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13. August 2008, 09:27 Uhr

Irreale Poolpartys im "Wasserwürfel"

Kaum ein Rennen ohne Weltrekord: Während die Schwimmer sich im "Wasserwürfel" von Peking an den eigenen Höchstleistungen berauschen, verfolgen die Zuschauer das tägliche Spektakel mit einer Mischung aus Bewunderung und Zweifel. Geht wirklich alles mit sauberen Mitteln zu? Von Christian Ewers

Party am Beckenrand: Die US-Staffel um Michael Phelps (r.) feiert eine weitere Goldmedaille, natürlich in Weltrekordzeit© Kai Pfaffenbach/Reuters

Den Satz des Tages sagte Eamon Sullivan. "Weltrekorde interessieren mich nicht", sagte der Australier, nachdem er im Halbfinale über 100 Meter Freistil eine neue Bestzeit aufgestellt hatte. "Du gewinnst keine Medaillen damit." Jedenfalls nicht in Peking.

Sullivans Sprint war lediglich einer von sechs Weltrekorden an diesem schaurig-denkwürdigen Mittwochmorgen im Water Cube von Peking. Vier Weltrekorde purzelten innerhalb von nur zwanzig Minuten - es war eine rauschhafte, nicht enden wollende Party, die da unten im Becken gefeiert wurde. Fragt sich nur, welche Drogen sich die Helden eingeworfen hatten.

Irreale Poolpartys

Vielleicht tut man den Schwimmern mit dieser Frage unrecht. Aber es ist mehr als legitim, sie zu stellen, immer und immer wieder, nach jedem einzelnen dieser Wahnsinnsrennen. Man kommt mit seinen Erklärungsversuchen einfach nicht weiter, auch nicht als Beobachter, der im Prinzip an das Gute im Menschen glaubt, zumindest glauben möchte.

Was derzeit jeden Morgen im olympischen Schwimmenbecken geschieht, wirkt irreal. Es killt jede Stimmung, ruft Unbehagen hervor, das Gefühl, getäuscht zu werden. Weltrekorde haben im Jahr 2008 n. Chr. nur noch für Tage Gültigkeit, und manchmal, wie an diesem Mittwoch, nur für Minuten. So eine Häufung hat es in der Schwimm-Geschichte noch nicht gegeben.

Schwimmstars im Visier von Wissenschaftlern und Fahndern

Anders als in der Leichtathletik, wo vermeintliche Fabelwesen wie Marion Jones, Tim Montgomery & Co. schon als Pharma-Kunden entzaubert wurden, gab es in letzter Zeit im Schwimmen keine spektakulären Doping-Enthüllungen. Das muss nichts bedeuten und ist vor allem kein Freispruch. Im Radsport und in der Leichtathletik hat es Jahrzehnte gedauert, bis die Öffentlichkeit eine Ahnung davon bekam, dass mit System betrogen wird. Schwimmen ist spätestens seit Peking 2008 ins Visier von Wissenschaftlern und Fahndern gerückt. Vielleicht beenden sie die Poolpartys schon bald - wenn klar wird, was für Cocktails die Gäste so schlürfen.

Von Christian Ewers
 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
Bernhardino (13.08.2008, 20:49 Uhr)
Wachstumshormone und Dynepo
Wachstumshormone und hohe Hämatokritwerte auch während des Trainings sind beim Schwimmen nicht von Nachteil. Dazu braucht man noch ein npaar Mittelchen, die das Übersäuern des Blutes verhindern, da man sonst nicht innerhalb weniger Stunden zwei Weltrekorde schwimmen kann. Wer zur Erhöhung der Hämatokritwerte kein EPO benutzen möchte, sollte Dynepo benutzen, da man es zwei Wochen nach Absetzung nicht mehr nachweisen kann. Michael Rassmussen war bei der Tour de France 2007 nur etwas zu unvorsichtig. Und an Stelle von Wachstumshormonen kann man auch die körpereigene Produktion von Myostatin unterdrücken. Es ist(noch) nicht verboten und wird (noch) nicht zum Gen-Doping gezählt, hat aber die gleichen Auswirkungen wie die Einnahme von Wachstumshormonen; Muskelwachstum, Kiefer, Hände und Füße wachsen auch wieder. Muss ja nicht von Nachteil sein. Akne dann neher schon.
Übrigens jubeln die Reporter gerne über neue Weltrekorde. Das war schon bei Ben Johnson, Griffith-Joyner, Marilen Jones so, obwohl jeder vernünftig denkende Mensch stutzig hätte werden müssen.
Bis dann!
Bernhardino
crown (13.08.2008, 20:27 Uhr)
Heuchelei
Es ist doch wohl auch dem Dümmsten klar, das Spiel gegen das Doping ist für alle Zeiten verloren. Wie überall auch, geht es ausschließlich ums Geld.
In unserer Zeit rechtfertigt das viele Geld auf jeden Fall die Einnahme verbotener Substanzen, weil Moral und Ethik nur noch Begriffe aus dem Duden sind.
Frank_aus_Genf (13.08.2008, 15:51 Uhr)
Niemals!
Der menschliche Körper dürfte doch irgendwann einmal an seine Grenzen stossen. Theoretischerweise dürften Weltrekorde OHNE chemische oder medizinische Hilfsmittel irgendwann immer seltener werden. Die Leichtathletik zeigt es bereits, mit der grossen Ausnahme des Sprints, der nach wie vor als doping-verseucht gilt. Nicht so beim Schwimmen. Selbst ehemaliger Wettkampfschwimmer, habe ich Zweifel, dass ein einziger Mann (Phelbs) an mehreren Tagen in Folge seine eigenen Rekorde einstellen kann, ohne dabei "gepusht" gewesen zu sein. Er KANN das grosse Ausnahmetalent sein, ich zweifle jedoch daran. Schwimmen, als perfekte Mischung zwischen Ausdauer- und Kraftsport, würde sich ebenso wie die Leichtathletik hervorragend zum Dopen eignen. Sollte dies so sein, dann kann man nur an die Offiziellen appellieren, diesem unglaubwürdigen Rausch ein Ende zu bereiten. Es scheint mir nämlich ein trauriges Kapitel zu sein...
schnauze_voll (13.08.2008, 14:44 Uhr)
ich habs....
die vollidioten aus dem reich der mitte haben die bahn quer angelegt.....tststs
horst124 (13.08.2008, 13:51 Uhr)
Bahn zu kurz
vielleicht ist ja auch das Becken kürzer oder die anderen wo bisher Rekorde geschwommen wurden, sind länger als 50m. Man sollte mal nachmessen... ;)
schnauze_voll (13.08.2008, 12:35 Uhr)
ich glaube ja nicht.....
das die schwimmer sondern das wasser gedopt ist.....das erklärt, warum alle extremweltrekorde aufstellen, oder?
itmiii (13.08.2008, 11:53 Uhr)
nachweis
am besten ist es doch, doping wird grundsätzlich erlaubt unter der auflage das, dass verwendete mittel vor start bekannt gegeben wird. zumindest kann man dann sehen welches mittel wirklich wirkt.
vor allem die werbe-chancen
"diese goldmedaillie wurde gesponsort von anabolika" ;)
maindelfin (13.08.2008, 11:35 Uhr)
Betrug
Wenn Weltrekorde um zehntel oder hundertstel Sekunden unterboten werden, kann man davon ausgehen, dass dies mit reellen Mitteln und hervorragendem Training erreicht wurde. In Peking werden Weltrekorde aber gleich um mehrere Sekunden und innerhalb kürzester Zeit unterboten. Kein normal denkender Mensch wird glauben, dass das ohne Doping gelingt!!! Es ist bekannt, dass es Mittel gibt, die die Ermündung der Muskeln verzögern. Leider sind diese Mittel bisher nicht nachweisbar. Es ist schon mehr als erstaunlich, wenn die Schwimmer gegen Ende des Rennens noch schneller werden. Das hat keinesfalls natürliche Ursachen. Für mich ist der schwimmende Drogenschrank namens Phelps ein Betrüger übelster Sorte!! Gott sei Dank werden die Dopingproben acht Jahre aufbewahrt. Phelps sammelt seit Beginn der Spiele Goldmedaillen wie Andere Briefmarken. Diese "Leistung" ist keinesfalls mit sauberen Mitteln zu erreichen. Es wird aber hoffentlich der Tag kommen, an dem er die über mehrere Tage ergaunerten Medaillen an einem einzigen Tag verliert. Nämlich dann, wenn man eine Möglichkeit zum Nachweis der verbotenen Mittel gefunden hat. Ähnlich wie das Drogenfahrrad Ullrich wird er dann aber sagen: "Was wollt Ihr denn? Ihr habt mich zwar erwischt, meine Millionen habe ich aber inzwischen verdient!"
Als Fan des Schwimmsports kann ich nur sagen, dass mir das Verfolgen der Schwimmwettbewerbe keinerlei Vergnügen bereitet. Und Bewunderung für diesen Betrüger kann ich auch nicht aufbringen. Dopingsünder dieses Ausmaßes gehören in den Knast, sobald man ihnen den Betrug nachgewiesen hat. Selbst, wenn das erst in acht Jahren möglich ist!!
gdv601 (13.08.2008, 11:34 Uhr)
Meine Meinung.
Ich lehne mich jetzt mal weit aus dem Fenster. Um auf's Treppchen oder überhaupt nur in den Endlauf zu kommen, geht ohne Doping gar nix. Alles andere ist doch nur Geschwätz.
Man darf sich nur nicht erwischen lassen.
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