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28. Juli 2008, 15:34 Uhr

Die Tragödie von München

Es sollten fröhliche Spiele werden. 36 Jahre nach der Nazi-Olympiade von Berlin sollte die Welt ein neues, offenes Deutschland sehen. München war auch ein Freudenfest - bis die Schüsse von Terroristen den Traum zerstörten. In einer Serie berichten wir über Olympische Spiele, die die Welt veränderten.

Ein bewaffneter Polizist geht im Olympischen Dorf in Stellung. Zuvor haben palästinensische Terroristen das israelische Quartier besetzt© Archiv/Picture-Alliance

Es war ein schöner Versuch, ein letztes Nachbeben des "Summer Of Love" im Jahr 1972, Olympische Spiele der Blumenkinder im Olympiapark von München. Die Sicherheitsvorkehrungen waren ebenso locker wie das ganze Konzept. Im Gegensatz zu den von autoritären Strukturen in den austragenden Ländern sehr streng limitierten Spielen von Tokio und Mexiko sollte es ein Fest mit großer Nähe zwischen Sportlern und Zuschauern sein. Bundeskanzler Willy Brandt und Bundespräsident Gustav Heinemann repräsentierten ein anderes Deutschland, einen weit deutlicheren Bruch mit wilhelminischen Traditionen als es zuvor in der Adenauer-Ära möglich gewesen war.

Mark Spitz und ein paar Skandale sorgen für Aufsehen

Sportlich erbrachte zweifellos der amerikanische Schwimmer Mark Spitz die auffälligste Leistung, der in sieben Wettbewerben antrat und alle sieben Goldmedaillen gewann. Daneben gab es hinter den Kulissen eine Fülle von heute kurios anmutenden Protesten und Dopingfällen.

So verweigerte das US-Basketballteam die Annahme ihrer Silbermedaillen, weil sie der Meinung waren, der siegbringende Korb der UDSSR sei nach Ablauf der Spielzeit irregulär erzielt worden. Ähnliches passierte im Hockey, wo die pakistanische Mannschaft im Finale der Bundesrepublik unterlag und Spieler und Funktionäre die Schiedsrichter der Bestechlichkeit beschuldigten. Bei der Siegerehrung spielten die Pakistanis mit ihren Silbermedaillen Fußball, nachdem sie zuvor bereits die Umkleidekabine des Olympischen Hockeystadions gründlich zerlegt hatten.

Einen weiteren Skandal gab es beim Volleyballturnier der Frauen, wo es beim Spiel um die Bronzemedaille zum politisch hochbrisanten Aufeinandertreffen von Nord- und Südkorea kam. Nach dem 3:0-Erfolg der Vertretung des kommunistischen Staates erhob Südkorea einen schweren Vorwurf gegen die Siegerinnen: Die herausragende Spielerin Kim Jung-Bok sei ein Mann! Das IOC verwies auf einen vorliegenden Test, der der Spielerin Weiblichkeit attestierte und wies den Protest ab, woraufhin Südkorea behauptete, nicht diese "Spielerin", sondern eine andere Athletin sei zum Test erschienen - die Sache verlief im Sande, genau wie mindestens 30 mehr oder weniger spektakuläre Dopingfälle.

Der Terror stoppt die Spiele

Die manchmal geradezu anarchische Fröhlichkeit endete jäh an dem schwärzesten Tag der olympischen Geschichte, dem 5. September 1972. Das Olympische Dorf der "heiteren Spiele" war so gut wie gar nicht gesichert. Es war lediglich von einem zwei Meter hohen Maschendrahtzaun umgeben. Ihn zu überklettern war schon in den ersten zehn Tagen der Spiele für viele Sportler üblich geworden. Sie wollten damit Umwege vermeiden.

Kurz nach vier Uhr morgens überkletterten acht palästinensische Terroristen jenen Zaun und drangen ohne Schwierigkeiten zu den Quartieren der Olympiamannschaft aus Israel vor - diese lagen praktischerweise im Erdgeschoss. Mit äußerster Brutalität brachen palästinensische Terroristen in das unbewachte Gebäude ein und nahmen elf israelische Sportler und Trainer als Geiseln. Zwei von ihnen wurden allerdings schon beim Angriff so schwer verletzt, dass sie wenig später starben.

Folgenschwere Fehler der deutschen Behörden

Die Terroristen der Bewegung "Schwarzer September" standen der PLO von Jassir Arafat nahe. Sie versuchten mit diesem Überfall sowohl inhaftierte Terroristen in Israel, als auch die deutschen RAF-Terroristen Andreas Baader und Ulrike Meinhof, die im Juni desselben Jahres verhaftet worden waren, freizupressen.

Nach dem Ablauf verschiedener Ultimaten vereitelte die bayrische Polizei ihren ersten Befreiungsversuch selbst. Sie vergaß, den Geiselnehmern den Strom abzustellen. So konnten diese den Aufmarsch der Sicherheitskräfte vor dem Olympischen Dorf live im Fernsehen verfolgen.

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KOMMENTARE (1 von 1)
 
Seine_Heiligkeit (29.07.2008, 11:43 Uhr)
Olympia 1972 überflüssig wie ein Kropf
An die stocksteifen Schupos in Trainingsanzügen, wie hier abgebildet, die großspurig mit MP´s in Stellung gingen, kann ich mich heute noch erinnern. Es sollte wohl Tarnung sein, als man hier Sportler vortäuschte. Dabei sah ein Blinder mit Krückstock, dass es sich um alles andere als Sportler handelte. Man fragte sich auch, auf wen denn die zielten bzw. was das alles sollte. Es wurde jedenfalls kein einziger Schuss abgegeben.
Der Freistaat Bayern und seine Polizisten wurden vorgeführt von den
Terroristen. Brave Münchener Schupos ballerten damals in die Nacht am Flugplatz. Sie schützten die Geiseln zu Tode. Schlimmer als tot kann es nicht geben.
Die Olympischen Spiele 1972 waren auch ein Zeichen des typisch deutschen Größenwahns auf Steuerzahlerkosten, Veranstaltungsweltmeister zu sein. Lokalpolitiker und Funktionäre wie Vogel und Daum wollten einmal Weltgastgeber sein.
Das Münchener Olympiastadion und wohl auch große Teile des Olympiaparks stehen heute brach und rosten vor sich hin, die Fußballer haben zwischenzeitlich ein einges Fußballstadion. Heute kann man nachvollziehen, wo deutsche Steuergelder verschwendet wurden.
Trotz immenser sportlicher Aufrüstung durch Sporthilfe etc. wurde die BRD-Mannschaft von den DDR-Kommunisten geschlagen im Medaillenspiegel. Für Daume, Neckermann und Co. war das alles extrem peinlich, und vor allem für die meisten TV-Kommentatoren, die sich nicht damit abfinden konnten.
Die damalige BRD wollte sich nach der nur 27 Jahre zurück liegenden Nazi-Herrschaft die Anerkennung der Welt durch die Verschwendung von deutschen Steuergeldern erkaufen. Gedankt hat es ihr die Welt nicht: Man bescherte der BRD den Terrorismus und Steuererhöhungen.
Insofern muss diese Veranstaltung kritischer gesehen werden als es der STERN-Artikel glauben machen will.
Eine Zäsur hatten die Olympischen Spiele 1972 für die BRD bzw. Deutschland: Bis dahin gab es Vollbeschäftigung in Deutschland - anschließend nach dem goldenen Herbst 1972 ging es für die BRD/Deutschland mit Energiekrise etc. nur noch bergab. Bis heute, 36 Jahre danach, ist es nie mehr gelungen, Vollbeschäftigung zu erreichen.
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