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Fünf originelle Rezepte: Was man mit Erdbeeren so alles machen kann

Was machen wir nur mit den ganzen Erdbeeren? Diese Frage stellte sich unsere Autorin und ihrem Sohn nach einem Impulskauf auf dem Wochenmarkt. Zum Glück fanden sie schnell sehr schmackhafte Antworten.

Können ihr Glück kaum fassen (und tragen): Autorin Mia Raben schleppt mit Sohn Anton die Erdbeeren nach Hause. Und jetzt?

Immer wenn ich meinen zwei Jungs ihre geliebten Bratkartoffeln zubereite – wozu ich wohlgemerkt jede vorgekochte Scheibe mit zenbuddhistischer Konzentration von beiden Seiten in Butter anbrate –, ärgere ich mich, dass sie sofort nach schreien. Ich bin ein Feind von Ketchup. Schon von seinem Geruch wird mir übel. Ketchup zerstört jeden Geschmack. "Probiert die Kartoffeln doch mal mit Kräuterquark", sage ich. Aber nein, keine Chance! Da kam uns die Idee mit dem Erdbeerketchup …

Wir liefen mit einem Riesenhunger über den Wochenmarkt, und plötzlich hatten wir eine ganze Palette gekauft. Einfach so. Sie sahen einfach hinreißend aus. Warum es allerdings unbedingt fünf Kilo sein mussten, weiß ich im Nachhinein auch nicht mehr. Muss wohl der Riesenhunger gewesen sein. Zu Hause aßen mein siebenjähriger Sohn Anton und ich dann jeder gleich mal drei Portionen Erdbeeren mit Schlagsahne. Danach hatten wir allerdings immer noch Unmengen von Erdbeeren übrig. Was jetzt? Was sollten wir mit all den roten Früchten anfangen, bevor sie uns verdarben? Marmelade kochen? "Laaangweilig!", kommentierte Anton sofort. "Was kann man mit Erdbeeren denn sonst so machen?", fragte ich nachdenklich. "Erdbeerketchup!", antwortete Anton mit einem breiten Lächeln. "Warum eigentlich nicht?!", sagte ich, ebenfalls mit einem Lächeln.

Fünf schmackhafte Erdbeer-Rezepte zum Nachkochen

Erdbeer-Rezepte
Erdbeer-Risotto

Erdbeer-Risotto (für 4 Personen)


Zutaten

2 Schalotten, 500g Erdbeeren, 1 EL Butter, 300g Risotto-Reis, 150 ml Weißwein, 400 bis 500ml heißer Gemüsefond, 80g geriebener Parmesan, Salz, Pfeffer, Zucker, Je eine Hand voll Basilikum und Minze, grob gehackt, Olivenöl


Zubereitung

Die Schalotten schälen und fein hacken. Die Erdbeeren waschen, putzen und die Hälfte der Früchte fein würfeln. Die übrigen Erdbeeren in gröbere Würfel oder Spalten schneiden.

Die Butter in einem Topf zerlassen, Schalotten zugeben und glasig anschwitzen. Dann die fein gewürfelten Erdbeeren und den Reis zugeben. Unter Rühren ein paar Minuten rösten, dann alles mit dem Wein ablöschen. Wenn die Flüssigkeit verkocht ist, nach und nach den heißen Gemüsefond zugeben und bei mittlerer Hitze unter stetem Rühren einkochen lassen, bis der Reis gegart ist.

Gegen Ende der Garzeit die Hälfte des Parmesans unterrühren. Mit Salz, Pfeffer und etwas Zucker abschmecken. Die Hälfte der übrigen Erdbeeren unterrühren und das Risotto auf Teller verteilen. Die restlichen Erdbeeren mit den Kräutern und dem Parmesan mischen und darauf anrichten. Nach Belieben mit etwas Olivenöl beträufeln und sofort servieren.

Kurze Zeit später finde ich dann auch wirklich das passende Rezept. "Anton, wir machen Erdbeerketchup!", rufe ich ins Kinderzimmer. "Echt?", schallt es zurück. Die ganze Tragweite seines Vorschlags wird meinem Sohn erst jetzt langsam bewusst: Er muss jetzt mit mir kochen. "Wir haben doch schon Ketchup im Kühlschrank", sagt er schnell. "Aber wir wollten doch unsere Erdbeeren verarbeiten", erkläre ich ihm mit diesem leicht vorwurfsvollen, pädagogisch fragwürdigen Unterton und entscheide mich dann umgehend, doch lieber meinen inneren Good Cop sprechen zu lassen: "Wir können ja auch erst mal Erdbeereis machen." "Au ja!", jubelt Anton. Und schon hüpft er in die Küche. Na, das klappt doch bestens.

Erdbeere mal anders

Wir beschließen, zu machen, das nicht "Ed von Schleck" heißen darf, aber so ähnlich aussehen soll. Früher dachte ich immer, Eis machen nur Leute, die nicht vor aufwendigen Prozeduren zurückschrecken, also: die anderen. Heute denke ich: Es ist schön, wenn die Dinge im Leben leichter sind, als man erwartet. Das Eis ist tat sächlich recht einfach herzustellen. Dafür brauchen wir lediglich ein paar leere Joghurtbecher.

Wir pürieren Erdbeeren mit Gelierzucker und Zitronensaft und verrühren in einer zweiten Schüssel Honig mit Vanillejoghurt. Anton füllt jedes Förmchen abwechselnd mit Joghurt und Erdbeermasse. Einen Holzstiel in die Mitte, ab ins Eisfach, fertig in drei Stunden.

Ein durch und durch sinnlicher Erdbeermoment

In der Zwischenzeit sammele ich drei weitere verheißungsvolle Rezepte mit Erdbeeren zusammen: Erdbeerrisotto, Erdbeerdressing und ein Erdbeersirup, mit dem sich mühelos jedes Getränk verfeinern lässt. Alles einfach, alles lecker.

Als es weitergehen soll, sagt mein Kind: "Ich will spielen." "Ich dachte, wir machen Ketchup", entgegne ich. "Nö, keine Lust mehr", höre ich aus dem Kinderzimmer und dann nur noch die Geräusche des Plastikroboters, den Anton zum Geburtstag bekommen hat. Ich muss das Erdbeergebirge wohl oder übel alleine erklimmen und beginne mit dem . Auf das Glas Crémant mit einem Schuss Erdbeersirup heute Abend als Belohnung für all die Arbeit freue ich mich schon.

Als ich anderthalb Kilo gezuckerte Erdbeeren mit Vanille und Zitronensaft unter Rühren zum Köcheln bringe, erfasst mich ein durch und durch sinnlicher Erdbeermoment. Mich beseelt die Vorstellung, dass gerade etwas entsteht, das mein Kind glücklich macht (Fruchtmix mit Erdbeerschuss) und mich herrlich betrunken (Crémant mit Erdbeerschuss). Eine Sache, zwei wunderbare Möglichkeiten. Erdbeeren sind Win-win-Beeren!

Ich beginne, mit dem Kartoffelstampfer die heiße, dampfende Erdbeermasse zu bearbeiten. Der Sirup, die süße Essenz, quillt hervor. Danach presse ich alles durch ein Sieb, koche es später mit Zucker erneut auf und fülle es mit einem Trichter in Flaschen ab. Meiner flüssigen Belohnung steht nichts mehr im Wege.

"Drei Farben Rot"

Anton kommt in die Küche: "Ist das Erdbeerketchup fertig?" Das interessiert ihn dann doch. "Nein, noch nicht ganz", sage ich. Gerade brate ich Zwiebeln und Knoblauch mit Currypulver und Tomatenmark an. Ich lasse Anton das Ganze mit Weißweinessig ablöschen. "Bäh! Das stinkt total eklig", sagt er. "Das ist nur im Moment so. Das Erdbeerketchup wird bestimmt ganz lecker", beruhige ich. "Ich esse das auf keinen Fall", stellt mein Sohn trotzdem schon mal klar. Gibt es da nicht dieses Sprichwort "Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht"? In meinem Alltag als kochende Mutter geht mir dieser Spruch ziemlich häufig durch den Kopf. Ob meine wohl noch mehr mit einem Bauern gemeinsam haben?

Das Ketchup ist leuchtend rot. Es sieht in der Flasche sehr appetitlich aus. Der Salat mit dem Erdbeerdressing ist auch fertig. Die Zutaten für das Risotto sind immerhin vorgeschnitten. Der Rest muss bis morgen warten. Wir stellen alle Flaschen – Sirup, Dressing und Ketchup – auf unseren Gartentisch. In ehrfürchtiger Erinnerung an meinen Lieblingsregisseur Krzysztof Kieslowski betrachte ich unser Werk und gebe ihm den Titel: "Drei Farben Rot".

Es ist angerichtet: Pommes mit Erdbeerketchup, dazu Hüftsteak. Anton liebt Steaks. Er weiß, dass dafür eine Kuh gestorben ist, und findet das in Ordnung. Vorsichtig wage ich mich auch an das Ketchup: Hmmmmh! Es schmeckt angenehm süß-säuerlich mit einer leichten Currynote. Wirklich sehr gut! Auch Anton ist zufrieden. Aus mir wird wohl trotzdem kein überzeugter Ketchup-Fan mehr, aber die Erdbeervariante hat mich zumindest etwas besänftigt. Darauf einen weiteren Erdbeer-Crémant!


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