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MadMax

Wer kann mir etwas über mittelalterliche Sprache in Deutschland sagen? Gab es damals schon Deutsch?


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ANTWORTEN (12)
21.06.2011, 08:16 Uhr
 
Alex64

Schon - aber kein Deutschland.

Wie wärs denn damit?

Hêr keiser, sît ir willekomen!

Der küneges name ist iu benomen:

des schînet iuwer krône ob allen krônen.

Iuwer hant ist krefte und guotes vol:

ir wellet übel oder wol,

sô mac si beidiu rechen unde lônen.

Dar zuo sag ich iu mære:

die fürsten sint iu undertân,

si habent mit zühten iuwer kunft erbeitet.

Und ie der Missenære,

derst iemer iuwer, âne wân:

von gote wurde ein engel ê verleitet

Alles verstanden?

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21.06.2011, 09:16 Uhr
 
MaG666

Das "Palästinalied", wahrscheinlich von Walther von der Vogelweide um 1220 geschrieben:

Allerst lebe ich mir werde

sit min sündic ouge siht

daz reine lant und ouch die erde

den man so vil eren gibt

mirst geschehen des ich ie bat

ich bin komen an die stat

da got mennischlichen trat

Schoenu lant rich unde here

swaz ich der noch han gesehen,

so bist duz ir aller ere:

waz ist wunders hie geschehen!

daz ein maget ein kint gebar

here ueber aller engel schar

was daz nicht ein wunder gar?

Hie liez er sich reine toufen

daz der mensche reine si.

do liez er sich herre verkoufen

daz wir eigen wurden fri

anders waeren wir verlorn:

wol dir, sper, kriuz unde dorn!

we dir, heiden! deist dir zorn.

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21.06.2011, 09:27 Uhr
 
MaG666

Wie man gut erkennen kann, ist das schon sehr nah an der heutigen dt. Sprache dran. Anders sieht es da schon beim Hildebrandlied aus, dass im 9 Jh. verfasst wurde:

Ik gihorta dat seggen,

dat sih urhettun ænon muotin,

Hiltibrant enti Hadubrant untar heriun tuem.

sunufatarungo iro saro rihtun.

garutun se iro gudhamun, gurtun sih iro suert ana,

helidos, ubar hringa, do sie to dero hiltiu ritun.

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21.06.2011, 09:30 Uhr
 
netter_fahrer

Ein einheitliches Deutsch, wie wir es heute kennen, gab es im Mittelalter noch nicht, es herrschten regionale Sprachen und Dialekte vor.Ein Bayer dürfte kaum einen Norddeutschen verstanden haben! Erst Martin Luther hat mit seiner Bibelübersetzung eine einheitliche deutsche Sprache geschaffen, die jeder verstehen konnte. Die Entwicklung der deutschen Sprache verlief in Abstufungen. Lesen Sie mal hier:

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21.06.2011, 10:12 Uhr
 
Agent47

So ab 800, also zur Zeit Karls des Großen wurden die ersten Versionen einer "deutschen" Sprache entwickelt und verwendet. "Deutsch" leitet sich vom mittelalterlichen Wort für Volk ab und deutet eben darauf hin, dass hier nicht mehr das frühmittelalterliche Volks-Latein gesprochen wird, sondern eine eigenständige Sprache entsteht. Bis heute sind daraus regional z.T. recht unterschiedlicher Varianten entstanden.

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21.06.2011, 10:15 Uhr
 
hphersel

die relevanten Stichworte lauten "Althochdeutsch" und "Mittelhochdeutsch" - das wurde im "Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation" (von Karl dem Großen bis zum Ende des dreißigjährigen Krieges) gesprochen.

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21.06.2011, 10:22 Uhr
 
Pfeiferle

empfehle Rücksprache an der Uni. Im Fachbereich Geschichte gibt es Historiker

mit Schwerpunkt Mittelalter. Z.B. an der Universität Marburg.

Da ist die Auskunft sicher zu bekommen!

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21.06.2011, 10:56 Uhr
 
Alex64

@netterFahrer:

"Ein einheitliches Deutsch, wie wir es heute kennen, gab es im Mittelalter noch nicht, es herrschten regionale Sprachen und Dialekte vor."

Ah jezad abr. Du moisch aechd des wär' heid andersch? Vileichd weil du koin Dialekt om de rom hoasch? Das du di frei doa id deisch'd....

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21.06.2011, 11:11 Uhr
 
Ingenius

Nebenaspekt: Schwedisch ist eine Sprache, die die letzte Lautverschiebung nicht mitgemacht hat. Daher findet man dort noch Wörter, die einem aus verschieden alten deutschen Dialekten bekannt vorkommen. Auch der Übergang zum Englischen ist noch erkennbar. „Ta“ heißt nehmen, „dra“ ziehen, aber aus den Urformen „taga“ und „draga“ entstanden die englischen Wörter „take „ und „drag“. Leider wird Sprachhistorie an den Schulen selten gelehrt. Wer hat denn in der Schule gelernt, dass im Französischen ein „accent sirconflex“ für ein verloren gegangenes „s“ steht? So wird aus der „côte“ eine „coste“.

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23.06.2011, 08:35 Uhr
 
marmitz_ka

Das Mittelalter dauerte ja vom 6. bis zum 15. Jh. Die frühesten schriftlichen Zeugnisse in deutscher Sprache lassen sich aufs 8. Jh. zurückdatieren, wobei das natürlich noch Althochdeutsch war. Zwischen dem 11. und dem 14. Jh. wurde Mittelhochdeutsch gesprochen, danach Frühneuhochdeutsch. Es gab im Mittelalter aber noch kein vereinheitlichtes Deutsch, sondern nur Dialekte.

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24.06.2011, 09:48 Uhr
 
Leesamuelese

Die deutsche Srpache hat sich langsam entwickelt. Man spricht von Althochdeutsch und Mittelhochdeutsch. Die sind irgendwie schon Deutsch, aber kaum zu verstehen. Es gab zwei große Lautverschiebungen und viele Wörter haben ihre Bedeutung verändert. Althochdeutsch ist auch stark vom Lateinischen geprägt.

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25.06.2011, 22:57 Uhr
 
Beategrana...

Es gab Vorformen unseres heutigen Deutsch, Niederdeutsch (heute platt)und Alt-/Mittelhochdeutsch. Mittelhochdeutsch kannst Du Dir anhören, wenn du ein Band mit Minneliedern, z. B. Walther von der Vogelweide, anhörst. Aus Althochdeutsch hat sich durch Lautverschiebung das Mittelhochdeutsche entwickelt, aus diesem unsere heutige Form (von Luther schriftlich fixiert).

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