Die EU-Kommission hat am Freitag ein Ermittlungsverfahren gegen ein mutmaßliches europaweites Zementkartell gestartet. Der Schritt erfolgte zwei Jahre nach Razzien unter anderem beim Schweizer Zementriesen Holcim und den deutschen Unternehmen HeidelbergCement und Dyckerhoff.
Der deutsche Branchenführer HeidelbergCement und weitere Zement-Hersteller stehen im Verdacht, in einem Kartell Preise in die Höhe getrieben zu haben. Die EU-Kommission leitete ein förmliches Wettbewerbsverfahren gegen eine Reihe von in der EU aktiven Unternehmen ein, teilte die Behörde am Freitag in Brüssel mit. Es gehe neben dem Verdacht der Preisabsprachen auch um mögliche Marktaufteilungen und Beschränkungen der Ein- und Ausfuhr von Zement und verwandten Produkten, erklärte die Kommission. Belegt seien die Vorwürfe nicht.
Die EU-Kommission nannte wie gewohnt kein Unternehmen beim Namen. HeidelbergCement bestätigte aber auf Anfrage, dass es zu den Verdächtigten gehört. Demnach durchsuchten Ermittler im EU-Auftrag schon im November 2008 Geschäftsräume des Unternehmens, wie ein Sprecher zur Nachrichtenagentur AFP sagte. Er gehe aber davon aus, dass der Verdacht ausgeräumt wird. "Wir haben eigene Untersuchungen angestellt, die die Vorwürfe nicht bestätigt haben."
Absprachen im Zement-Sektor standen schon in der Vergangenheit immer wieder im Visier der nationalen und europäischen Wettbewerbshüter. So verurteilte die Kommission 1994 ein Kartell zu Rekordstrafen, darunter war auch das damals noch als Heidelberger Zement firmierende Unternehmen.