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15. August 2008, 14:11 Uhr

"Wie ist das möglich ohne Doping?"

Weltrekorde wie am Fließband: Die Leistungen der olympischen Schwimmer um Superstar Michael Phelps machen skeptisch. Sportler und Experten diskutieren kontrovers: Schwimmlegende Michael Groß verteidigt Phelps' Rekordjagd, Hochsprung-Olympiasiegerin Heike Henkel indes kann sich seine Leistung ohne Doping kaum erklären.

Rekordjäger Michael Phelps: So machner zweifelt an einer sauberen Leistung© Abacapress

Die Weltrekordflut bei den olympischen Schwimm-Wettkämpfen in Peking mit dem schon sechsfachen Goldmedaillen-Gewinner Michael Phelps an der Spitze haben eine Kontroverse über Doping-Spekulationen ausgelöst. Während der dreimalige Olympiasieger Michael Groß vor einer Vorverurteilung der herausragenden Leistungen des Amerikaners warnt, beobachtet Hochsprung-Olympiasiegerin Heike Henkel die Großtaten von Phelps mit "gemischten Gefühlen". Auch der Kölner Doping-Analytiker Wilhelm Schänzer ist skeptisch. "Es würde mich nicht wundern, wenn im Nachhinein noch unerlaubte Mittel entdeckt würden", sagt der Spezialist.

Laut Schänzer könne man angesichts der Flut von 21 Welt- und 24 Europarekorden im "Wasserwürfel" von Peking den Missbrauch von illegalen Mitteln nicht ausschließen. "Gewisse leistungsfördernde Mittel wie Insulin oder Fremdblut-Doping können momentan nicht entdeckt werden", berichtete Schänzer. Das IOC hatte angekündigt, alle 4500 Doping-Proben der Pekinger Spiele für einen Zeitraum von bis zu acht Jahren einzufrieren und mit neuen Analysetechniken auch nachträglich zu prüfen.

Michael Groß verteidigt Phelps' Leistungen

Der einstige deutsche Schwimm-Star Michael Groß sieht dagegen in den außergewöhnlichen Leistungen in Peking keinen Grund für einen Generalverdacht. "Ich würde mir verbitten zu sagen, das geht nur mit Doping", sagte er im Interview mit dem "Deutschlandradio Kultur". Wenn das so wäre, "müssten wir die Spiele einstellen und sie 'Olympischen Zirkus' nennen". Hinter den extremen Leistungen stehe vor allem die starke Professionalisierung des Sports. Das habe zunächst einmal nichts mit Doping zu tun, meinte Groß. der lange Oberkörper von Michael Phelps, sein extremer Beinschlag sowie die Technik der Startsprünge und Wenden seien die halbe Miete des Erfolgs, glaubt der einstige Weltklasse-Schwimmer: "Er benutzt seinen Armzug wie eine Wand, um sich daran hochzuziehen. Da ist tierisch Power dahinter, die seine Leistungs-Dimension erklärt."

Bereits seit dem 15. Lebensjahr schwimme der Amerikaner auf extrem hohem Niveau. Seine Entwicklungs-Kurve sei nachvollziehbar und relativ normal. "Das Einzige was mich beeindruckt und erstaunt, ist dieses extrem hohe Leistungsniveau mehrfach hintereinander. Das ist schon fast unmenschlich", äußerte Groß. "Vielleicht wäre es für ihn mal gut, wenn er ein Rennen verliert, um zu zeigen, dass er kein Übermensch ist."

"Wenn ich die Zeiten sehe, werde ich skeptisch"

Einen solchen Persilschein mag die frühere Hochspringerin Heike Henkel Schwimmstar Phelps nicht ausstellen. "Wenn ich die Zeiten sehe, werde ich skeptisch. Da frage ich mich schon: Wie ist das möglich ohne unterstützende Mittel?", sagte die Olympiasiegerin von 1992 "Zeit online". "Dass er nur wegen seines speziellen Schwimm-Anzugs so schnell schwimmt, kann ich mir nicht vorstellen." Sie verstehe, wenn gegen Sportler ein Generalverdacht besteht und könne "nachvollziehen, dass ein Großteil des Publikums den Glauben verloren hat".

Unterdessen wurden bei den Peking-Spielen zwei weitere Doping- Fälle bekanntgemacht: Der zweifache Medaillengewinner Kim Jong-Su und die Turnerin Thi Ngan Thuong aus Vietnam sind positiv getestet worden. Der Schütze aus Nordkorea ist der Einnahme des verbotenen Betablockers Propranolol überführt und nachträglich disqualifiziert worden. Er müsse seine Silbermedaille aus dem Wettbewerb mit der Freien Pistole und das Luftpistolen-Bronze zurückgeben, teilte Giselle Davies, Sprecherin des Internationale Olympischen Komitees (IOC), mit. Bei Thi Ngan Thuong Do wurden Spuren des Diuretikums Furosemid gefunden.

Bisher wenig positive Tests bei den Spielen

Bisher hat das IOC 2203 Tests in der chinesischen Hauptstadt durchgeführt. Die niedrige Zahl der positiven Proben sei eine Folge des "erhöhten Bewusstseins bei den Athleten, dass Doping inakzeptabel" sei, betonte Arne Ljungqvist, Vorsitzender der Medizinischen Kommission des IOC. Die Zahlen seien auf jeden Fall "sehr ermutigend". Zuvor war unter der IOC-Hoheit bereits die spanische Radfahrerin Maria Isabel Moreno mit dem Blutdopingmittel Epo erwischt worden.

Andreas Schirmer, Sven Busch/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
Nana_Xiaojie (16.08.2008, 09:18 Uhr)
Bei dem Phelps hab ich ja 'ne ganz andere Theorie...
... das sind einzig und allein die Ohren, die den so schnell machen.
FredGrimm (15.08.2008, 16:11 Uhr)
vollkommen richtig |"schrollibi:"
ja, und China will natuerlich auch nicht, dass, wer auch immmer, an ihnen vorbeizieht. ERGO - Hau rein iss Tango, - gelobt sei was Rekorde verspricht.
For Sure!!! Wenn Gen - Dopig " geht ", wird das auch angewendet.
schrollibi (15.08.2008, 15:53 Uhr)
Fabelweltrekorde in Peking
Wie der ehemalige Sportreporter und Kabaretist Werner Schneider, unlängst in einer Fernsehdisskusion schon sagte: Es soll doch niemand glauben, dass die unter staatlicher Kontrolle aufgestellten Doping-Rekorde der ehemaligen DDR-Schwimmer jetzt ungedopt, förmlich pulverisiert werden können. Dem kann ich nur zustimmen. Die USA haben ein grundsätzliches
Interesse gerade China nicht an sich vorbeiziehen zu lassen.
FredGrimm (15.08.2008, 15:42 Uhr)
Falsche Ueberschrift !
Es ist eine zu 98 Prozent unumstoessliche Tatsache, dass ohne Doping keine Medaillen zu gewinnen sind! Derjenige der dopen will wird immer ein wenig schneller sein, als derjenige der den "Doper fangen" moechte.
Irgendwie komisch, dass scheinbar noch kein CHINESE aufgefallen ist.
Maddux (15.08.2008, 15:30 Uhr)
Die Deutschen Schwimmer sind dann
ja über jeden Verdacht erhaben, denn sie sind 5 Sekunden langsamer.
schreibtherapie (15.08.2008, 15:29 Uhr)
@havranek
Also, erst mal gibt es nur noch ein Weltrekord von 1998. Und der ist bei den Frauen über 800m Freistil. Und wahrscheinlich nur deswegen, weil diese Strecke bei Olympia noch nicht geschwommen wurde. Jedenfalls waren es bisher nur Vorrunden und so richtige Favoriten gibt es da auch keine.
Warum sind sie nicht alle gleich schnell? Dass man so eine Frage überhaupt stellen kann, ist schon ziemlich lustig... Wahrscheinlich weil sie nicht alle gleich groß und exakt so gebaut sind wie Phelps? Oder weil sie nicht alle das gleiche Geschlecht haben wie er? Oder weil sie nicht alle gleichviel Erfahrung, Trainingseinheiten, Talent haben? Oder, oder, oder...
Warum ist niemand 5 Sekunden langsamer wenn nur einige dopen? Ähm, schaust du eigentlich Olympia? Weil die Weltrekorde sogar über 5 Sekunden verbessert worden, die erst 2007 aufgestellt wurden. Und dazu gibt es sogar mehr als nur 5 Sekunden Unterschiede bei den einzelnen Schwimmern...
havranek (15.08.2008, 14:57 Uhr)
Wenn alle dopen...
... warum sind sie dann nicht alle etwa gleich schnell wie Phelps?
Warum gibts dann noch Weltrekorde von 1989?
Warum ist niemand 5 Sekunden langsamer wenn nur einige dopen?
Kiezzabel (15.08.2008, 14:55 Uhr)
oh ne, bitte nicht!!!
ein bobbele reicht vollkommen.
aber vielleicht ist Phelps ja auch ein Jahrtausendtalent.
i
rainer60 (15.08.2008, 14:54 Uhr)
jahrhunderttalent
man muss ziemlich blauaeugig sein um zu denken das im olympischen sport alles mit rechten dingen zugeht. wenn ja, sind wohl alle jahrhunderttalente der letzten 200 jahre im schwimmbecken versammelt. die schwimmen ( nicht nur phelps) alle einen weltrekort nach dem anderen und sind danach so frisch als wenn sie gerade aus dem tiefschlaf erwachen. der letzte ungedopte olympiasieger war der im hallenhalma.
indycancer (15.08.2008, 14:39 Uhr)
Jahrhunderttalent
Ich denke nicht das Phelphs gedopt ist - der Junge ist einfach ein Jahrhunderttalent - sowas gibt´s und hat´s schon immer gegeben - viele vergessen das nur, weil es eben auch nur alle paar Jahrzehnte mal vorkommt - es wird ja auch nicht jedes Jahr ein Boris Becker gebohren.
Oder vielleicht leiten ja die Chinesen ihre Dopingmittel direkt in das Schwimmbecken - das spart die teuren Spritzen ;-)
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