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Kinder oder keine Kinder – da gibt es keine zwei Meinungen

Wer von seinem eigenen Lebensmodell überzeugt ist, tut sich oft schwer damit, andere gelten zu lassen. Streit gibt es auch immer wieder um das Thema Kinder: bekommen oder lassen? Dabei ist die Antwort so einfach.

Kinder sitzen Arm in Arm auf einer Bank

Einer für alle, alle für einen

Falls ihn jemand nicht kennt: Moritz Neumeier ist Stand-up-Comedian, Autor und war 2010 Deutscher Meister im Poetry Slam. Privat wurde er kürzlich zum zweiten Mal Vater, was für ihn ein Anlass war, sich auch einmal beruflich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Denn im Gegensatz zur Geburt seines Sohnes war die Entscheidung für ein zweites Kind bewusst geplant, was sich, wie er sagt, noch einmal ganz anders anfühlt, als einfach nur so ein Kind zu kriegen.

Neumeier sieht sich damit nun im Lager Pro-Kinder, fragt sich aber, warum es diese Lagerbildung überhaupt gibt. Wer Kinder hat, vertritt seinen Entschluss zur Fortpflanzung vehement und hält es wie Loriot mit seinen Hunden: "Ein Leben ohne Möpse ist möglich, aber sinnlos." Gegen diese Haltung müssen sich kinderlose Paare verteidigen, ihnen begegnet häufig Unverständnis, wenn auch meist nur unterschwellig. Jede Seite scheint die andere belehren und bekehren zu wollen. Aber warum? Noch vor der Geburt seiner Tochter gibt ihr Neumeier daher etwas mit auf den Lebensweg.


"Der Kuckuck und der Esel"

In der Natur des Menschen liegt es, dass wir uns messen und vergleichen. Nicht in dem inoffiziellen olympischen Sinne von "Dabei sein ist alles", sondern nach dem tatsächlichen Ziel: Wir wollen gewinnen. Noch verbissener streiten wir, wenn es darum geht, wer Recht hat. Als bekämen unsere Meinung, unsere Einstellungen, unser Lebensweg erst einen Sinn, wenn wir andere davon überzeugt haben, es einzig richtig zu finden. Wie Neumeier es sagt: Weiß gegen Schwarz, Rechts gegen Links, Großfamilie gegen Kinderlosigkeit, Kuckuck gegen Esel. Leben und leben lassen, das kriegen wir nicht hin. Toleranz? Fehlanzeige. 


Um konstruktive Streitgespräche zu führen, gehen zu oft die Emotionen mit uns durch. Die Kommentarspalten in den sozialen Medien zeugen davon – je später der Abend, desto unflätiger die persönlichen Angriffe auf Mitdiskutanten. Der Wettstreit zwischen Kuckuck und Esel ist einer zwischen zwei Schreihälsen, deren stimmliches Vermögen stark begrenzt ist. Und die Zeilen "Das klang so schön und lieblich, so schön von fern und nah" triefen vor Ironie. 

Aus seinem eigenen Leben das beste machen, ohne sich auf sinnlose "Sängerkriege" einzulassen – ein weiser Ratschlag für das neugeborene Töchterchen von Neumeier. Nachahmenswert.


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