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8. August 2008, 13:57 Uhr

Perfekte Bilder, wenig Emotionen

Gigantisch ist sie gewesen, inspirierend weniger: Die Olympischen Spiele haben mit der Eröffnungsfeier offiziell begonnen. Die mit viel Aufwand produzierte Show lieferte zwar perfekte Bilder, aber nur selten ehrliche Emotionen. Nur beim Einmarsch der Athleten brach sich ehrliche Freude Bahn. Von Mathias Schneider, Peking

Fahnträger Dirk Nowitzki führte das deutsche Team beim Einmarsch der 204 Nationen ins Olympiastadion an© Fabrice Coffrini/AFP

Am Vormittag war von gesteigerter Aufregung noch nicht viel zu spüren. Dirk Nowitzki spurtete um zehn Uhr konzentriert wie eh und je über das blank gewienerte Parkett des Tsinghua Universitiy Gymnasium. Hier ein Korbleger, dort ein Dreipunktwurf, dazwischen harsche Parolen des Nationaltrainers Dirk Bauermann.

Der Schweiß rann über das kurz geschorene Haupt. Das vorletzte Training seiner Basketballnationalmannschaft absorbierte Nowitzkis gesamte Aufmerksamkeit. Er kann sich ja wie kaum ein zweiter Sportler auf seine Ziele konzentrieren, und weil ihn diese Gabe zusammen mit seinem universalen Basketballspiel zu einem der besten Athleten seines Sports gemacht hat, wähnte das Nationale Olympische Komitee die Fahne beim Einmarsch in seinen riesigen Pranken gut aufgehoben.

Die Anspannung wird noch wesentlich gestiegen sein in den Stunden nach der Trainingssession. Eröffnungsfeiern bei Olympischen Spielen ziehen sich gemeinhin ziemlich in die Länge, und wenn man dann noch als 199. von 205 teilnehmenden Nationen zum Einlauf gebeten wird, bleibt mehr Zeit als einem lieb ist, um die Tragweite des Ereignisses zu überblicken.

Beifallssturm für den Gastgeber

Nowitzki hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass das Amt des Fahnenschwenkers für ihn ein lohnendes Ziel ist. Strahlend führte er denn auch seine Mannschaft um 23.02 Uhr Ortszeit in das Nationalstadion namens Vogelnest. Die 92 000 Menschen klatschten erfreut. Kurz darauf schwoll der Beifall noch einmal an, als der Gastgeber sich auf seine Runde machte, Männer und Frauen sauber getrennt. Für einen Moment sprang der Funke über, das einzige Mal an diesem Abend und China-Sprechchöre ließen erahnen, zu welchem Patriotismus der Chinese durchaus fähig ist. Kurz darauf erklärte der Staatschef Hu Jintao die Spiele für eröffnet.

China, oder besser seine Machthaber, haben während der dreieinhalb Stunden kein Superlativ gescheut, um im Auge der Welt zu zeigen, warum sie sich als stolze Kraft Asiens im Konzert der Weltmächte angekommen sehen. Dass George Bush und Wladimir Putin - trotz eines ausbrechenden Krieges seines Volkes - ihre Aufwartung im Stadion machten, dürften die Granden der Partei mit einiger Genugtuung registriert haben.

Eine akkurat durchkomponierte Show ist es gewesen, die den Betrachter auf eine von Lichteffekten und traditionellen Kostümen und Instrumenten flankierte Zeitreise durch die lange Historie des Landes führte. Bereits das Feuerwerk zur Ouvertüre ließ keinen Zweifel daran, dass diese Inszenierung in ihrer Perfektion sowie ihrem Gigantismus alles zuvor Dagewesene in den Schatten zu stellen suchte. 2008 Fou-Trommler eröffneten den Abend mit einem ohrenbetäubenden Wirbel, es folgten Licht durchflutete Pergamentrollen zur Erinnerung an die Erfinder des Papiers.

Der Formalismus ließ die Show nie los

Allein der Formalismus ließ die Show nie los. Bisweilen schien es, als sollte bewiesen werden, wie symmetrisch und konform ein ganzes Volk zu agieren imstande ist. Der Mensch als perfekt funktionierendes Werkzeug, aufgehend im Ganzen. In allen Variationen marschierten die treuen Diener im Gleichschritt wie eine riesige bunte Armee durch das Stadion, mal rot mal grün angestrahlt. Im Hintergrund umspielte leichtes klassisches Einerlei das Ohr.

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KOMMENTARE (10 von 14)
 
sachsenwini (09.08.2008, 12:02 Uhr)
China hat mit dieser großartigen Inszenierung Maßstäbe gesetzt
und der Welt seine uralte Kulturgeschichte näher gebracht.
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Die gelungene zusammengeraffte symbolische Darstellung des Fackellaufes als ein Schauspiel in luftiger Höhe bis zur Entzündung der Fackel, war ein Ereignis, welches noch in Erinnerung bleiben wird, wenn die organisierten Krawalle und Störaktionen während des Fackellaufes längst vergessen sind.
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Es hat den Feinden Chinas nichts gebracht, Unruhen und Krawalle im Land zu organisieren und eine Truppe Fahnen schwingender Pseudo- Tibeter sowie einen lächelnden Wandermönch durch die Welt zu karren.
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Der ganze Aufwand sollte lediglich dazu dienen, die Industriemacht China zu verunglimpfen, und es bestand überhaupt kein Interesse, diesem Land bei den Problemen mit der Integration von Minderheiten behilflich zu sein.
Anno1701 (09.08.2008, 11:42 Uhr)
...
Also ich finde wir sollten das dritte Reich wiederneugründen. Dann kommen lauter Chinesen zu uns, die finden das ja total toll unterdrückt zu werden!
Spaß beiseite: Sie verstehen uns Europäer halt nicht. Die Propaganda der chin. Führung hat sie so eingelullt, das sie wohl niemals verstehen werden, was an Demokratie so toll ist. Schade eigentlich.
CeeTo (09.08.2008, 11:08 Uhr)
limasu
Dann kann man dir ja nur gute Heimreise wünschen. Einer weniger.
Ansonsten kotzten mich viele der Kommentare hier einfach nur an.
Von Mitgefühl für die Unterdrückten keine Spur. China kann ja so ein tolles Feuerwerk machen.
Ihr hättet im dritten Reich eure wahre Freude gehabt.
anak (09.08.2008, 09:37 Uhr)
Olympiaeröffnungsfeier
die eröffnungsfeier sollte wirklich so phänomenal sein, wie sie die chinesen vorgeführt haben.da emotionen keine messeinheit haben, sondern als einheit gelten, sollte der autor des berichtes darauf eingehen, daß so ein event eine phantastische leistung auf logistischer ebene ist.
die emotionalen vorbehalte, china gegenüber,sollte man da in politischer sparte anordnen.
mitscher (09.08.2008, 04:36 Uhr)
der frigide arme Herr Schneider
mit den negativen Kommentaren, Berichten gerade nach der Eroeffnungszeremoie habe ja gerechnet,aber eine so Dummheit des Artikals betitelt "Perfekte Bilder, wenig Emotionen" kann ich wicklich nicht glauben..Und wie koennte es gesagt werden dass es wenig emotion gabe.Ich vermute,ob der Herr Schneider so zu kalt ist,dass er den grossartigen Feier nicht spueren kann und auch nicht von der Emotion und Begeisterung der Zuschauer beeinflusst werden kann.Oder ob er von der Kommentar der Moderatorin der ARD Frau Maischberger unterdrueckt worden ist..Auf meiner Seite bin ich so inspiriert und bin Stoltz daruf dass China die gegeben worden ist, die wunderschoene Olypische Eroeffnungszeremonie gezeigt hat.
Und ich bitte Herr Schneider oder Stern den Titel am besten den Inhalt mal verbessern mit Ihrer Ehrlichkeit.ansonsten waere es wicklich eine Schande,dass die deutschen Medien die Bevoelkerung einfach so verarschen.
Nana_Xiaojie (09.08.2008, 04:18 Uhr)
Kann ja Zhang Yimou nix dafuer...
... dass der Autor ein kalter Fisch ist. Er selbst war wohl der einzige, der bei dieser fulminanten Show emotionslos war. Die Reise durch die reiche chinesischer geschichte, untermalt von Klaengen der Peking-Oper und traditionellen Instrumenten wie dem Qin, war einfach faszinierend. (Waere mal interessannt zu wissen, wie kompetent das im deutschen Fernsehen kommentiert wurde.) Gratulation an alle, die diese wunderbare Eroeffnungsfeier moeglich gemacht haben!
LaoLu (09.08.2008, 00:59 Uhr)
Zu erwartender Artikel, Herr Schneider,
voll mit den bereits hinlänglich bekannten Versatzstücken.
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Nur zwei kurze Anmerkungen:
Der Fackellauf, eigentlich eine charmante Idee, endete in einem Disaster, weil es einer kleinen Gruppe Exiltibetern um Seine dunkelrote Scheinheiligkeit unter professioneller Choreographie gelungen war, die gutmeinende Weltöffentlichkeit vor ihren Karren zu spannen. Und an dieser Veräppelung (hatte ich ursprünglich drastischer ausdrücken wollen, aber...) war unsere freie Presse maßgeblich beteiligt.
Und die dichte Dunstglocke aus Nebel und Smog, die Sie mal wieder bemühen mußten - verfügt das CCTV neuerdings über Kameras, mit denen man durch Smog und Nebel sehen kann?
Der Bericht über die Eröffnungsfeier zeigte wiederholt beeindruckende Luftaufnahmen der verschiedenen Feuerwerke – ich habe da keinen Nebel (oder gar Smog) gesehen.

Und abschließend nochmal mein Gruß an meine chinesischen Freunde und Bekannten:
Ich wünsche uns allen fröhliche, erfolgreiche und vor allen Dingen friedliche Olympische Spiele Beijing 2008!
KlaraSinger (08.08.2008, 22:35 Uhr)
China ist eine erfolgreiche aufstrebende Industriemacht.

Dieser Staat braucht keine Belehrungen von anderen Nationen, die mit erlogenen Kriegsgründen andere Länder überfallen. China wird selbst wissen, was es in diesen großen Lande noch zu verbessern gilt, und ich wünsche diesem Lande, dass so viel erdulden und erleiden musste, viel Erfolg auf seinem Weg.
Hoffen wir, dass es den Feinden dieses Landes nicht gelingen möge, den friedlichen Wettstreit der Sportler zu stören.
Ich wünsche ihm jedenfalls alles erdenklich Gute und eine erfolgreiche Ausrichtung der olympischen Spiele.
Mögen alle Athleten und Gäste die sprichwörtliche chinesische Gastfreundschaft schätzen und lieben lernen.
limasu (08.08.2008, 21:33 Uhr)
Werde ich unterdrükt?
Menschenrecht? Werde ich unterdrükt? Entschuligung! Das habe ich nie mals gefühlt. Deutschland ist ein Industriewunder und es gibt viele sehr intelligente Leute in der Geschichte, deswegen bin ich nach DE gekommen. Aber jetzt habe ich angefangen diese Staate zu hassen. ich weiß jetzt auch, die Dummheiten überall gibt, die mit der Staatsangehörigheit gar nicht zu tun hat. -heutige Image DEs
Kiezzabel (08.08.2008, 21:02 Uhr)
bei dir vielleicht
Sachensenwini. ("Mit dieser beeindruckendenden Eröffnungsshow ist es China gelungen,
die ganze Hetze und die Störaktionen während des Fackellaufes vergessen zu machen,")
Immer wieder schön zu lesen, wie sich manche Menschen von einer PR-Party einlullen lassen. Jeder Propagandaminister wäre stolz auf dich, Sachsenwini.
Ich wünsche natürlich auch friedliche Spiele.
Nur muss man deswegen die Menschenrechtslage in China nicht gut finden. Und auch wenn China in den vergangenen Jahren Fortschritte gemacht hat, darf man trotzdem sagen: Bevor ihr euch auf die Schultern klopfen könnt, habt ihr noch ein paar Schritte vor euch! Das gilt für andere auch.
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