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40 Windeln wechseln macht 400 Euro

Frauen arbeiten immer noch häufiger unbezahlt als Männer. Wie könnte sich das endlich ändern?

Sehr geehrter Lebensgefährte, Ehemann, lieber Bedarfsgemeinschafts-Angehöriger, oder vielleicht doch besser: sehr geehrter Wirtschafts- und Arbeitsminister,

hiermit stelle ich wie vereinbart für folgende Tätigkeiten im Monat Mai folgendes Honorar in Rechnung:

− viermal Grundreinigung aller Räume
− zwölfmal Wäschewaschen
− Gartenpflege
− Controlling der Haushaltsfinanzen
− Versorgungsgarantie mit Nahrungsmitteln just in time
− 30 Tage Kinderdienst
− 10 Tage Pflegehilfe bei den Eltern
− Summe: 2000 Euro.

Bitte überweisen Sie den Betrag auf mein Ihnen bekanntes Konto.

Vielen Dank und mit freundlichen Grüßen
Ihre/Deine Ehe- oder sonstige FRAU

Wer sich nun wundert: Ist nicht nötig. Die Rechnung über diverse Tätigkeiten im sogenannten Nichterwerbsarbeitssektor hat bislang immer noch keinen Adressaten. Sie ist virtuell. Sie bringt keinen Cent auf das Konto einer Frau. Und trotzdem ist es zwischendurch eine schöne Vorstellung, was so passieren würde, stellten alle Frauen, die unendlich viel arbeiten ohne dafür entlohnt zu werden, einfach mal eine Rechnung. Nach der neuesten Erhebung des Statistischen Bundesamtes leisten Frauen zwei Drittel ihrer Arbeit unbezahlt, Männer weniger als die Hälfte. Umgerechnet auf die wöchentliche Arbeitszeit kommen Frauen so auf gut 29 Stunden, für die sie keinen Lohn erhalten. Im Unterschied zu 2001/2 hat sich die Zahl leicht verbessert, damals waren es 32,5 Stunden. Aber zwei Drittel sind immer noch zu viel.

Was müsste passieren, dass sich in der Verteilung von Lohn und Arbeit endlich etwas ändert? Müsste man die Frauen zumindest für ihre bisher unbezahlten Tätigkeiten entlohnen? Das lehnen auch feministisch sehr engagierte Frauen wie etwa Helma Sick entschieden ab. Die Unternehmerin berät seit 30 Jahren Frauen in Geldangelegenheiten, denn sie findet: „Ein Mann ist keine Altersvorsorge“, so der Titel ihres aktuellen Buches, das sie zusammen mit der ehemaligen Familienministerin Renate Schmidt geschrieben hat. Den Frauen für Wäschewaschen und Kinderbetreuung Geld zu bezahlen, um wenigstens mit den Männern finanziell auf besserer Augenhöhe zu stehen, lehnt sie ab, wie sie vergangene Woche auch während des Nido-Salons im Café Luitpold betonte:

Dort ging es um die Frage, ob Geld die Liebe kaputt macht. Der Vorschlag, Frauen für Hausarbeit zu entlohnen, birgt eine Falle: Ihnen würde auf diese Weise der Zugang zur Erwerbsarbeit noch stärker erschwert.

Arbeit bedeutet jedoch weit mehr als Geld. Sie dient der Selbstverwirklichung, sie bringt Anerkennung und sozialen Status. Sie weist Frauen eine zusätzliche Rolle in der Gesellschaft zu. Was aber hilft dann in einer Situation, die die Vermögensverhältnisse von Frauen und Männern eher zementiert als verbessert? Das bedingungslose Grundeinkommen, wie es ein Gast im Salon in München so beherzt forderte?

Ein entschiedenes Nein hört man da auch von liberaler eingestellten Männern wie etwa Heinrich Wefing. Der stellvertretende Politikressortleiter der Zeit und Co-Autor des Buches „Geht alles gar nicht. Warum wir Kinder, Liebe und Karriere nicht vereinbaren können“ war ebenfalls zu Gast im Salon im Café Luitpold. Er hält die Idee, alle Bürger mit einem Grundeinkommen auszustatten, für völlig unrealistisch und im Prozedere der Umstellung zu bürokratisch.

Darauf zu vertrauen, dass sich die Gleichstellung, auch die monitäre, zwischen den Geschlechtern von selbst ändert, ist nur leider noch utopischer. Helma Sick bot einen weiteren Vorschlag: Zumindest in Beziehungen sollte es Verhandlungssache sein, wer in welchen Teilen einer Erwerbsarbeit nachgeht und wer vom Partner eine Ausgleichszahlung, auch im Hinblick auf die Rente, für Pflege- und Hausarbeit bekommt.

Aber wo bleibt da die Liebe? Ist das nicht völlig unromantisch und gefährdet es am Ende die Beziehung? Mag sein. Aber etwas kämpferischer könnten Frauen schon sein, wenn es um ihre Entlohnung geht. Da hat Helma Sick Recht. Sie könnten ja im Kleinen, in ihren Beziehungen, beginnen und im Größeren fortfahren. Zum Glück sind Frauen heute oft gut ausgebildet und können Forderungen an Unternehmen stellen. Und zum Glück haben Frauen heute das Wahlrecht.

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