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6. August 2008, 10:53 Uhr
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Für Nowitzki wird ein Traum wahr

Dirk Nowitzki wird die Fahne der deutschen Mannschaft bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele am Freitag tragen. "Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen", erklärte der 30-Jährige bei der offiziellen Präsentation im Deutschen Haus. Das Nationale Olympische Komitee entschied sich damit für den Athleten mit der größten Strahlkraft. Von Mathias Schneider, Peking

"Eine große Ehre und ein Wahnsinnsgefühl": Dirk Nowitzki darf als erster Basketballer die deutsche Fahne bei Olympia tragen© Karl-Josef Hildenbrandt/DPA

Die olympische Ringe, in die raspelkurzen Haare gefräst, gleichen eher einer Ansammlung mehr oder weniger runder Kreise, aber was will man auch erwarten, wenn Pappteller als Schablone herhalten müssen und der Friseur Chris Kaman heißt. Kaman, 2,13 Meter groß, verdient als Centerspieler in der Nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA sein Geld. Sein Kerngeschäft liegt damit weniger in der Kunst der Kopfveredelung. Doch die Zeit drängte, denn sein Kunde sollte beim großen Auftritt am folgenden Tag bereits die Identifikation der deutschen Basketballnationalmannschaft mit den Olympischen Spielen von Peking auch optisch dokumentieren.

Lapsus bei der Vorstellung

Der Effekt verfehlt seine Wirkung nicht, als Dirk Nowitzki am späten Vormittag durch eine Schiebetür des Presseraums im Hotel "Kempinski" tritt. Ein bisschen schief sitzt das Haar, aber ein Hingucker ist es allemal. Mit einem verbalen Tusch hatte der Delegationsleiter Michael Vesper seinen Fahnenträger im Deutschen Haus ankündigen wollen. Wenn nur die eigene Nervosität nicht gewesen wäre. "Der Fahnenträger ist - Gerd - äh - Dirk Nowitzki." Gelächter im proppevollen Interviewraum. Der Spannungsbogen ungewollt durchbrochen - und doch hätte die Bekanntgabe nicht trefflicher ablaufen können.

Dirk Nowitzki hat die große Pose ja nie wirklich geliebt. Er hat sich stets als Mannschaftsspieler begriffen in all den Jahren, so reich an Erfolgen. NBA-Finale, bester Spieler der regulären Saison, sechs Berufungen ins Allstar-Team. Er hätte nicht für diese deutsche Nationalmannschaft spielen müssen in den vergangenen Jahren. Zu weit war er ihr entwachsen, um sich durch Qualifikationsturniere zu quälen.

Doch Nowitzki hat sich nie von seiner Ländermannschaft gelöst - und immer wieder gesprochen von diesem Traum, den so viele träumen. Nur nicht in der NBA, einer Welt, die sich so oft um sich selbst dreht. In der sich Status und Ideale für viele an der Zahl der Limousinen in der Garage bemessen.

Der Traum von Olympia begann 1988

Das Kind im Basketballspieler Dirk Nowitzki hat dagegen nie aufgehört, von diesem Traum zu träumen. Der Traum begann im Jahr 1988, Nowitzki war damals gerade zehn. "Das 100 Meter Rennen hat damals der Ben Johnson gewonnen, ein bisschen illegal." Es hat ihn dennoch fasziniert, infiziert. 1992 bewunderte er dann das "Dream Team" der Amerikaner vor dem Fernseher, und spätestens da wuchs sich der Traum zu einem veritablen Verlangen aus: einmal Olympia! Er hat lange warten müssen, bis er wahr geworden ist. In Athen vor einigen Wochen in einer leeren Halle kämpfte er sich schließlich mit seinen Kollegen durch die Qualifikation.

Nun haben sie ihn gleich zum Fahnenträger gemacht. Es gibt sicherlich Athleten, die sich dieses Privileg eher verdient hätten. Athleten, die seit Jahren im Verborgenen trainieren, nicht Millionen mit ihrem Sport anhäufen. Athleten, die bereits zahlreiche Goldmedaillen für Deutschland errungen haben wie der Kanute Andreas Dittmer.

Doch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) entschied sich letztlich für den einzigen Mann von internationaler Strahlkraft. Er will die Chance nicht vertun, die Jugend im eigenen Land zu begeistern. "Ich denke schon, dass Dirk Nowitzki als Weltstar eine erwünschte Wirkung auf junge Leute im Land hat", begründete Vesper das Votum. Der Würzburger habe eine "authentische Begeisterung" für die olympische Idee. Nowitzki selbst wirkte sichtlich beglückt. Er habe es am Vortag erfahren. "Das ist eine Riesensache für mich. Ich fühle mich wahnsinnig geehrt."

Ein Teil der olympischen Bewegung

Seit Montag weilt er im olympischen Dorf, jenem Ort, zu dem er so vehement Einlass begehrte. Den Tennisspieler Nadal habe er gesehen. "Das ist ein Weltstar." Er klingt selbst wie ein Fan. Zusammen in der riesigen Mensa speisen, mit all den anderen Sportlern, es sei ein unbeschreibliches Erlebnis. Er genießt es sichtlich, ein Teil dieser Bewegung namens Olympia zu sein. Zum Tennis will er schauen, zum Schwimmen, zum Tischtennis. Doch vor allem das Gefühl genießen, vor 18.000 Zuschauern im vollbesetzten Pekinger Olympic Basketball Gymnasium aufzulaufen. Alle Spiele werden ausverkauft sein. Der Gastgeber China wartet, auch die USA. Am Sonntag geht es für Nowitzki gegen Angola los. Er wird mit der Gewissheit aufs Feld treten, einen großen Höhepunkt dieser Spiele bereits hinter sich zu haben.

Von Mathias Schneider, Peking
KOMMENTARE (4 von 4)
 
dist-bln (07.08.2008, 10:37 Uhr)
Früherer sudanesischer Flüchtling trägt US-Flagge
... vielleicht sollte man darauf hinweisen...
1. die kapitäne aller disziplinen der us-mannschaft haben den fahnenträger GEWÄHLT!
2. die entscheidung des us-teams ist natürlich ein angemessenes politisches symbol... ein flüchtling aus dafur der heute auf den zusammenhang mit den chinesischen waffenlieferungen hinweist...
naja hitler hat 1936 die juden-verbots-
schilder für kurze zeit abschrauben lassen...
wer die spiele als umpolitisch hinstellen will, muss schon einen großen teil der realität ausblenden!
Alexander0815 (06.08.2008, 14:49 Uhr)
@KptBlaubaer
Danke, dass Sie sich so tief herabgelassen haben. Dann konnte ich Ihre Antwort auch verstehen. Leider ist es in der heutigen vernetzen Welt und Zeit nicht mehr möglich Sport und Politik vollständig zu trennen. Nicht wenn die verbrecherischen Machthaber in China denselben Sport zu ihrer Bühne machen. In den Ursprüngen der Spiele war auch die Rede davon, dass es Friedensspiele sein sollen und KEIN kriegführendes Land daran teilnehmen darf. Hmmmm - die USA sind dabei, Deutschland ist dabei (ach nein, ist ja eine humane Mission) und diverse andere Länder. Aber ich vermute, nach Ihrer einseitigen Betrachtung und Ausführung zu urteilen hätten sie damals im 3. Reich auch vor Adolf H*tl*r freudestrahlend mitgemacht. Es kann solchen Spitzensportlern heute nicht mehr egal sein für wen sie Propaganda machen und gerade die Aussage "lässt sich nicht unterdrücken" bedeutet doch, dass er sich im dortigen Unterdrückerstaat - aus welchen Gründen auch immer - gern zur Marionette machen lässt. Und wenn es ihnen egal ist ... naja, jedem seine eigene Meinung und ich freue mich, dass Ihr Gewissen scheinbar noch tiefer angesiedelt ist als das Niveau auf das Sie sich dankenswerterweise herabgelassen haben.
KptBlaubaer (06.08.2008, 13:26 Uhr)
zu andreas0815
Themaverfehlung,setzen, sechs.
Es GEHT hier nur um Sport, um nichts anderes.
Die Olympischen Spiele sollen völkerverbindend sein, alles mal um sich herum vergessen lassen und einen Sportwettkampf auszuführen, ohne an irgend etwas anderes zu denken.
Natürlich werden die Spiele dazu verwendet, um zu demonstrieren, weil damit viel Aufmerksamkeit garantiert wird. Aber es bleibt dabei, es ist Sport. Warum wohl heisst es in der noch so kritischen Situation: "The Show must go on" ? Selbst 1972 sagte man das. Weil es Sport ist, nicht Politik.
Um den Kommentar zu kritisieren von alexander0815:
Keiner muss etwas, ausser sterben und pipi. Und schon gar nicht, wenn irgendein dahergelaufener sagt, er hätte dies und das tun müssen.
Dirk lässt sich nicht unterdrücken, er lebt für den Sport und ist stolz, die Flagge tragen zu dürfen, die Flagge des Sports.
Ihm zu unterstellen, dass er weniger intelligent ist oder weniger besser, ist wohl eine Aussage eines Neiders oder eben eines selbigen Beschriebenen.
Es ist keine schwache Begründung, dass es nur um Sport geht, es ist DIE Begründung.
Ich bin mir sicher, dass es Dirk nicht primär nur ums Geld geht. Jetzt und schon lange nicht mehr.
Normal lass ich mich nicht auf solch ein Niveau runter, aber für so einen saublöden Kommentar lass ich mich mal leihweise darauf herunter.
Alexander0815 (06.08.2008, 12:25 Uhr)
So sehr ich ihm seinen Traum ...
... auch gönne, aber in Hinblick auf die Situation dort hätte er sich weigern müssen. So lässt er sich von den dortigen Unterdrückern missbrauchen und merkt es nichtmal. Aber warum sollte er auch besser (oder intelligenter) sein also dieses IOC und der Rest der Sportler, dass - mit der schwachen Begründung, dass es doch nur um den Sport gehen soll - nur an Geld und Prestige interessiert ist. Der Rest interessiert doch nicht.
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