Mit Protestaktionen hat die russische Opposition am Wochenende gegen die absehbare Rückkehr von Ministerpräsident Wladimir Putin ins Präsidentenamt demonstriert.
Mit Protestaktionen hat die russische Opposition am Wochenende gegen die absehbare Rückkehr von Ministerpräsident Wladimir Putin ins Präsidentenamt demonstriert. Auf der inneren Ringstraße von Moskau bildeten tausende Menschen eine kilometerlange Menschenkette. In Putins Heimatstadt St. Petersburg versammelten sich tausende Demonstranten zu Anti-Putin-Kundgebungen.
Bereits weniger als eine Stunde nach Beginn der Protestaktion auf der Moskauer Ringstraße waren dort nach Schätzungen der Polizei 11.000 Demonstranten versammelt. Die Opposition sprach von 30.000 Menschen. In sozialen Netzwerken hatten sich knapp 50.000 Menschen für die Aktion angemeldet.
Viele Demonstranten trugen weiße Bänder als Erkennungszeichen der Opposition, Autofahrer hupten im Vorbeifahren als Zeichen ihrer Unterstützung. "Wir sind hierher gekommen, weil wir nicht einverstanden sind mit dem, was bei der Parlamentswahl passiert ist", sagte ein 22-jähriger Demonstrant mit Blick auf die von Betrugsvorwürfen überschattete Wahl im Dezember, die die ersten Proteste ausgelöst hatten. "Die Menschen sind hier, weil sie hoffen, dass ihre Stimmen dieses Mal gezählt werden", sagte ein anderer Protestteilnehmer.
An der Menschenkette nahmen auch prominente Oppositionelle wie der Anti-Korruptions-Aktivist Alexej Nawalni, der frühere Schachweltmeister Garri Kasparow, Schriftsteller Boris Akunin und der Chef der regierungskritischen Linksfront, Sergej Udalzow, teil. Zu den Teilnehmern zählten Menschen aller Altersgruppen, die trotz eisiger Kälte zur Ringstraße kamen.
"Lasst Putin nicht in den Kreml einziehen", sagte der liberale Oppositionsvertreter und einstige Regierungschef Boris Nemzow dem Privatsender Doschd, einem der wenigen Sender, die über die Protestaktion berichteten. Im Staatsfernsehen wurde die Demonstration nur kurz erwähnt, großes Thema war dort stattdessen ein Erdbeben in Sibirien, bei dem niemand verletzt wurde, sowie eine kleine Pro-Putin-Demonstration in Moskau.
Auch in Putins Heimatstadt St. Petersburg demonstrierten am Sonntag rund 3000 Menschen unter dem Slogan "Russland ohne Putin", wie eine AFP-Reporterin berichtet. Bereits am Vortag hatten mehrere tausend Menschen in der Stadt gegen die absehbare Wiederwahl Putins demonstriert. "Russland ohne Putin!" und "Putin ist ein Dieb!" lauteten die Slogans.
Kleinere Anti-Putin-Demonstrationen gab es unter anderem in den sibirischen Städten Tomsk und Kemerowo sowie in den zentralrussischen Städten Ischewsk und Ufa. Unterstützer Putins organisierten derweil auf einem Moskauer Platz namens "Putin liebt jeden" einen Gegenprotest. Auf Postern und Fahnen war zu lesen: "Für Putin. So einfach ist das".
Ministerpräsident Putin will am 4. März erneut in das Amt des Staatschefs gewählt werden. Er war schon in den Jahren 2000 bis 2008 zwei Wahlperioden lang Präsident und gab das Amt später an den derzeitigen Staatschef Dmitri Medwedew ab, der sich nun zu Putins Gunsten zurückzieht. Jüngsten Umfragen zufolge dürfte Putin bei der Wahl auf 50 bis 66 Prozent der Stimmen kommen.