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Alles ist möglich?

Lassen sich Beruf und Familie nun vereinbaren oder nicht? Was muss sich in unserer Gesellschaft ändern? Diskutieren Sie mit uns - heute Abend!

Susanne Garsoffky & Britta Sembach Foto: Gudrun Senger

Die Alles ist möglich-Lüge. Wieso Familie und Beruf nicht zu vereinbaren sind ist der Titel des Buchs der Autorinnen Susanne Garsoffky und Britta Sembach (Pantheon 17,99 Euro). Wir haben vorab mit den Autorinnen über ihre Kernthesen gesprochen.

Was ist die „Alles ist Möglich-Lüge“?

Das Buch „Die Alles ist möglich-Lüge“ beschreibt den unmöglichen Zustand, Familie und Beruf oder gar Karriere zur selben Zeit unter einen Hut bringen zu müssen. Das Buch ist eine Kritik an der Anforderung an junge Eltern, möglichst kurz aus dem Beruf auszusetzen, wenn die ersten Kinder kommen. Denn es ist eben NICHT möglich, genug Zeit für seine Liebsten zu haben und ununterbrochen an der Karriere zu basteln, ohne einen Preis dafür zu bezahlen. Wir müssen Familien mehr Zeit im ganzen Lebensverlauf einräumen, um je nach Lebensphase den unterschiedlichen Anforderungen in Familie und Beruf gerecht werden zu können.

Welches sind die wichtigsten Gründe, aus denen Familie und Beruf Ihrer Meinung nach nicht vereinbar sind?
Der wichtigste Grund ist, dass Familie und Beruf zwei total unterschiedliche Lebensbereiche sind, die von den Menschen dasselbe wollen: Ungeteilte Aufmerksamkeit und totale Verfügbarkeit – das kann nicht klappen. Es sind zwei Lebensbereiche, die sich einfach nur addieren. Beide verlangen hohe Konzentration und Hingabe – das führt fast zwangsläufig zu Überlastung. Weitere Gründe: Unflexible Arbeitgeber, die Flexibilität nur an den betrieblichen Interessen und nicht an den Bedürfnissen und Zwängen ihrer Mitarbeiter ausrichten. Eine immer noch vorherrschende Präsenzkultur in den Unternehmen, die alternative Arbeitszeitmodelle nur sehr zögerlich – wenn überhaupt – umsetzt. Eine Arbeitskultur, die es vor allem Männern noch sehr schwer macht, sich Zeit für die Kinder zu nehmen. Und die jeden, der das wagt, gnadenlos abstempelt und aussortiert. Teilzeitjobs, die zur Sackgasse werden, weil es (noch) kein Rückkehrrrecht auf Vollzeit gibt usw. usw.

Was müsste sich dringend ändern?
Der Wechsel zwischen Zeit für die Familie und für den Beruf muss einfach und selbstverständlich werden. Dafür muss niemand ganz zu Hause bleiben – aber immer mal wieder Zeit investieren in die Familie sollten er oder sie schon können. Sozial abgesichert und ohne berufliche Nachteile. Wir müssen anerkennen, dass die Zeit, die Menschen für Fürsorge aufwenden, keine verschwendete und nutzlose Zeit ist, sondern genauso wertvoll wie bezahlte Arbeit. Und sie führt mitnichten zum Verlust sämtlicher beruflicher Qualifikationen. Wir müssen weg von der kontinuierlichen Erwerbsbiografie und diese als alleinige Norm sehen. Vielmehr müssen wir die Übergänge zwischen den verschiedenen Phasen intelligent gestalten und absichern. Wir müssen länger arbeiten dürfen, wenn wir das wollen, damit wir in der Rush-Hour des Lebens so reduzieren können, dass wir Zeit für unsere Familien haben. Teilzeit muss Chance nicht Falle sein, auch in Führungspositionen muss sie selbstverständlich werden. Karriere in Teilzeit oder späte Karrieren müssen möglich werden.

Haben Sie noch Hoffnung?
Natürlich haben wir Hoffnung – aber es ist noch viel zu tun! Wir haben jahrzehntelang Möglichkeiten ausgelassen, die Rahmenbedingungen für arbeitende Eltern substantiell zu verbessern, wir sollten endlich damit anfangen! Dazu gehört weit mehr, als nur der Ausbau der Kleinkindbetreuung. Dazu gehört vor allem, Familien als wichtige Säulen in dieser Gesellschaft anzuerkennen. Und alles, wirklich alles, dafür zu tun, dass es ihnen gut geht.

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