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23. August 2008, 11:33 Uhr

Im Auge des Sturms

Die 100 Meter der Männer - ein Rennen, das in die olympischen Annalen eingehen wird. Usain Bolt läuft Weltrekord, sprintet wie aus einer anderen Galaxie. Ich sitze neben der Bahn und erleben meinen unvergesslichen Augenblick. Ich bin Bolt ganz nah und schaue ihm in die Seele - beinahe. Von Jens Fischer, Peking

Auf und davon: Usain Bolt degradiert seine Konkurrenz zu Statisten© Michael Steele/Getty Images

Während dieser Olympischen Spiele erlebte man viele Leistungen, die Hochachtung verdient haben. Es gab eine wahre Flut von Weltrekorden, persönlichen Bestmarken und faszinierenden Momenten. Aber die Darbietungen eines Sportlers werden mit Sicherheit in die olympische Geschichte eingehen. Keine Olympia-Chronik wird in Zukunft ohne sie auskommen: die Auftritte des Usain Bolt. Was der baumlange jamaikanische Sprinter im Pekinger Olympiastadion, dem "Vogelnest", bei seinen drei Weltrekorden auf die Bahn zauberte, war nicht von dieser Welt.

Wenn selbst die härtesten Konkurrenten aus dem Sprinter-Mekka USA sich mit Hochachtung verneigen und in respektvolle Würdigungen verfallen, dann hat man als Sprinter etwas Großes vollbracht. Denn Eifersucht und Neid werden groß geschrieben im Lager der schnellsten Männer der Welt. Usain Bolt ist davor gefeit - er kommt aus einer anderen Galaxie.

"Ohne sich aufzuwärmen"

Es ist Samstag, der 16. August, Punkt 22.30 Uhr, als ich einen meiner beiden großen olympischen Momente erlebe. Ich sitze im "Vogelnest", es ist ein milder Abend nach einem langen Arbeitstag. Die Stimmung in diesem gigantischen Stadion ist getragen von Spannung und Vorfreude. 91.000 Zuschauer warten auf den großen Zauberer, den Magier der 100 Meter. Usain Bolt hat es ihnen allen angekündigt. In den Vorläufen ist er bereits zu famosen Zeiten gejoggt, "ohne sich aufzuwärmen", wie der deutsche Sprinter Tobias Unger den Medien später erzählt. Jetzt das Finale, Bolts Sprint-Explosion steht kurz bevor.

Acht Helden der Neuzeit, Gladiatoren ihres Sports

Und ich sitze da. Keine 20 Meter von der Gegengeraden entfernt, etwa auf Höhe 70 Meter. Eine Marke, die in den kommenden Olympia-Tagen eine fast magische Bedeutung bekommen wird. Dann erscheinen die acht Protagonisten des Schauspiels auf die Bühne. Acht Helden der Neuzeit. Gladiatoren ihres Sports. Und einer unter ihnen ist der (noch) ungekrönte König. Usain Bolt wird in den nächsten Minuten Geschichte schreiben.

Die acht Sprinter sind bereit. Jeder im Stadion ist bereit. Stille wie auf dem Friedhof. Die Spannung ist greifbar. Die Erwartungen lassen den Atem stocken. Dann der Schuss. Die Läufer rennen los, bis Meter 30 alle noch fast gleichauf, urplötzlich zieht er an mit seinen langen Schritten, zieht davon, ist bei Meter 60 der sichere Sieger. Dann passiert es - dieser Augenblick, den ich nie vergessen werde. Usain Bolt breitet die Arme aus, schaut nach links und rechts, seine Mimik siegessicher. Ich schaue zu ihm hinüber, ich bin so nah dran. Wir haben Blickkontakt, seine weißen klaren Augen funkeln mich an. Ich bin wie erstarrt.

Für immer unvergesslich. Doping hin, Nuggets her

Er läuft locker sein historisches Finale zu Ende, gewinnt mit halber Kraft und holt den Weltrekord: 9,69 Sekunden! Bolt lässt sich feiern, hängt sich die Jamaika-Fahne um und hinterlässt ungläubiges Staunen im Publikum. Und ich sitze auf meinem Platz, ungläubig, immer noch fasziniert von dem Augenblick, als Bolt mir in die Augen sieht. Es war nur eine Tausendstelsekunde - für mich ist es eine Ewigkeit. Und für immer unvergesslich. Doping hin, Nuggets her.

Von Jens Fischer, Peking
 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
LaoLu (26.08.2008, 05:16 Uhr)
von Polizei,
die an die Tür hämmert...
mats123 (25.08.2008, 13:08 Uhr)
Die Sonne strahlt nur für mich, bätschi!!!
So so, da sitzen über 90000 Menschen im Stadion, aber Usain Bolt hat Sie angeschaut? Für eine tausendstel Sekunde? Wovon träumen Sie denn nachts?
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