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Kinder weg von der Front!

Die Uefa untersagt Fußballspielern, mit ihren Kindern nach Partien auf dem Rasen zu feiern. Wo kämen wir da auch hin? Gut, zu einem moderneren Männerbild. Aber davon will die Uefa nichts wissen.

Als wäre es nicht schon genug, dass sie das alte Schlachtross England aus dem Turnier geschossen haben. Nein, nun wirbeln die Fußballspieler von Wales auch noch die heile Welt der Uefa durcheinander. Der eine hat Hochzeitsplanungsprobleme, wie er freimütig erzählt. Der andere kann seinen Job als Trauzeuge vielleicht nicht antreten. Und am Ende der Spiele dieser EM holen die Papas dieses erstaunlichen Teams immer mehr von ihren Kindern auf den Rasen. Knuddeln sie. Toben mit ihnen herum. Lachen. Verteilen Zärtlichkeiten. Zärtlichkeiten, das muss man sich mal vorstellen!

Früher gab es einen Grund, warum die Spieler einer Nation bei internationalen Turnieren MANNschaft hießen. Denn es kämpften sich noch Männer durch die 90 Minuten, keine soften Schmusepapas, die noch nicht mal für ein ordentliche Blutgrätsche zu haben sind, sondern nur noch für Balletteinlagen (Boateng!). Früher wären sie eher tot umgefallen nach so einem wichtigen Kampf als an ihren Nachwuchs zu denken. Heute schalten die Ballkünstler und Taktikstrategen sofort nach Ende des Kämpfchens auf Familienmodus um und präsentieren fröhlich ihren Nachwuchs vor den Kameras dieser Welt.

Aber damit ist jetzt Schluss! Die Uefa hat sich das lange genug angesehen und ein Machtwort gesprochen. Turnierdirektor Martin Kallen teilte mit, dass die Bilder etwa von Neil Taylor und Hal Robson-Kanu nach dem Sieg im Viertelfinale gegen Belgien mit ihren Kindern auf dem Rasen des Stade Pierre-Mauroy ja ganz schön gewesen sein mögen. „Aber das ist eine Europameisterschaft und zumindest auf dem Rasen keine Familienveranstaltung.“ Und solange die Spieler ihre Füße auf dem Grün der Uefa laufen lassen, entscheidet auch die Uefa, was sie dürfen und was nicht.

Nun muss man wissen, dass dieser Martin Kallen den Spitznamen „Mr. Euro“ nicht grundlos trägt. Er hat aus dem sonst schon ganz guten Geschäft mit der Fußball-EM nun ein noch größeres Milliardengeschäft gemacht. Er ließ dafür die Regeln ändern und rückte nach eigener Auskunft mit „einer Armee“ an, um das ganze Ding zu managen. „Ich bin der Dirigent, der schauen muss, dass jeder sein Instrument richtig beherrscht und das ganze Orchester zusammenspielt“, sagte er dem Magazin „Capital“.

Dass so jemand es gar nicht gerne sieht, wenn jemand nicht nach seinem Taktstock spielt, versteht sich von selbst. Lustigerweise führte aber seine Regeländerung dazu, dass Underdog-Teams wie Island oder Wales überhaupt so weit kommen konnten und sich in ihrer Euphorie so gar nicht an überkommene Regeln und Rituale halten wollen. Fußballprofis und Superstars wie Gareth Bale inszenieren sich nicht unbedingt mehr wie Kampfmaschinen, die auf ihrem Weg zum Sieg alles niedermähen. Sie sind in ihrem Leben auch Väter, die ihre Kinder wenigstens in einigen wenigen Momenten ihrer spärlich vorhandenen Zeit an ihrem Beruf teilhaben lassen wollen.

Manager alter Schule wie auch der der deutschen Mannschaft Oliver Bierhoff haben dafür kein Verständnis. „Mir persönlich ist es auch ein bisschen zu viel“, sagte er den Medien. Das Herumtollen der Kleinen sei „eine Entwicklung der Zeit“. Es gehe ja auch im normalen Berufsleben so, dass mal ein Kind mitkomme, sagte Bierhoff. Aber wenn man als Mannschaft gespielt habe, könne man auch als Mannschaft auf dem Platz bleiben.

Klar, wer nimmt seine Kinder schon gerne mit in den Krieg. Würden wir auch nicht machen. Auch nicht, wenn wir ihn gewinnen würden. Zum Glück müssen wir das aber auch gar nicht. Diese Zeiten sind schließlich vorbei. Hoffentlich holen die walisischen Spieler heute Abend nicht nur ihre Kinder, sondern gleich noch ihre Frauen auf den Rasen! Nur so. Zum Spaß an der Familie.

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