Startseite
Frage Nummer 45740 Amos

Gefährdung von Piloten durch Laserpointer

Vor zwei Tagen wurde ein Airbuspilot durch einen Laserpointer beim Landeanflug auf unseren Flughafen geblendet bzw. irritiert. Konnte aber sicher landen. Wie kann man mit einem Laserpointer eigentlich so genau umgehen, daß man den Piloten und dessen Augen exakt trifft? Es kann sich doch auch nur um Bruchteile von Sekunden handeln. Keine Angst, will ich nicht nachmachen!
Antworten (23)
antwortomat
Es reicht angeblich wenn man die Scheiben trifft. Das Licht wird dann gebrochen und im Cockpit gibt's helle Lichblitze. Lichtblitze deshalb, weil man den Pointer nicht ruhig halten kann, sondern immer nur ganz kur trifft. So stelle ich mir das zumindest vor.
bh_roth
Teil 1:
Lieber Amos, auf die Einzelheiten hier einzugehen, würde die Möglichkeiten 5 x 1000 Zeichen überschreiten. Für eine direkte Gefährdung müsste man die Art des Lasers kennen, also Farbe und Laserklasse, dann müsste man die Entfernung des Airbus zum "Schützen" wissen. Berechnen könnte man dies sicherlich mit den Gesetze der geometrischen Optik, dann bekommt man die Größe des Lichtpunktes in der Entfernung x.
bh_roth
Teil 2:
Als sicher kann angenommen werden kann
1. dass auf eine Entfernung von einigen 1000m der Lichtkegel um ein Vielfaches größer ist, als der Durchmesser der Netzhaut, eine weitgstellte Pupille vorausgesetzt, womit bei einem „direkten Treffer“ nur ein kleiner Teil der Laserenergie auf die Netzhaut wirken kann.
2. die Verringerung der Gefahr eines Netzhautschadens durch den Lidschlussreflex kann dagegen ausgeschlossen werden, weil man davon ausgeht, dass bei zufälligem,
kurzzeitigen Hineinschauen in einen sichtbaren Laserstrahl der Lidschlussreflex
nach spätestens 250 ms einsetzt, die Einwirkzeit des Lasers durch die Verwackelungen, bedingt durch Entfernung, geringer sein dürfte. (Ein Laser auf einem Stativ schließe ich jetzt mal aus).
bh_roth
Teil 3:
Kommt es also zu einer objektiven Gefährdung? Nein, die Laserenergie selbst von Lasern der Klasse 3 reicht auf eine angenommene Entfernung von einigen 1000 m nicht aus, die Netzhaut zu schädigen. Von einem direkten Treffer ist auch nicht auszugehen, weil der Pilot im Landeanflug durch die dafür notwendige leichte „Nose up Fluglage“ und den Gleitwinkel keine optische Sicht zum Boden hat, weder nach vorn noch zur Seite. Also kann es nur um Spiegelungen und Brechungen in den Scheiben handeln.
Kommt es zu einer subjektiven Gefährdung? Ist denkbar, weil die Besatzung, hochkonzentriert auf den Landeanflug, einem Schreckmoment ausgesetzt sind. Eine den sicheren Flug gefährdende schreckhafte Bewegung ist theoretisch denkbar, aber unwahrscheinlich, weil der Landeanflug bis kurz vor dem Aufsetzen automatisch abläuft.
Die ganz persönliche Einschätzung als Gefährlichkeit dieses Erschreckens muss aber gestattet sein.
bh_roth
Teil 4:
Ist es strafbar: Ja, ganz klar! Es ist ein gefährlicher Eingriff in den Luftverkehr, und wird mit Freiheitsstrafe von 6 Monaten bis zu 10 Jahren bestraft, wenn ein eifriger Staatsanwalt noch versuchten Totschlag daraus macht, kann es „teurer“ werden.
Amos
Danke bh, ich wußte, daß ich da den richtigen Ansprechpartner hatte. Zur Präzisierung: 1500 m Höhe, 22.30 Uhr, Anflug auf den Dortmunder Flughafen DTM
J.Handwerg
Die Antworten hier sind zum Teil richtig:

1. Laser weiten sich auf, der Punkt wird also mit zunehmendem Abstand größer, das Treffen dadurch leichter, gleichzeitig nimmt die Energie pro qcm ab. Es gibt aber inzwischen Laser in Taschenlampengröße die so stark sind, dass man damit ins All leuchten kann. Diese schädigen das Auge auch noch auf große Entfernung. Es gibt bereits Piloten mit Augenschäden durch Laserblendung bis hin zum Lizenzverlust.

2. Trifft der Laser auf die Scheibe, wird er gebrochen und das gesamte Cockpit wird schlagartig erhellt. Zum Blenden muss also nicht genau das Auge getroffen werden. Hinzu kommt, dass es ein natürlicher Reflex ist, im Dunkeln zu einer plötzlich auftauchenden Lichtquelle zu schauen, was die Sache verschlimmert.

...
J.Handwerg
3. Der Lidschlagreflex reicht nicht aus um eine Blendung zu verhindern. Erstens schützt dieser das Auge nur bei sehr schwacher Strahlung und zweitens hat man inzwischen herausgefunden, dass bei einer großen Anzahl von Menschen dieser nicht schnell genug funktioniert. Also auch bei den schwachen Minilasern kann bereits, beim direkten Treffer, insbesondere bei Kindern, auf kurze Entfernung ein Augenschaden entstehen.

4. Falsch ist, dass Piloten keine Sicht zum Boden haben beim Anflug. Ohne Sicht zur Bahn kann man unter normalen Umständen nicht landen. Zur Seite besteht immer Sicht zum Boden, auch beim Start.

5. Falsch ist auch, dass der Autopilot bis kurz vor dem Aufsetzen eingeschaltet ist. 99% aller Anflüge (und Landungen sowieso) werden per Hand durchgeführt.

Jörg Handwerg, Pressesprecher Vereinigung Cockpit e.V.
Sockenpuppe
@J.Handwerg: Wahrscheinlich bist du ein Fake! bh_roth ist/war selber Pilot (behaupt er zumindest).
Also einer von euch beiden lügt!
Amos
KEIN Fake!
starmax
Man könnte ja mal nachfragen
Paul0815
Ich denke, bh_roth hat beruflich bedingt mit Schußwaffen zu tun.
Amos
Es kann sich natürlich jeder einen fremden Namen zulegen.
Die Information der Pilotenvereinigung Cockpit hatte ich schon recherchiert. Aber die Aussagen scheinen plausibel und fundiert zu sein. Ich sehe auch keinen Widerspruch zu bh_roth. Bis auf den Landeanflug. Aber als Laie bin ich da überfordert.
starmax
Hatte, Paul, hatte, heute ist er Rentner mit der Gnade des frühen Ausritts ;-P
bhroth
@J.Handwerg: Pressesprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, das beeindruckt mich nicht! Ich hatte geschrieben, dass der Lidreflex nicht schützt. Und ich hatte auch die Laserklasse beschrieben, bei der es keine Gesundheitsgefährdung gibt. Natürlich kann man neuartige, überstarke, nur auf dem Schwarzmarkt oder im nichteuropäischen Ausland erhältliche Laser als Bedrohung anführen. Hier ist die Bedrohung durch die gleiche kriminelle Energie gegeben, wie bei dem, der sich illegal ein Gewehr besorgt, und damit auf Flugzeuge schießt. Und ich weiß auch, welche Fluglage ein Airliner hat, wenn er auf dem Gleitpfad "hinuntersegelt“ und was ein ILS ist, ab wann man den Instrumentenanflug aufgibt und den Rest visuell macht, bzw auf Ansage der Höhe die Flugzeugnase hochnimmt und auf den Touchdown wartet. Die Sicht nach vorn ist eingeschränkt, die Bodensicht zur Seite gegeben, wenn man denn da rausschauen will (wozu eigentlich?).
bhroth
Ich billige den Verkehrspiloten auch zu, dass sie sich bedroht fühlen. Aber die ganze Diskussion ist wie vieles überzeichnet.
Ich war zwar nicht organisiert in einer Pilotengewerkschaft, habe aber 30 Jahre im Cockpit zugebracht, habe aktiv Laser benutzt bei Flügen mit BiV-Brille, habe aktiv Ziele beleuchtet mit militärischen Lasern mit sogenannten Tageslichtzielgeräten TaLiSi und habe etwa 30.000 Landungen. Keiner derjenigen, die sich in beleuchteten Boden- oder Luftfahrzeugen aufgehalten haben, haben Augenschäden davongetragen, nicht einmal die, die aus kürzester Entfernung (innerhalb des Cockpits) durch reflektierte Laserstrahlen in weitgestellte Pupillen (weil unter der BiV-Brille fliegend) getroffen wurden.
B. Henning, IP, Examiner, IP BiV, Instructor Laserzielgeräte
Sockenpuppe
Naja das passt ja ins Bild: Der Vereinigung geht es natürlich darum herauszustreichen, wie gefährdet doch die Piloten sind!
[br]
Das ist wie mit der Polizeigewerkschaft, die ständig darauf hinweist, wie dolle die Beamten doch bedroht und angegriffen werden! Dabei ist die Zahl der Übergriffe auf Polizisten seit Jahren rückläufig!
Paul0815
Sagt wer?
Amos
Daß die Übergriffe auf Polizisten rückläufig sind, halte ich für Quatsch. Die Polizei ist immer mehr Randalierern und Gewalttätern ausgesetzt!
Amos
@Sockenpuppe: informier Dich mal und lies Dir das hier durch:
J.Handwerg
@bhroth:
Was den Lidschlagreflex angeht, so habe ich Sie etwas mißverstanden. Insofern sind wir ja einer Meinung, dass dieser keinen ausreichenden Schutz bietet. Was die Dauer der Blendung angeht, so hängt diese vom der relativen Geschwindigkeit in Richtung Laser ab. Zeiten von mehr als 250 ms sind durchaus realisierbar.

Ihre Ausführungen zum Thema Legalität teile ich nicht. Der Besitz von Waffen in Deutschland ist ohne Besitzschein verboten, der von Lasern nicht. Das Mitführen von Waffen erst recht, das von Lasern nicht. Laser sind sehr leicht vom heimischen Sofa aus zu beschaffen, Waffen nicht. Die meisten Laserblendungen gehen nicht auf "kriminelle Energie" zurück, sondern auf Unbedarftheit und Gedankenlosigkeit.

...
J.Handwerg
Die Sicht nach vorne ist genauso eingeschränkt wie dies bei einem Auto mit Kühler der Fall ist, also direkt nach vorne auf die Strasse kann man nicht sehen, aber in einem gewissen Winkel vor einen schon. Die Nase des Flugzeuges ist im normalen Anflug NIE so hoch, dass man den Boden nicht mehr sehen kann, sondern i.d.R. zeigt sie drei bis fünf Grad über den Horizont. Da der Pilot immer die Bahn sehen können muss beim Landen (von Hand) muss er nach vorne schräg unten sehen können. In 15 m Höhe kann er bspw. beim A320 die ersten 80 m direkt vor seiner Nase nicht sehen, aber alles dahinter.

...
J.Handwerg
Dass die Diskussion überzeichnet ist, erklären Sie am besten dem Kollegen, der mehrere Tage krankgeschrieben war wegen einer Laserblendung oder gar dem, der seiner Existenzgrundlage durch Schädigungen des Auges aufgrund von Laserblendung beraubt wurde.

Die Laserfreunde verharmlosen das Risikopotential, nicht die Piloten übertreiben.

Wer nicht glaubt, dass ich wirklich von der Vereinigung Cockpit bin, der kann mich gerne auch über deren Seite anschreiben.
Jörg Handwerg, Vereinigung Cockpit e.V.