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10. August 2008, 15:18 Uhr

"Open the door, fast!"

Olympia in Peking - der Traum von einer guten Welt. Alle Gäste sind willkommen, die Welt zu Gast in China. Leider nur auf den ersten Blick. Abseits des Sports ergibt sich ein anderes Bild. stern.de-Reporter Jens Fischer erlebte das am eigenen Leib, er wurde Opfer einer nächtlichen Hotelrazzia. Ein Erlebnisbericht, der Angst macht.

Ein Polizist filzt ohne Grund einen Touristen auf dem Platz des himmlischen Friedens© Mark Ralston/AFP

Ich war einfach nur müde. Den ganzen Tag war ich in Peking unterwegs, von einer Sportveranstaltung zur anderen, von einer Geschichte zur nächsten. Habe geschrieben, recherchiert und telefoniert. Als ich spät abends in meinem Hotel ankam, war ich glücklich, ein Bier zu trinken und zu schlafen. Ruhe finden. Kraft tanken für den nächsten Tag.

Um ein Uhr nachts plötzlich Lärm im Gang vor meinem Zimmer. Laute, aggressive Kommandorufe, hektisches Gerede, Stimmlagen, die mich erschaudern ließen. Überall wildes Klopfen an den Hotelzimmern, ganz offenbar wurde kein einziges ausgelassen. Dann waren sie bei mir. Noch war ich entspannt, wusste nicht, was mich erwartet, hatte keine Ahnung, wer da war. Plötzlich klopft es auch an meiner Tür. Von draußen dröhnt es durch die Tür: "Open the door! Fast! Open the door!"

Völlig konsterniert tat ich, was befohlen wurde und öffnete die Tür. Da war es also, das andere China, das China, vor dem sich die Welt im Vorfeld der Olympischen Spiele so gefürchtet hatte. Sechs Polizisten programmiert auf Kontrolle und Macht. Einer der sechs unfreundlichen Herren sprach mich an: "What are you doing here? Show your passport." Ich war geschockt. Noch nie in meinem Leben hatte ich den Nachweis meiner Identität so schnell zur Hand wie in diesem für mich so schockierenden Moment.

Gefühlt dauerte es Ewigkeiten, bis einer der Polizisten meinen Pass öffnete und sich meinen Daten widmete. Selten in meinem Leben hatte ich solche Angst. Beim Schreiben dieser Zeilen ist sie wieder da, meine Hände zittern, ähnlich wie in der vergangenen Nacht. Ob ich allein sei, wurde ich gelöchert. Immer wieder schweiften die prüfenden Blicke in mein Zimmer, hinein in den Ort, wo man sich auf Reisen sicher und zu Hause fühlt. Ja, ich bin allein, "I'm a Journalist", versuchte ich der chinesischen Staatsmacht klar zu machen. Schnell holte ich noch meine Akkreditierung und zeigte sie ihnen. Ein guter Gedanke, freundlicher wurden sie dadurch freilich nicht. Ich versuchte ruhig zu bleiben. Was haben sie vor? Was machen sie mit mir? Hatte ich mir etwas zu Schulden kommen lassen? Innerlich kam bei mir Panik auf. Hoffentlich nehmen sie mich nicht mit, was soll das Ganze.

Meine Daten wurden notiert, ihre Blicke durchbohrten mich. Nach etwa 15 Minuten hatte der ganze Spuk ein Ende. Pass und Akkreditierung wurden mir wieder ausgehändigt, die Staatsmacht zog von dannen. Als ich die Tür meines Hotelzimmers hinter mir zuzog, war ich wie versteinert. Ich konnte das Geschehene nicht fassen. Draussen war Gelächter zu hören, ganz offensichtlich waren sie zufrieden mit ihrer Arbeit.

Das also ist China eine halbe Stunde Taxifahrt entfernt von Olympia. In einem Hotel abseits der Harmonie-Zone, dort wo das normale Volk zu Hause ist. Dort wo keine Fernsehkameras surren, dort wo die chinesische Polizei unbemerkt schalten und walten kann. Eine Welt, ein Albtraum. Am nächsten Tag erfuhr ich an der Rezeption, dass es in dieser Nacht nicht um mich ging. Die sechs Schergen interessierten sich für jeden, sämtliche Bewohner meines Hotels wurden aufgeschreckt, durchleuchtet, zum Opfer von Willkür und Spitzelei. Dies sei durchaus üblich, erklärte mir eine Hotelangestellte mit ihrer Tonband-Stimme. Das käme öfter vor, eine ganz normale Kontrolle. Mir macht so etwas Angst und weckt böse Erinnerungen. An dunkle Zeiten der Geschichte, als privates Leben keine Rolle spielte, als Menschen degradiert wurden zu öffentlichem Eigentum, ohne eigene Rechte. Als man noch aufpassen musste, mit wem und worüber man spricht.

Dieses China gibt es also auch. Nicht nur die frohe, offene und harmonische Gesellschaft, das menschliche und funktionierende System, das der Welt in diesen Tagen präsentiert werden soll. Da sind die vielen Tausend Volunteers, die freundlich und als Gruß-Maschinen das Olympia-Areal bevölkern. Denen man klar gemacht hat, wie die Gäste aus der ganzen Welt zu behandeln seien. Die einem festen Auftrag folgend, alles tun, das Bild einer Gesellschaft zu verkörpern, die auf Menschlichkeit und auf Miteinander fußt. Wo man sich hilft, wo man sich auf seine Gäste freut. Den Prototyp einer besseren Welt zu schaffen - das scheint hier das alles umfassende Ziel zu sein.

Polizisten, Armee und Geheimagenten wurde indes eine andere Software aufgespielt. Das Einmaleins der Überwachung, der Kontrolle, der Bespitzelung. Das dieses System nach wie vor perfekt funktioniert, das ist mir seit der letzten Nacht bewusst.

Jens Fischer

Jens Fischer Der Reporter ist für stern.de bei den Olympischen Spielen in Peking vor Ort. Er berichtet von den Sport-Ereignissen, führt Interviews mit Athleten und schreibt ein regelmäßiges Olympia-Tagebuch.

 
 
KOMMENTARE (10 von 63)
 
mister-mister (12.08.2008, 15:49 Uhr)
@Laolu
......aber leider hat sie nicht unrecht. Ist das Ihr Problem...?
LaoLu (12.08.2008, 13:26 Uhr)
Danke, Nana und Janosch,
aber gebt Euch keine Mühe.
Maria hat ein festverzimmertes Weltbild.
Und außerdem schreit sie mir zuviel.
Maria1000 (12.08.2008, 11:45 Uhr)
Die ganzen Spiele in dieser DIKTATUR(!) sind doche ine FARCE!
Dazu "passt" auch gleich dies wieder, die neueste Fake-Show der chinesischen Regierung und Heuchelei Chinas auf Spiegel-Online: Gefakte falsche bezahlte Beifallklatscher auf den Rängen in den Stadien - LMAO! *GG*
Wie gesagt, alles wie in D 1936! Leider fiel bei Hitler damals die WELT drauf rein auf seine Olympia"Show", während im Hintergrund die Menschen gequält und getötet wurden...teilweise zumindest.
Janosch72 (12.08.2008, 04:07 Uhr)
Eigene Meinung...
Nein! Es darf einfach keine positive Meinung ueber China bestehen! Schlicht weg verboten und alle die auch mal etwas positives an China sehen, sind schlicht weg nicht akzeptabel!
Man, wo sind wir denn hier?! Ihr schreibt ueber Meinungsfreiheit in China und lasst nicht einmal eine andere Meinung zu? Armes Deutschland! Aber es laesst sich halt leicht auf einem Land und System herumhacken, dass sich (noch) im Aufbau befindet... Ich frage mich, ob euch ueberhaupt bewusst ist, dass teilweise unsere Nachbarn bis zur WM 2006 aehnliche Vorstellungen von Deutschland hatten?
Wie breits in einem anderen Artikel kommentiert: "In letzter Zeit wurden gewisse Artikel leider dazu benutzt, China aber auch Deutschland schlecht zu machen! Beide dieser Laender haben ihre Besonderheiten in ihrer Kultur & Politik und sind nunmal nicht miteinander zu vergleichen. Hier heisst es (fuer mich) Respekt und Verstaendnis fuer die andere Kultur zu zeigen und sich vor inhaltslosen Kommentaren vielleicht selber mal zu fragen "warum ist das eigentlich so"! Kommentieren sollte man gewisse Dinge erst, wenn man denn dann auch weiss, wovon man spricht!
Die Miesmachereien der vergangenen Tage, Wochen & Monate fuehren zu nichts und geben lediglich ein falsches Bild beider Nationen!"
Aber hier beim "Stern" und gewissen Schreiberlingen scheint zu gelten:
"nur meine (negative) Meinung ueber China zaehlt"!
Nana_Xiaojie (12.08.2008, 02:55 Uhr)
Ja, man "MERKT",...
... dass jemand, der eine andere Meinung zum Thema hat, nicht echt sein kann. Man war zwar noch nie in China, aber das liegt ja auf der Hand. Da hat die Berieselung von Stern und DAS ja schon gefruchtet. Glueckwunsch.
Maria1000 (11.08.2008, 20:00 Uhr)
@LaoLu: Wieviel bezahlen Ihnen eigentlich Ihre Auftraggeber so pro Zeile?
würde mich echt interessieren....es ist auf jedne Fall ZUVIEL, denn leider MERKT man, dass diese Einträge nicht ECHT sind!
Maria1000 (11.08.2008, 19:55 Uhr)
@BiedermannGE: 100 % Zustimmung!
ZUITAT: "BiedermannGE (11.8.2008, 12:26 Uhr)
Zensur
Stern ist mit seiner Zensur schon wirklich übel. Focus ist aber noch schlimmer. Alles was mit diesem Obama oder China zu tun hat, wird, wenn es der von oben vorgeschriebenen Meinung nicht passt, gnadenlos zensiert. Ja, wo sind wir den? Sie, liebe Stern Redaktion, verbieten mir nicht mein Mund. Außerdem wird durch Zensur eine Negativmeinung nicht besser – es schaukelt sich nur noch auf. Tschüss Meinungsfreiheit. Ich bin ebenfalls der Meinung, dass hier im Forum Chinaschreiberlinge Ihr Geschreibselmachwerk von sich geben.
"
Maria1000 (11.08.2008, 19:54 Uhr)
@DasBertl: Ich habe bereits vor Wochen hier geschrieben,d ass
ich den deutlichen Eindruck habe, dass BEZAHLTE PR-Agrenturen hier im STERN schreiben, die Chinas Schweinereien beschönigen sollen und Kritiker hier im Form "lächerlich machen"! Dieser Thread hier und die ZENSUR durch den STERN BESTÄRKT mich weiter in dieser Meinung....
Maria1000 (11.08.2008, 19:52 Uhr)
ich frage mich ernsthaft inzwischen, WER dern STERN für seine
pro-chinesische Propaganda seit Wochen BEZAHLT!
Die spiele hätten NIE nach China vergeben werden dürfen zum jetzigen Zeitpunkt, es ist ein diktatorisches heuchleriches Land (mit Land meine ich seine Regierungsstellen, Führer und Konzernmaffia!)
friedolin (11.08.2008, 14:33 Uhr)
Ich befürchte wirklich ..
.. dass der Stern-Autor heute krank geschrieben ist.
Der Schreck muss gar fürchterlich gewesen sein, als er in der nacht von den grausamen Chinesischen Häschern geweckt wurde und in vermutlich menschenrechtsverletzender Art seinen Perso zeigen musste.
Ich wurde in chinesischen Hotels nachts auch schon gestört, nämlich durch das telefonische Angebot "Do you want sweet massage?", welches man höflich ablehnen kann.
Ob der Autor vielleicht von so einem Angebot vor dem Besuch der Polizei Gebrauch gemacht hat?
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