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28. Juli 2008, 12:21 Uhr

Kein leichter Weg

Frauenfußball ist längst kein Weiber-Gekicke mehr

Sie selbst treibt die Professionalisierung des Frauenfußballs voran: Ob Torwart- oder Athletiktrainer, eine feste Assistentin; ihre Forderungen an den DFB waren klar formuliert und wurden vom für die Belange des Frauenfußball stets aufgeschlossenen Verband umgehend erfüllt. Michael Fuchs (Torwarttrainer), Ulrike Ballweg (Assistentin) und Norbert Stein (Konditionstrainer) zählen zur China-Reisegruppe fest dazu. Denn auch Torjägerin Birgit Prinz gibt zu bedenken, dass Stillstand unweigerlich Rückstand bedeutet.

Auch andere Nationen entdecken allmählich das Potenzial, dass das weibliche Geschlecht fürs Fußballgeschäft bedeutet. "Die Konkurrenz ist größer geworden und die Weltspitze ist enger zusammengerückt. Mehr als die Hälfte der zwölf Mannschaften kommt für eine Medaille in Frage", glaubt die 30-Jährige Rekordnationalspielerin vom 1. FFC Frankfurt, die unfassbare 182 Länderspiele bestritten und unglaubliche 121 Länderspieltore erzielt hat.

Mit vermarktet wird die Welttorjägerin von Siegfried Dietrich, zugleich Manager des 1. FFC Frankfurt, die ein halbes Dutzend Leistungsträgerinnen (gerne) für die olympische Idee abstellen. "Das Turnier steht im Fokus und tut der Entwicklung des Frauenfußballs gut", sagt Dietrich, wohl wissend, dass der Ärger um die Abstellung der Herren Diego, Rafinha oder Kompany bei den Frauen undenkbar wäre.

Die WM im eigenen Land im Hinterkopf

"Eine Goldmedaille bei Olympischen Spiele wäre einfach phänomenal", beteuert Torfrau Nadine Angerer. Auch Dietrich glaubt daran: "Die meisten Spielerinnen haben ein anstrengendes Jahr hinter sich. Aber der Kader ist sehr erfahren und kann die Leistung auf den Punkt abrufen." Zumal im Hinterkopf ein weiteres Fernziel ist: Als Gastgeber der WM 2011 sind die deutschen Fußballerinnen besonders motiviert, "etwas Größeres gibt es nicht", sagt auch Sylvia Neid.

Und da gibt es eine ganze Reihe von Querverbindungen. Renate Lingor etwa, die spielintelligente Akteurin des 1. FFC Frankfurt, fungiert gleichzeitig als eine von bislang drei sogenannten Botschafterinnen, die Steffi Jones, der Präsidentin des Organisationskomitees, um für das Turnier im eigenen Land zu werben. "Für mich ist es ein Traum, wenn ich zum Ende meiner Karriere noch einmal ein gutes Turnier spielen könnte."

Deutsche Liga spielt noch nicht auf Top-Niveau

Genau wie die Repräsentantin Lingor oder der Promoter Dietrich hat auch die Bundestrainerin festgestellt, dass die Entwicklung in die richtige Richtung geht. Dazu gehört, dass Vereine wie der 1. FFC Frankfurt, deren Etat bald über die Millionen-Marke steigt, künftig das Halbprofitum für alle Spielerinnen ermöglichen wollen.

Bei Dietrich ist es auch usus, dass seine bekannten Gesichter - ob sie Birgit Prinz, Sandra Smisek, Conny Pohlers oder Kerstin Garefrekes heißen - auch in der Werbung platziert sind und damit gutes Geld nebenei verdienen. Zuvorderst sei jedoch der Frauenfußball und seine Bedingungen weiter zu professionalisieren, fordert Dietrich.

Das ist auch nötig: Denn die internationale Anforderung wie nun beim Olympischen Turnier mit zwölf Topteams hebe sich deutlich von der nationalen Aufgabe ab, beteuert die Bundestrainerin. "In ihren Klubs in der Bundesliga brauchen sie nur etwa 70 Prozent von dem, was international gefordert ist", hat Sylvia Neid kürzlich einmal gesagt. In der Liga genüge auch mal ein schwacher Pass, der aber bei einer WM oder bei Olympia abgefangen werde. "Wir arbeiten daran, diesen Unterschied zu verringern." Bisher ist das immer ganz gut gelungen. Deshalb geht der derzeit in Südafrika urlaubende Dietrich auch fest davon aus, bald gen Asien zu fliegen. "Sobald die deutsche Mannschaft im Halbfinale steht, komme ich zu den Olympischen Spielen."

Von Frank Hellmann
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