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Sex in langen Beziehungen: Als Sabina ihren Jakob kurz mal ins Hotel bestellte

Mit Kindern bleibt der Sex auf der Strecke? Das muss nicht sein. Fünf Paare haben ihn wiederentdeckt. Was sie verbindet: Es geschah nicht im Bett - sondern im Auto, Hotel oder unter freiem Himmel. Teil drei der Serie.

Julia Meyer-Hermann

Ein Mann küsst den Hals einer Frau auf einem Bett

Manchmal ist es am besten seine eigenen vier Wände zu verlassen, um in Ruhe Zeit für sich zu haben

Eine kinderfreie Zone ohne Gespräche über Schule, Windeln und ihre drei Söhne: Sabina, 39, und Jakob, 38, nehmen sich erotische Auszeiten im Hotel. Hier können die Sportlehrerin und der Ingenieur wieder sein, was sie am Anfang ihrer Beziehung waren: einfach nur ein Liebespaar

Sabina*: Wenn ich in den Spiegel gucke, denke ich manchmal: Du Spielplatz-Muddi! Ich trage meistens Boyfriend-Jeans, wetterfeste Jacken und Turnschuhe. Das bietet sich an, wenn man ständig mit drei Jungs draußen unterwegs ist. Vor etwa einem Jahr ist mir allerdings aufgefallen, dass sich mein Sexleben ähnlich pragmatisch anfühlt wie meine Alltagskleidung. Passt schon, funktioniert gut – aber aufregend ist was anderes.

Klar, das bringt das Elternsein mit sich. Aber ich hatte das Gefühl, dass es auch damit zusammenhängt, dass ich mich viel weniger weiblich fühle als zu der Zeit, als ich Jakob kennenlernte. Wir haben unsere Zusammenkünfte damals regelrecht zelebriert. Weil wir in verschiedenen Städten wohnten, haben wir uns manchmal in der Mitte in hübschen, kleinen Hotels getroffen. Ich habe Unmengen an Geld in Dessous investiert. Die passen mir immer noch, aber ich kann mir einfach nicht vorstellen, abends in High Heels und Negligé ins Schlafzimmer zu stöckeln, nachdem die Jungs endlich eingeschlafen sind.

Kleines Schwarzes und nix drunter

"Du brauchst eine andere Bühne, einen anderen Rahmen", habe ich irgendwann für mich entschieden und an einem Freitagabend unseren Babysitter und ein Zimmer in einem hübschen Boutique-Hotel gebucht. Jakob habe ich nicht vorher gefragt, ich war mir nämlich sicher, dass er sofort angefangen hätte zu rechnen, wie viel so ein Abend kostet. Ich habe ihn direkt nach der Arbeit zu einem After-Work-Drink in die Hotelbar bestellt. Er hat schon ziemlich erstaunt geguckt, als ich dort im kleinen Schwarzen aufgelaufen bin. Erst recht als ich ihm gesagt habe, dass ich unter dem Kleid nur halterlose Strümpfe trage und oben ein Bett auf uns wartet.

Beim ersten Mal musste es so schnell gehen, dass ich mein Kleid nur hochgeschlagen habe, ganz so, wie ich es mir vorgestellt hatte. In Hotelzimmern sind Spiegel oft so platziert, dass man sich von überall darin sehen kann. Ich hatte also das Vergnügen, uns beim Sex auf einem Sessel beobachten zu können. Danach hat mein sonst so sparsamer Freund eine Flasche Champagner aufs Zimmer kommen lassen, die haben wir im Bett geleert. Drei Stunden später sind wir zur gewohnten Zeit nach Hause gefahren und haben den abgelöst.

Keine Gespräche über Windeln oder Kindergarten

Jakob: Ich weiß noch genau, was ich dachte, als Sabina in der Hotelbar auf mich zukam: Was für ein Geschoss. Es brauchte tatsächlich einen Moment, bis ich diese Fremde als meine Liebste erkannt habe. Was aber überhaupt nicht daran lag, dass ich Sabina nicht als gut aussehend wahrnehme. Mir gefällt ihr Kapuzenpullover-Stil, ich finde lässigere Klamotten generell besser als zu viel sichtbare Mühe beim Styling. Was einschließt, dass ich kein großes Drumherum beim Sex brauche: Sabina nackt reicht mir völlig.

Trotzdem war diese Inszenierung in der Bar extrem geil. Meine Freundin in einem kniekurzen Kleid ohne Unterwäsche! Mag sein, dass das ein Klischee-Männertraum ist, mich hat das jedenfalls sofort erregt. Ich hatte Angst wie ein Teenager, dass man durch die Stoffhose meine Erektion sehen könnte. Der Sex war auch deshalb so gut, weil er in einer komplett kinderfreien Zone stattgefunden hat. Kein Nachhorchen, ob auch wirklich alle schlafen. Nicht direkt vorher ein Gespräch über Schule, Kindergarten, Windeleinkäufe. Es ging nur um uns. Auf dem Nachhauseweg waren wir so dermaßen gut gelaunt, dass sofort klar war, dass wir uns das öfter gönnen sollten.

*Alle Namen von der Redaktion geändert


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