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Mit Kind aufs Festival? Ein Pro und Kontra

Die Festivalsaison ist in der heißen Phase und mit Sicherheit stellt sich das ein oder andere frisch gebackene Elternteil die Frage, soll ich mein Kind einfach mit aufs Festival nehmen? Wir sind dafür. Und dagegen.

Die ist bereits in vollem Gange. Und für Eltern stellt sich vielleicht zum ersten Mal die große Frage: soll ich mein Kind auf ein Festival mitnehmen oder es lieber sein lassen?

Viele Festivals haben klare Regeln für Familien aufgestellt. unter sechs bis acht Jahren sind oftmals schlicht nicht gestattet, für Kinder zwischen 6 und 15 muss eine erwachsene Begleitperson dabei sein, Jugendliche ab 16 können mit dem ‚Muttizettel‘ auch nach 24 Uhr alleine tanzen.

Unsere Redakteure sind sich bei Festivalbesuchen nicht ganz einig: ein Pro von Daniel Ramm und ein Kontra von Dani Doege.

Daniel Ramm – Pro

Damit wir uns richtig verstehen: Ich würde meine Kinder (2 und 8) nicht nach Wacken zerren, wenn gerade 85.000 Heavy-Metaler ihre Monstermatten zu Slayer durch die Luft schleudern (zu haarig, zu laut). Aber ich würde sie vielleicht mit auf das Hamburger Dockville nehmen, an einem sonnigen Samstagnachmittag, spontan.

Wir würden mit dem Rad durch den Hafen fahren, vorbei an einem von lachenden Mädchen, die sich Gänseblümchen in die Haare geflochten haben, und Jungs mit Strohhütchen auf dem Kopf und bunten Sonnenbrillen auf der Nase. Wir würden am Rande der Festivalwiese im Gras liegen, dort, wo man diesen wunderbaren Blick auf den Fluss hat, auf die Wolken, die sich in ihm spiegeln, und später auf die untergehende Sonne.

Die ganze Zeit würde zu uns herüberwehen. Vielleicht würden wir auf diesem Klangteppich aus Birdy-Chet-Faker-Oracles-Dillon durch die Sommerwärme tanzen. Wir hätten Spaß, wie alle hier. Die Kinder würden ein wenig Leichtigkeit mitbekommen und womöglich eine Idee von guter Musik. Und sie dürften so viel Cola trinken, wie sie wollen. Spießig können wir dann ja wieder am Montag sein.

Daniela Doege – Kontra

Hat (m)ein Kind wirklich Spaß auf einem Festival? Sind Hurricane, Melt, Fusion oder Wacken der richtige Ort, um dem eigenen Kind den elterlichen Musikgeschmack vorzuführen und näher bringen zu wollen?

Für mich ganz klar: Nein. Kinder haben auf Festivals nichts zu suchen. Viele Veranstalter großer Festivals wie dem Melt, dem Highfield, Wacken, Dockville oder Hurricane sehen das ähnlich: Kindern unter 6, manchmal auch 8 Jahren wird kein Einlass gewährt, oder es wird den Eltern zumindest nahegelegt, die kleinen Kinder doch bitte zu Hause zu lassen, um sie vor negativen Einflüssen zu schützen.

Ich bin mir sicher, bei meinem letzten Besuch auf dem Highfield hätte meine inzwischen siebenjährige Tochter wenig Spaß gehabt und ich damit ebenfalls. Laut, voll, Temperaturen um die 35 Grad (Schatten Mangelware) und mit Sicherheit nicht ihr Musikgeschmack. Und dabei ist das Highfield noch eines der kleineren Festivals, mit ’nur‘ 20.000 Besuchern. Ich hatte übrigens meinen Spaß, so ganz ohne Kind, denn ich musste nicht ständig angespannt über meine Tochter wachen.

Die Vorstellung, meine Tochter z.B. auf der Fusion mehrere Tage zwischen alkoholisierten oder mit Drogen angefüllten Festivalbesuchern beim Sammeln von Kronkorken und Glasscherben zu beobachten, wäre jetzt nicht meine Idealvorstellung eines schönen, gemeinsamen Wochenendes. Im schlechtesten Fall verliere ich sie sogar irgendwo. Mein Kind ist nämlich keines dieser ‚Bei Fuß‘ Kinder, nein, guck mal hier, guck mal da, zack und weg ist sie.

Dann wäre da noch die Lautstärke. Erlaubt sind per Gesetz um die 100 Dezibel, und bereits bei 85 DB ist eine Dauerbeschallung ungesund. Und für Kinder noch viel mehr. Leider haben viele Eltern offenbar noch nicht begriffen, wie wichtig Gehörschutz für die Ohren ihrer Kinder ist. So sehe ich auf Konzerten und Festivals immer wieder Eltern, die mit ihren Kindern auf den Schultern ganz besonders gern vor Boxen tanzen.

Ich finde, meine Tochter hat weder mit fünf, noch mit sechs und auch noch nicht mit acht Jahren etwas auf einem mehrtägigen Festival zu suchen. Das kann mit 10 oder 12 Jahren vielleicht ganz anders aussehen, aber da hab ich noch ein paar Jahre hin.
Schöne Grüße vom Spießer.

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