Mobile Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere
Darstellung auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
HOME

Das große Missverständnis

Ein Cluburlaub mit Kind mag erstmal praktisch klingen. Aber manchmal ist er so nützlich wie ein Kropf.

Im falschen Paradies? Cluburlaub mit Kind. (Foto: privat)

Wir hatten eine Heidenangst vor diesem Urlaub. Das hieß, zwei Wochen allein mit unserer Tochter zu verbringen. Ob wir diesen Bespaßungstest bestehen würden, war so klar wie die Wettervorhersage. Unsere Tochter ist aus der Kita ein wildes Programm gewöhnt: Dort klettert sie auf Bäume, singt, bastelt, isst pünktlich um 12.30 Uhr zu Mittag, nicht zu warm, nicht zu kalt, danach wieder turnen, fangen, malen, kloppen. Meistens kommt sie nachmittags mit bunt bemaltem Gesicht und erdverschmierter Hose auf einen zugerannt.

Das muss man erstmal toppen! Da wir ihrem Bewegungsdrang und dem Kinderprogramm gerecht werden wollten, buchten wir einen durchorganisierten Cluburlaub: ein mallorquinisches Pauschalparadies mit Poollandschaft, Minidisco, nervigen Clowns, Kindern soweit das Auge reicht und einem Buffet mit Pommes, Pizza, Nudeln und 28 verschiedenen Nachspeisen. Wir waren schwer bewaffnet. Mit uns würde es nicht langweilig werden. Können wir mit links, was die Kita kann!

Siegessicher durchschritten wir die überfüllte Hotelanlage vor der malerischen Goldküste im Südwesten Mallorcas. Zu zweit wären wir nie hierher gekommen. Gefühlte 4000 Gäste aus aller Welt besetzten die Poolliegen; abends schaute man sich bei Sangria die Animateur-Version von Cats an und früh morgens weckte einen der Hunger-Kanon unzähliger Säuglinge. Eigentlich mögen wir Rucksackreisen, unkonkrete Unterkünfte, Wanderungen zu Bergvölkern und sowas.

Aber wir wollten ihr kein pädagogisch wertvolles Reiseprogramm aufzwingen, das hätten wir egoistisch gefunden. Wenn unsere Tochter nur vollanimiert glücklich ist, sind wir es eben auch. Nur, so war es nicht. Am vierten Tag wurde es langsam komisch. Sie war eigentlich ganz guter Dinge, wollte aber partout nicht mit anderen Kindern spielen. Sie hütete ihr Spielzeug wie einen heiligen Gral und wich kaum von unserer Seite. Selbst die Bernd-das-Brot-Hüpfburg im Ort schaute sie nur kurz interessiert an, hüpfte einmal und sprach nicht mehr davon. Beim Abendbuffet rührte sie nur die Pizza an und etwas Eis. War sie krank? Was war mit ihr los? Was haben wir falsch gemacht? Und wo konnte man Beschwerde einlegen?

Erst mal mieteten wir etwas ratlos Fahrräder und fuhren in die abgelegene Bucht eines Naturschutzgebiets. Hier waren kaum Menschen, es gab nur Sand und eine azurblaue Lagune, in der eine Yacht wogte. Nachdem unsere Tochter in Ruhe den weißen Sand durch Finger und Zehen rieseln ließ, lief sie zum Wasser und spielte mit der Gischt. Sie war da nicht mehr wegzubekommen. „Wollen wir hier wohnen?“, fragte sie.

Vielleicht, dachten wir, brauchte auch sie eine Auszeit. Etwas Ruhe von der aufregenden Kita mit all den Freunden, die ja gleichzeitig auch Konkurrenten sind. Weg von den ständigen Auseinandersetzungen und Verhandlungen, von den Reizen und dem Lärm. Ein bisschen mehr Zeit mit den Eltern verbringen als die paar Stunden an den müden Abenden, ein bisschen öfter eindösen wann man will oder wach bleiben solange man will. Jeden Tag die gleiche Pizza essen. In den Himmel gucken. Es ist schön, wenn sich der Nebel lichtet.

Unseren nächsten Urlaub planen wir nun gemeinsam. Im Internet hat unsere Tochter sich bereits die Serengeti angeschaut, wo angeblich der König der Löwen lebt. Und Bilder der Arktis, in der vermutlich Robbe Robbie von Eisscholle zu Eisscholle springt.

Nido-Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools