Zur mobilen Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere Darstellung
auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
Startseite

Opposition und SPD attackieren Internetpläne der Telekom

Überlegungen der Deutschen Telekom, die Daten bestimmter Dienstanbieter gegen Geld schneller durchs Internet zu leiten, haben heftige Kritik von Oppositionspolitikern und Sozialdemokraten ausgelöst.

Streit um Überholspur im Internet

Streit um Überholspur im Internet

Überlegungen der Deutschen Telekom, die Daten bestimmter Dienstanbieter gegen Geld schneller durchs Internet zu leiten, haben heftige Kritik von Oppositionspolitikern und Sozialdemokraten ausgelöst. Unzufrieden zeigte sich auch der Verband Die Jungen Unternehmer.

"Wer auf die Überholspur will, muss zahlen, wer das nicht kann oder will, muss im Stau stehen", sagte Linksparteichefin Katja Kipping der Nachrichtenagentur AFP. Nichtkommerzielle und unabhängige Internetseiten hätten das Nachsehen. "Das Internet als Ort der freien Information, des Austausches und der Vernetzung wird im Schnellverfahren den Wirtschaftsinteressen geopfert."

Zuvor hatte Telekom-Vorstandschef Timotheus Höttges in einem Eintrag im Firmenblog erklärt, es werde künftig die Möglichkeit geben, "einen Dienst für ein paar Euro mehr in gesicherter Qualität zu buchen". Gerade Start-ups bräuchten für ihre Angebote oft eine besonders verlässliche Übertragungsqualität. "Nach unseren Vorstellungen bezahlen sie dafür im Rahmen einer Umsatzbeteiligung von ein paar Prozent." Als Beispiele für Angebote, die auf sogenannte Spezialdienste der Telekom zurückgreifen könnten, nannte Höttges Videokonferenzen, Online-Spiele und Telemedizin sowie selbstfahrende Autos und die vernetzte Industrieproduktion.

Der Grünen-Netzpolitiker Konstantin von Notz warf der Telekom vor, die Internetnutzung "von der Stärke des Portemonnaies" abhängig zu machen. Leidtragende seien "kleine Unternehmen, die wachsen wollen und gegen die Monopolisten in Zukunft schlechte Karten haben", sowie die Verbraucher, sagte er dem Radiosender MDR Info. Auch aus der SPD kam Kritik. "Die Telekom-Interpretation von Spezialdiensten ist nicht das, was wir wollen", sagte der Netzpolitiker Lars Klingbeil dem Portal heute.de. Die Pläne müssten gestoppt werden.

Unzufrieden zeigte sich auch der Verband Die Jungen Unternehmer, in dem sich Familien- und Eigentümerunternehmer im Alter bis 40 zusammengeschlossen haben. Jungen Firmen "eine Umsatzbeteiligung für mehr Speed im Netz vorzuschlagen, kommt moderner Wegelagerei gleich", beklagte Verbandschef Hubertus Porsche. Diese Unternehmen hätten für ein solches Angebot der Telekom gar kein Geld.

Die Telekom betonte, Höttges' Blog-Eintrag enthalte "nichts Neues". Es handle sich um "erste Vorschläge", die nun mit interessierten Unternehmen diskutiert werden könnten, sagte Unternehmenssprecher Philipp Blank der Nachrichtenagentur AFP. Start-ups und andere Anbieter bestimmter Dienste hätten bereits entsprechende Anfragen an die Telekom gerichtet.

Blank sagte, es gehe nicht um ein "Zwei-Klassen Internet". Auch sei die Vorstellung, die Internetverbindungen von Verbrauchern könnten unter der Einrichtung und Nutzung von Spezialdiensten leiden, "sehr falsch".

Hintergrund der Diskussion ist ein umstrittener Beschluss des Europaparlaments vom Dienstag. Demnach gilt in Europa zwar grundsätzlich die sogenannte Netzneutralität, also die Gleichbehandlung von Datenströmen im Internet. Allerdings sind zugleich Spezialdienste zur besonders schnellen und stabilen Datenübertragung grundsätzlich möglich.

AFP

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools