Russisches Olympia-Team


"Das ist systematisches Doping"

  • 06.08.2008, 12:18 Uhr

 © Wolfgang Rattay/Reuters
Während der Spiele planen die Organisatoren an Dopingkontroll-Stationen etwa 4500 Blut- und Urintests

Im russischen Olympia-Team häufen sich die Dopingfälle. Unter ihnen befinden sich auch mehrere Medaillen-Hoffnungen. Für IOC-Chefmediziner Arne Ljungqvist kann dies nur einen Grund haben: Das russische Team putscht sich systematisch zu Bestleistungen.

Die russische Leichtathletik versinkt im Dopingsumpf. Hintergrund ist die Suspendierung von sieben Leichtathletinnen und drei Gehern im Vorfeld von Olympia. Bezogen auf die Läuferinnen, die Urinproben manipuliert haben sollen, sagte der IOC-Chefmediziner Arne Ljungqvist in Peking: "Ich denke, das ist systematisches Doping. Das wäre im neuen Wada-Code ein Vergehen, das zu einer vierjährigen Sperre führen könnte."

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Russisches Team weist Vermutung zurück
Der neue Wada-Code tritt zum 1. Januar 2009 in Kraft, weshalb derzeit wohl nur eine Zweijahres-Sperre in Frage kommt. Für seine Worte erntete der Schwede heftigen Widerspruch aus dem russischen Olympiateam. "Wir sind in einer schwierigen Situation, aber uns systematisches Doping zu unterstellen, ist Vorverurteilung", erklärte Mannschaftssprecher Gennadi Schwets: "Als in den USA der Balco-Skandal bekannt wurde, hat doch auch niemand gesagt, der ganze US-Sport sei darin verstrickt." Schwets unterstellte dem Leichtathletik-Weltverband Iaaf, mit der Suspendierung der sieben Läuferinnen absichtlich bis kurz vor Olympia gewartet zu haben, um dem russischen Sport zu schaden: "Die Ergebnisse sind lange bekannt. Mit dem langen Warten wollte man uns bewusst in Schwierigkeiten bringen."

Wegen des Verdachts der Manipulation von Dopingproben waren bereits sieben russische Athletinnen suspendiert worden, darunter die Olympia-Goldhoffnungen Jelena Sobolewa (800/1500 m), Diskus-Europameisterin Daria Pischtschalnikowa sowie die frühere Hammer-Weltrekordlerin Gulfija Chanafejewa. Als Medaillenkandidatin galt die ehemalige 1500-m-Weltmeisterin Tatjana Tomaschowa, 2004 in Athen Olympiazweite. Auch für einen Start bei den Sommerspielen eingeplant war 1500-m-Läuferin Julia Fomenko. Nicht für Peking qualifiziert waren dagegen Swetlana Tscherkassowa und als Wiederholungstäterin Mittel- und Langstrecklerin Olga Jegorowa. Beim DNA-Vergleich ihrer Dopingproben aus den Jahren 2007 und 2008 waren Unregelmäßigkeiten festgestellt worden.
 
Unter den Sündern sind auch Kandidaten für Medaillen
Am Dienstag folgte dann der Ausschluss von drei Gehern. Nach Informationen der russischen Agentur All Sport wegen positiver Epo-Tests und nicht wegen mehrfach verpasster Kontrollen, wie es zuerst hieß. Die Proben waren am 20. April in Saransk genommen worden. Auch der ursprünglich genannte Waleri Bortschin, 2006 EM-Zweiter über 20 Kilometer, soll nicht darunter sein. Vielmehr seien der frühere U20-Weltmeister Wladimir Kanaikin, der in Peking über 50 km starten sollte, sowie die nicht für Olympia qualifizierten Alexej Wojewodin (2004 Silber in Athen) und Wiktor Burajew (WM-Dritter 2001) betroffen. Die Namen bestätigte Trainer Wiktor Tschegin, zugleich wies er die Vorwürfe zurück.

Besonders brisant ist, dass unter den Läuferinnen Olga Jegorowa ist. Sie war 2001 in der A-Probe schon einmal positiv auf das Ausdauerdopingmittel Epo getestet, wegen Unzuverlässigkeit des Tests jedoch nicht gesperrt worden. Kurze Zeit später stürmte sie unter dem Protest von Athleten wie der damaligen WM-Fünften Irina Mikitenko (Wattenscheid) in Edmonton zum 5000-m-Titel. Auf der Tribüne protestierte damals die heutige Marathon-Weltrekordlerin Paula Radcliffe (Großbritannien) mit einem Plakat mit der sinngemäßen Aufschrift: "Raus mit den Epo-Drogen."
 
SID



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