. .
News am 02.06.2012
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
31. Juli 2008, 15:50 Uhr

Internet-Zensur spaltet IOC

Die unerwartete Internet-Zensur durch Olympia-Gastgeber China sorgt für mächtig Wirbel im Internationalen Olympischen Komitee. Dessen Chef Jacques Rogge steht arg in der Kritik - vor allem weil er den Bruch der Zusagen durch den Gastgeber offenbar tatenlos hinnimmt.

Gibt in Peking keine gute Figur ab: IOC-Chef Jacques Rogge

Angesichts der weltweiten Proteste gegen die Internetzensur in China zeichnen sich Differenzen innerhalb des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ab. Pressechef Kevan Gosper deutete am Donnerstag an, IOC-Präsident Jacques Rogge müsse von den geplanten Beschränkungen seitens der chinesischen Behörden gewusst haben. Dagegen habe er selbst erst am vergangenen Dienstag erfahren, dass sich Chinas Versprechen auf freien Internetzugang für Journalisten nur auf die reine Sportberichterstattung beziehen solle.

Erst bei einem Treffen mit dem Sprecher des Pekinger Organisationskomitees, Sun Wiede, habe es plötzlich geheißen, Journalisten würden lediglich einen "ausreichenden Zugang" zum Internet erhalten, sagte Gosper der Nachrichtenagentur AP. Und er fügte hinzu: "Es würde mich überraschen, wenn jemand eine solche Änderung beschlossen hätte, ohne ihn (Rogge) zumindest darüber zu informieren." Aus seiner Sicht habe es jedenfalls eindeutige Änderungen mit Blick auf die Vereinbarungen zur Zensur gegeben, und dies stehe nicht im Einklang mit den normalen Gepflogenheiten für die Berichterstattung über Olympische Spiele.

Journalisten können im Pressezentrum der Olympischen Spiele in Peking keine Internetseiten mit bestimmten Inhalten öffnen: Zum Beispiel die Seiten von Amnesty International sowie Seiten, die sich mit Tibet oder dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 befassen, konnten in den vergangenen Tagen nicht aufgerufen werden. Bei der Vergabe der Olympischen Spiele im Jahre 2001 hatte China noch eine "völlig freie Berichterstattung" versprochen.

IOC-Sprecherin Giselle Davies erklärte, es habe offensichtlich eine Reihe Missverständnisse gegeben. Diese wolle man nun gemeinsam mit den Veranstaltern aufklären. Zurzeit herrsche noch große Verwirrung.

IOC-Chef Rogge selbst sagte bei seiner Ankunft in Peking am Donnerstag nichts dazu. Am Samstag beginnt in der chinesischen Hauptstadt aber eine zweitägige IOC-Vorstandssitzung, bei der die Internetzensur im Mittelpunkt stehen dürfte. Zudem dürften das Anti-Doping-Programm und die Luftverschmutzung in Peking zur Sprache kommen.

Kritik aus Deutschland

Der Deutsche Olympische Sportbund forderte das IOC auf, sich für einen ungehinderten Internetzugang für alle akkreditierten Journalisten einzusetzen. "Die Organisatoren sind dabei, ein Eigentor zu schießen", sagte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper am Donnerstag im ZDF-Morgenmagazin. "Natürlich gehört zur Pressefreiheit auch eine freie Recherchemöglichkeit." Vesper betonte, es sei Sache des IOC, das Problem mit den chinesischen Organisationen zu klären.

Amnesty International wies dem IOC eine Mitverantwortung für die Internetzensur zu. Das Komitee habe mit seiner Strategie der stillen Diplomatie versagt, erklärte die China-Expertin der Menschenrechtsorganisation, Verena Harpe, im rbb-Inforadio. "Es hat ein Zeitfenster gegeben, in dem klar war, wie wichtig den Chinesen ein Gelingen der Spiele ist. In diesem Zeitfenster hätte das IOC Druck ausüben müssen. Diese Gelegenheit hat das IOC nicht genutzt."

 
 
KOMMENTARE (10 von 18)
 
mister-mister (01.08.2008, 09:04 Uhr)
Was anderes erwartet...??
.
Wer einem Land wie China Olympische Spiele zuschanzt und dann erwartet, dass ein Regime, welches zur Durchsetzung seiner Interessen buchstäblich über Leichen geht, Zensur- und Pressefreiheit sicherstellt, muss von einem anderen Planeten kommen.
.
NATÜRLICH hat das IOC nichts davon geahnt und NATÜRLICH sind keine wirtschaftlichen Interessen im Spiel.
.
Herr Rogge - ein Manager in der freien Wirtschaft, der einen derart dilettantischen Vertrag abschließt und dann nicht auf die Einhaltung der Vereinbarungen drängt, wird gefeuert.
.
Einder der Vorrdner hat geschrieben, dass die Spiele noch nie seit 1936 derartig pervertiert wurden.
.
Er hat recht. Nur dass dieses Mal nicht das braune Kakerlakenpack, sondern das chinesische Regime die Olympische Idee vergewaltigt.
.
Und die Welt - schaut zu. Und die ausländischen Konzernlenker sorgen sich um die billigen Produktionskakazitäten, das Shareholde-Value und um ihren eigenen Chefsessel zuhause.
.
Für diese Mal ist Olympia tot. Viel Spass dann bei den Übertragungen.....
LaoLu (01.08.2008, 00:51 Uhr)
@Rob-Roy
sorry, das ist wieder absoluter bullshit!
Ein normaler Ausländer kann sich in Beijing frei und unbeaufsichtigt bewegen.
Guides begleiten Gruppen, um diese im Umgang mit der meist nicht englisch sprechenden Bevölkerung zu unterstützen, und solche Begleitung wird besonders bei offiziellen Besuchen arrangiert.
Und, wenn man Baustellen besuchen möchte.
Aber das ist in der westlichen(freien) Welt nicht anders.
Also, was soll der Sch...??
arnd_gehrmann (31.07.2008, 21:25 Uhr)
auch hier: nicht jammern, tun!
In diesem zwei interessante Webseiten:
1) Diese Seite ermöglicht es, zu testen, ob eine URL in China geblockt
ist, oder nicht:
http://www.websitepulse.com/help/testtools.china-test.html
Interessanterweise sind mache Seiten in Hong Kong erreichbar, wie z.B.
Amnesty International und die der Exilregierung von Tibet.
2) Über diese Seite ist auch der
Empfang geblockter Seiten in China möglich:
http://www.picidae.net/
Webseiten werden von einem externen Server in eine Bild umgewandelt und
dann transportiert.
Vielleicht einfach weiter geben!
A.
p.s. Also "http://www.stern.de" kann offenbar in Peking gelesen werden :-)
Na, wenigstens etwas!
gewichtwaechter (31.07.2008, 19:41 Uhr)
Nur ein komplettes Ignorieren ...
... der Spiele kommt für mich in Frage seit der Nachricht, dass die TV-Bilder mit 45-Sek.-Verspätung beim Konsumenten ankommen.
Blacky007 (31.07.2008, 19:18 Uhr)
Wenn die Medienvertreter und Journalisten Eier hätten...
würden sie jegliche Berichterstattung aus China solange einstellen, bis eine uneingeschränkte Presse- und Internetfreiheit gewährt ist.
Die Spiele sind für Chinas Image enorm wichtig. Wenn die chinesische Führung merkt, dass der ganze Aufwand nihcts bringt, müssten selbst diese Diktatoren einknicken.
Ein Boykott der Spiele würde auch zeigen, dass es den Medien und Journalisten wirklich um freie meinungsäußerung gehen würde, aber was sind schon Menschenrechte und Meinungsfreiheit wenn es ums Geld geht wert?
Tiburon_Blanco (31.07.2008, 19:06 Uhr)
IOC
nun ja, es war nichts anderes zu erwarten. Das IOC ist ein korrupter, opportunistischer Verein dem es nur um Kommerz, nicht um die Spiele geht. Dass nun keinerlei deutliches Veto gegen die Chinesische Zensur erfolgt zeigt doch nur dass Rogge und Konsorten schon vorher wussten was kommen würde. Ich werde mir dieses Trauerspiel sicherlich auch nicht antun. Derart pervertiert wurde die olympische Idee wohl zum letzten Male 1936.
Rob-Roy (31.07.2008, 18:51 Uhr)
Typisch IOC
Unser Sohn schwimmt fuer GB und war mit dem Team letzten Winter auf der Rueckreise vom Trainingslager in Brisbane zu einem Aufenthalt in Beijing um sich die Olympiaanlage anzusehen. Damals schon wurde die bewegungsfreiheit der Sportler massiv eingegrenzt, wenn sie in einer Gruppe von mehr als 6 Pers. unterwegs waren, war immer ein "Guide" dabei.Internet war auch nur begrenzt moeglich, meist konnte man gerade mal Mails checken aber ansonsten nicht auf die volle Breite des Internets zugreifen, zum telefonieren wurden spezielle raeumlichkeiten zugewiesen. Dies alles sind zustaende wie im "alten Rom" und werden sich auch bei den Spielen nicht gross aendern. Hier hat es das IOC klar versaeumt seinen Standpunkt klar darzustellen und zu vertreten, was am ende zu Lasten der Sportler gehen wird. Die Berichterstattung ausserhalb der Wettkaempfe wird man auch so weit wie moeglich nach unten druecken und das alles nennt man: Frei Spiele fuer die jugend der welt!!! Mit solchen einem Kopf und gremium an der spitze wird es keine freien Spiel mehr geben.
Johann58 (31.07.2008, 18:43 Uhr)
ups
Zensur in China? Das glaub ich nicht sonst waeren doch die Oplympische Spiele nie nach China gegeben worden. Das ist doch nur westliche Propaganda. Rogge hat sich doch persoenlich davon ueberzeugt, dass alles OK ist. Und jetzt auf einmal auf den Chinesen rumhacken wo die doch die Menschenrechte achten, Tibet in die Unselbststaendigkeit entlassen haben und noch nie so was wie Produktpiraterie betrieben haben. Aussedem was geht die Welt die Innenpolitik der Chinesen an.
JimPanse (31.07.2008, 18:40 Uhr)
@Franzoesin
Thema verfehlt. Es geht nicht um die Zweckmässigkeit der Pressefreiheit. Das wurde bereits bei der Vergabe sicherlich disskutiert. Es geht um Zusage seitens der Chinausenregierung eine völlige Pressefreiheit zu garantieren. Hätte man damals gesagt, wir schränken den Zugang zu bst. Seiten ein denn es geht nur um die sportliche Berichterstattung wäre jetzt dieser Wortbruch was Anderes. Einen Vertrag gilt es einzuhalten.
Ich plädiere auch für einen TV Boykott. Die rote Sch... muss man sich nicht antun. Empören sich über die Vermischung von Sport und Politik, und praktizieren dies selbst im Höchsten Masse.
moranet (31.07.2008, 18:29 Uhr)
abreisen !!!
die Presse solte geschlossen mit Abreise drohen, dann zerbricht das Diktat der Chinesen, denn ohne Presse keine Selbsdarstellung !!!
MEHR ZUM ARTIKEL
IOC Kniefall vor Zensur in China

Das Internationale Olympische Komitee hat sein Versprechen gebrochen, Journalisten bei den Sommerspielen in Peking "unzensierten" Zugang zum Internet zu gewährleisten. Ohnmächtig muss das machtlose IOC die Eingriffe Chinas in die freie Berichterstattung hinnehmen - und verspielt viel von seiner Glaubwürdigkeit. mehr...

Olympia Entsetzen wegen Internet-Zensur

IOC-Intervention wegen der chinesischen Zensur, Sorge vor einem Verkehrsinfarkt in Peking, UN-Generalsekretär Ban Ki Moon mahnt die weltweite Einhaltung des olympischen Friedens an: Zehn Tage vor der Eröffnungsfeier steigt die Nervosität. In Deutschland wird unterdessen kräftig über den möglichen Fahnenträger diskutiert. mehr...

Verwandte Fragen

Sie kennen die Antwort? Beantworten Sie die Frage hier oder senden Sie selber eine Frage