Sie sind Welt- und Europameister. Doch eines haben die deutschen Fußballerinnen noch nicht erreicht: Olympisches Gold. Für das Team von Trainerin Sylvia Neid wird der Einzug ins Endspiel nicht leicht. Zum Auftakt wartet gleich die vermeintlich schwerste Aufgabe. Von Frank Hellmann

Auftakt ins Olympiajahr: Beim ersten Länderspiel 2008 bejubeln Simone Laudehr, Conny Pohlers, Birgit Prinz und Kerstin Stegemann (l.-r.) den Treffer zum 1:0 von Birgitt Prinz gegen China© Patrick Seeger/DPA
Deutschland gegen Brasilien. Ganz gleich, ob Männer- oder Frauenfußball: Solch eine Konstellation, zudem als Auftaktspiel (6. August, 11 Uhr MESZ) eines großen Turniers ist ein Hammer. Ein Segen für die Öffentlichkeit. Ein Fluch für die Beteiligten? Denn geht man nach den Eindrücken der Weltmeisterschaft 2007 dann treffen im olympischen Rahmen gleich zu Beginn die zwei aktuell stärksten Teams aufeinander. Deutschland sicherte sich bekanntlich vor einem Jahr mit einem 2:0 gegen eben jene Brasilianerinnen den WM-Titel. Sie reisen nun wieder extrem selbstbewusst ins Riesenreich und haben mit Reizfigur Marta die wohl beste Spielerin der Welt in ihren Reihen.
Und da die Deutschen auch noch Nigeria (9. August, 11 Uhr in Shenyang) und Nordkorea (12. August, 11 Uhr in Tianjin) in der Vorrunde aus dem Weg räumen müssen, ist der Respekt groß. Bundestrainerin Sylvia Neid macht daraus keinen Hehl. "Zuerst waren wir über die Auslosung geschockt, aber mittlerweile haben wir uns damit auseinandergesetzt und sind mental darauf vorbereitet", gesteht die 44-Jährige. "Wir sehen die Partie jetzt unter dem Motto: Was weg ist, ist weg."
Im Vorfeld der viel beachteten Sommerspiele lief jedoch nicht alles glatt: Einem lockeren 3:0 gegen England in Unterhaching folgte ein ernüchterndes 0:2 gegen Norwegen in Sandefjord. Da lief wenig beim Weltmeister zusammen. "Die Spielerinnen waren sehr müde", erklärte Sylvia Neid, die anschließend den Trainingsumfang deutlich reduzierte, um ihr Team topfit ins erste Turnierspiel zu schicken.
Für sie sind es die vierten Olympischen Spiele. Bei der Premiere 1996 spielte sie selbst als Aktive mit, 2000 und 2004 war sie die Assistentin von Ex-Bundestrainerin Tina Theune-Meyer. Sylvia Neid weiß, dass die vom Publikum erwarteten Erfolge keine Selbstläuferin sind "Wir im Trainerstab wissen, dass wir hart arbeiten müssen, um oben zu bleiben."