Ich ertappe mich öfters dabei, dass ich in Worten denke - auch unbewusst.
Denke ich bewusst, rufe ich den Gedanken an etwas mit einem gedachten Wort auf -anders geht es anscheinend nicht...
Bedeutet dies umgekehrt: Je größer derWortschatz eines Volkes/einer Sprache, desto tiefer und subtiler kann es denken?




Ja, das ist wohl so. Wer wenig Begriffe kennt, wird auch im Denken beim Vagen bleiben. Allerdings ist es nicht auszuschließen, dass man in Bildern denken kann, nur wenn man das nicht artikulieren kann, bleibt dieses Denken einsam.




Einspruch: Ich muss ein Bild erst benennen, bevor ich es denken kann! Was Du meinst, ist Meditieren, also unbewußtes Denken ohne Benennen.




Ein Bild ist ein Bild, auch wenn man es nicht benennen kann. Man sieht es, kann es aber nicht in Worten beschreiben. Das Bild war nur als undifferenzierte Alternative gedacht, die zwar ihre Nebenberechtigung hat, aber den in Worten gefassten Gedanken nicht ersetzen kann.. Also bleibe ich dabei, dass nur der strukturiert denken kann, der sich auch klar ausdrücken kann.




Engländer haben einen größeren Wortschatz als Deutsche, weil die Sprache viel mehr Worte hat.
Sind sie deshalb bessere Denker?




Antwortomat - das genaue Gegenteil ist richtig!
Ich hatte sehr viel mit mehrsprachigen Prospekten zu tun - und kaum ein Textblock war kürzer als der englische.




Dieser Gedankengang von starmax ist nicht neu! Er nennt sich Sapir-Whorf-Hypothese!
Und die ist umstritten (z.T. klar widerlegt)!
Er kommt auch in dem Roman"1984" von George Orwell vor!
In dem Roman wird die Sprache der Bevölkerung durch die Regierung derart manipuliert, dass opositionelles Gedankengut gar nicht erst entstehen soll!
Beispielsweise der Begriff "Freiheit"!
Er existiert nur nur in der Bedeutung: "Der Hund ist frei von Flöhen!"
Die eigentliche Bedeutung des Wortes geht verloren, was verhindern soll, dass den Bürgern ihre Unfreiheit bewusst wird!
Die neue Sprache nennt sich übrigens "Neusprech" (im Original "Newspeak")!




@starmax: Genau das belegt doch meine Aussage. Viele verschiedene Worte um Dinge zu beschreiben, statt langer Umschreibungen. So wird ein Text kurz.




Laut Wikipedia (Wortschatz) kennt die englische Sprache 600000 Wörter, die deutsche dagenen nur 500000. Auf die Qualität des Denkens sollte das keinen Einfluss haben. Man muss nur die richtigen Wörter verwenden. Juri Gagarin soll nach seinem Erstflug ins All gesagt haben, er wäre im Himmel gewesen und hätte dort keinen Gott gesehen. Propaganda, klar, aber im Englischen wäre das nicht möglich gewesen, weil man dort „heaven“ und „sky“ unterscheidet. George Orwells Neusprech hätte ich auch gerne erwähnt, aber es bleibt noch die Terminologie der kommunistischen Studentengruppen, die einer Gehirnwäsche gleich kommt. Da ist von „fortschrittlichen Kräften“ die Rede, das engt doch sehr das Denken ein, wenn damit nur kommunistische Kräfte gemeint sind. Da gab es Worthülsendiskussionen, bei denen sich einem nur der Magen umdrehen konnte, weil es so durchschaubar war, und viele darauf reingefallen sind.