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Wie schön Ferien mit Kindern sein können - und wie sehr man sich auf die ohne sie freut

Er sagt, sie sagt: Ein Elternpaar spricht es aus. Diesmal: Wie schön Sommerferien doch sein können – mit und ohne Kinder.

Von Okka Rohd und Peter Praschl

Ein Kind in einem Museum

Unglücklicherweise haben Kinder aber andere Vorstellungen davon, was eine Sehenswürdigkeit ist. Das MoMA? Laaaangweilig, MaMA! (Symbolbild)

SIE: "Das Grüne ist am allerallerbesten", sagte sie und drückte sich den letzten Tropfen aus ihrem Wassereis in den Mund. Dann schob mir meine Tochter eine der Schaufeln zu. Wir bauten weiter an unserem Sandschloss, das riesig war und eigentlich nur aus Kuppeln bestand, die von und Steinen geschmückt wurden. Wir hatten uns einen riesigen Vorrat zusammengesucht. Es gab auch ein paar Stöcke mit Blätterfahnen und einen Tunnel für die Wellen, die manchmal vom See herüberschwappten. Als uns zu warm wurde, gingen wir ins Wasser, nur bis zu den Knien. Ich hatte Angst vor den Fischen, die auch nicht kleiner wurde, als sie mich an die Hand nahm. Das Wasser war kalt, viel kälter, als man es an einem Sommertag wie diesem erwartet hätte, aber ganz genau richtig. Irgendwann wurde der Himmel dunkel, und wir fuhren mit dem Rad nach Hause. Sie saß auf dem Kindersitz und sang sehr laut ein Jahreszeiten-Lied, bei dem ich immer nur bis zum Sommer komme, obwohl sie es mir wahrscheinlich schon 100 Mal vorgesungen hat. Als wir in unsere Straße einbogen, fing es plötzlich wie irre an zu gießen. Wir kreischten sehr laut. Dann stellten wir uns unter das Dach und streckten unsere Hände in den Regen.

Saure Pommes und Arschbombenwettspringen

Als wir zu Hause waren, brachte ich sie sofort ins Bett. Ich hätte neben ihr einschlafen können. Ich war müde von der Sonne, aber viel zu kribbelig, um mich meiner Müdigkeit zu ergeben. Diese Lebensverknalltheit, wenn sich ein stinknormaler Sonntagnachmittag anfühlt wie große Ferien. Verdammt, ist der Sommer mit Kindern schön. Bevor ich melancholisch wurde, dachte ich an bis zum Platzen gefüllte Wasserbomben. An saure Pommes für einen Euro, schwarz gespielte Kinderfüße, Arschbombenwettspringen und eine Kugel Stracciatella in der Waffel, nein, zwei.


ER: Eltern lernen, den Sommer wieder mit den Augen von Kindern zu sehen, sagt die Frau. Da hat sie recht. Seit vorletztem Jahr weiß ich, wo man in Amsterdam nachmittags um drei Riesenkaninchen bürsten kann, und seit letztem August hätte ich keine Probleme mehr damit, eine Liste mit den fünf besten Spielplätzen Stockholms ins Internet zu stellen. Früh haben wir beschlossen, nicht zu jenen Eltern zu gehören, die ihre Identität ihren Kindern opfern. Deswegen schauen wir uns in den die Städte an, die wir schon geliebt haben, als wir noch keine unverzichtbaren Einschlafkuscheltiere in unsere Koffer packen mussten – nur eben mit Kindern. Schließlich kann man die Schönheiten von Paris oder New York nicht früh genug kennenlernen.

Was für Kinder Sehenswürdigkeiten sind

Unglücklicherweise haben Kinder aber andere Vorstellungen davon, was eine Sehenswürdigkeit ist. Dieses hinreißend winzige Café im Marais? Da wart ihr doch schon gestern! Das MoMA? Laaaangweilig, MaMA! So kommt es, dass wir unsere Sommerferientage damit verbringen, auf Spielplätzen Anschwung zu geben und über die Erziehungsstile anderer Nationen nachzudenken, in Wissenschaftsmuseen komische Experimente mitzumachen und abends Spaghetti zu kochen. Genau wie zu Hause. Nur dass wir in einer Haustauschwohnung ein paar Flugstunden von Berlin entfernt sitzen.

Ein paar Jahre noch, denke ich, dann haben sie keine Lust mehr, den Sommer mit ihren Eltern zu vergeuden. Dann werde ich mir ein Interrailticket kaufen und die Pop-up-Galerien und Hipsterläden nachholen, die ich verpasst habe. Und endlich werde ich tun können, wozu die Ferien eigentlich da sind und was Kinder einfach noch nicht begriffen haben: länger als bis sieben schlafen.

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