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Wie es ist, mitten in der Großstadt in einem Bauwagen zu leben

Familie Heim/Schober lebt anders als die meisten: Ihr Bauwagenplatz liegt mitten in der Großstadt und ist trotzdem von jeder Menge Grün umgeben.

Von Gorana Blagojevic und Carmen Maiwald

Bei schlechtem Wetter kann sich Nesthäkchen Ava in seinem eigenen Bauwagen beim Schaukeln richtig austoben.

Bei schlechtem Wetter kann sich Nesthäkchen Ava in seinem eigenen Bauwagen beim Schaukeln richtig austoben.

Das Leben in einer Gemeinschaft, die Natur direkt vor der Tür, ein wenig mehr Freiheit als andere Großstadtbewohner: Die Vorzüge ihres Bauwagenplatzes im hessischen Darmstadt liegen für Familie Heim/Schober auf der Hand. Vor mehr als 20 Jahren wurde das 3500 Quadratmeter große Areal von der Stadt gepachtet, um dort eine kleine Bauwagen-Oase zu errichten, programmatischer Name: Diogenes. "Der Philosoph lebte in einem Weinfass", erklärt Mutter Martina, die wie auch ihr Mann Andre schon vor Geburt ihrer Kinder hier lebte. "Er entsagte allem Luxus. Deshalb steht Diogenes für ein einfaches Leben."

Und so wohnt die 44-jährige Krankenschwester mit Andre, 44, einem Sozialpädagogen, und den Kindern Neo, 9, und Ava, 6, in fünf verbundenen Bauwagen auf 65 Quadratmetern. "Neo findet es toll, so besonders zu leben. Und Ava liebt die Natur. Sie beobachtet wahnsinnig gern Tiere", sagt Martina. An Regentagen kann die Sechsjährige das sogar, ohne rauszugehen. Beim kompletten Um- und Neubau der Bauwagen haben ihre Eltern zahlreiche Fenster eingesetzt. Aus Kinderzimmern, Elternbereich, Wohnküche, Spiele- und Gästewagen lässt sich so jederzeit ins Grüne schauen.

Die begrenzte und verwinkelte Fläche der Wagen brachte es mit sich, dass das Paar nicht nur auf eine nachhaltige, sondern vor allem auch auf eine funktionale Einrichtung setzte. Selbst gebaute Einbauschränke sorgen für Stauraum, selbst gebaute Holzmöbel für optimale Platzausnutzung. Gebrauchte Fundstücke vom Flohmarkt oder Anzeigenportalen wie ebay.de und quoka.de ergänzen das individuelle Interieur. Neue Möbel kaufen Martina und Andre so gut wie nie. Der bewusste Umgang mit Ressourcen gehört eben auch zu ihrem Lebensstil.

"Wir sind sehr dankbar"

Wasser bezieht die Familie im Sommer aus den nahen Schrebergärten, im Winter holt sie es kanisterweise aus der angrenzenden Turnhalle. Strom bekommen sie aus Solarzellen oder bei höherem Bedarf aus einem Feststromanschluss. Vier Öfen sorgen zudem für Wärme. "Trotz mancher Entbehrungen leben wir hier idyllisch", sagt Martina. "Dafür sind wir sehr dankbar."

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