riexinger teil. Dem Sender Phoenix sagte Riexinger, Athen müsse für weitere Hilfszahlungen "eine Vermögensabgabe von 30 Prozent für Millionäre und Milliardäre" erheben. Die Oberschicht habe mit fast 300 Milliarden Euro fast genau soviel Geld ins Ausland geschafft, wie der Staat Schulden habe.

In der Nacht ermahnte die Eurogruppe Griechenland scharf zur Umsetzung vereinbarter Spar- und Reformauflagen und setzte dafür eine Frist von zehn Tagen. Vor der Überweisung weiterer Hilfsgelder müsse Athen "klar und glaubwürdig" seinen Reformwillen unter Beweis stellen, sagte Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker nach einem Treffen der Euro-Finanzminister in Luxemburg. Die Euro-Länder stellten jedoch klar, dass sie von der Regierung in Athen vor der Freigabe der nächsten Hilfstranche in Höhe von 31 Milliarden Euro weitere Anstrengungen fordern.

Am Dienstag gelang es dem rezessionsgeplagten Griechenland, sich 1,3 Milliarden Euro zu leicht günstigeren Zinsen zu leihen. Der Satz betrug 4,46 Prozent im Vergleich zu noch 4,54 Prozent bei der vorangegangenen vergleichbaren Ausgabe von Staatsanleihen Anfang September. Auch die Inflation verlangsamte sich leicht.

AFP