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5. Juli 2008, 08:39 Uhr

Spiele bremsen Touristik-Boom

Hiobs-Botschaften aus dem Reich der Mitte. Erst die Tibet-Unruhen, im Mai das verheerende Erdbeben in Sichuan, dann heftige Regenfälle im Süden des Landes. China wird im Olympiajahr von Touristen gemieden. Von Till Bartels

Touristengruppe mit Fremdenführerin in der Verbotenen Stadt© Mark Ralston/AFP

Große Party am 1. Mai im Terminal des Flughafens Düsseldorf International. Air Berlin feiert die Jungfernflüge nach Peking und Shanghai und lässt knallbunte Chinadrachen durch die Abflughalle hopsen. Doch mittlerweile ist die Party-Stimmung verflogen. Zu häufig düsen die Flugzeuge mit schwacher Auslastung nach Osten. Auf manchen Nachtflügen kann es sich ein Fluggast auf einer leeren Vierer-Sitzbank bequem machen.

Nur vier Wochen nach dem Premierenflug kündigte Air Berlin eine Reduzierung der Shanghai-Flüge an. Während noch Anzeigen in den Medien für die neuen Strecken werben, macht Deutschlands zweitgrößte Fluglinie einen Rückzieher: Bis Ende Oktober werden alle China-Flüge eingestellt.

Die radikale Flugstreichung begründet Air Berlin-Chef Joachim Hunold erstens mit gestiegenen Treibstoffkosten und zweitens mit den von China im Vorfeld der Olympischen Spiele verschärften Visa-Bestimmungen, die nicht gerade die Reiselust fördern. Auch chinesische Fluglinien verzeichnen eine geringere Nachfrage. Im Mai beförderte Air China elf Prozent weniger Passagiere.

Die deutsche Lufthansa ist schon seit den frühen 80er Jahren im China-Geschäft aktiv und bestätigt den gegenwärtigen Negativtrend: "Die zeitlich befristete Veränderung der Visabestimmungen wirkt im Moment nachfragedämpfend", sagte Pressesprecherin Amélie Lorenz stern.de. "Wir sind aufgrund unserer Ausrichtung auf den Geschäftsreiseverkehr von dem aktuell beobachtbaren Rückgang der touristischen Nachfrage nicht so betroffen wie andere Fluggesellschaften." Im Gegensatz zu Air Berlin sieht Lufthansa, die inzwischen sechs Städte in China nonstop anfliegt, keine Notwendigkeit, das Angebot von 58 wöchentlichen Verbindungen nach China zu reduzieren.

Restriktive Visavergabe

Das Fremdenverkehrsamt der Volksrepublik China in Frankfurt meldet für die ersten fünf Monate jedoch ein leichtes Plus: Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Übernachtsgäste aus Übersee in China um 5,1 Prozent an. Aus Deutschland reisten in den ersten fünf Monaten 230.500 Besucher an, das entspricht einem Plus von 1,9 Prozent. Die schwachen Monate April und Mai werden durch das starke Wachstum im ersten Quartal kompensiert, so die Interpretation von Fachleuten. Außerdem erweisen sich Geschäftsreisen mit jährlichen Steigerungen von 20 Prozent als Wachstumsmarkt.

Theoretisch haben sich für Touristen die Visavorschriften nicht geändert, nur werden jetzt die Bestimmungen aus Peking strenger befolgt. Botschaftsangestellte verlangen neben dem ausgestellten Flugticket eine Bestätigung der Hotelbuchung aus China. Bei Geschäftsleuten ist eine Einladung von dem jeweils zuständigen Ministerium oder der Provinzregierung erforderlich.

"Die Ungewissheit macht den Leuten zu schaffen", sagt Liu Guosheng, Geschäftsführer von China Tours. Für den Hamburger Veranstalter war der Einbruch nicht vorhersehbar. Das Jahr 2008 sei ein Ausnahmejahr. "Die Olympiade ist gut für die Werbung, nicht aber für Buchungen", so Liu Guosheng im Gespräch mit stern.de. Der in diesem Jahr erhoffte Aufschwung von Reisen ins Reich der Mitte bleibt für die deutsche Reisebranche aus.

Sportereignis vergrault Kulturtouristen

Noch härter trifft es Studienreiseveranstalter wie Studiosus und Gebeco. Die Nachfrage habe sich fast halbiert, so Ury Steinweg, Gründer und Geschäftsführer von Gebeco. "Insbesondere die hohen Preise im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen halten kulturinteressierte Kunden momentan davon ab, Chinareisen zu buchen." Der Kieler Spezialist mit Schwerpunkt auf Erlebnisreisen verspürt einen starken Rückgang von Gruppenreisen nach China. Bei Individualreisen fällt der Negativtrend mit Ausnahme der olympischen Monate August und September weniger ins Gewicht. Die Spiele sorgen nicht für einen erhofften Boom, sondern wirken wie ein Bremsklotz.

Als neuralgischer Punkt erweisen sich bei der Großveranstaltung die maßlos überzogenen Zimmerpreise, was schon in Athen und Sydney der Fall war. Eine Verdreifachung der Übernachtungskosten, wie Pekinger Hotels sie fordern, vergraulen die Gäste. Da würden auch keine kurzfristigen Rabatte helfen, so die Veranstalter.

Das kommende Jahr schätzen deutsche Reisebüros optimistischer ein. Die Kenntnis über China sei noch gering, der Nachholbedarf riesig. Denn für viele scheint das Land bislang nur aus zwei Attraktionen zu bestehen: der Chinesischen Mauer und der Terrakotta-Armee.

Der momentane Buchungsrückgang aus Europa bereitet keinem Tourismus-Verantwortlichen in Peking Sorgen. Gerade während der Olympischen Spiele lässt sich in Peking jedes Hotelbett mit überhöhten Zimmerpreisen füllen. "In China gibt es 1,3 Milliarden potentielle Touristen", so Liu Guosheng von China Tours. "Die können die Lücken gut füllen."

Weitere Infos

Fremdenverkehrsamt der VR China: www.china-tourism.de
Visaabteilung der chinesischen Botschaft: www.china-botschaft.de
Von Till Bartels
 
 
KOMMENTARE (10 von 20)
 
LaoLu (08.07.2008, 00:20 Uhr)
na denn,
wie immer, wenn's konkret wird, ist keiner mehr zuhause...
LaoLu (06.07.2008, 23:50 Uhr)
Hallo, mister,
sind Sie noch da?
Ich hatte Ihnen eine einfache Frage gestellt, aber eine gewisse Maria redet immer dazwischen...
Maria1000 (06.07.2008, 21:02 Uhr)
@LaoLu: Wollen Sie mit Ihrer letzten Frage uns nun VERÄPPELN!?
Einfach im Lexikon nachlesen, wenn Ihre PR-Firma das Wort nicht kennt...
Maria1000 (06.07.2008, 21:00 Uhr)
@saxxon:
lmao....Der war gut! *g*
Ich konnte es anfangs, vor einigen Wochen/Monaten im STERN kaum glauben, bin aber inzwischen echt überzeugt, dass hier China(welche der Behörden dort auch immer!) HIER in westlichen MEdien Meinungsmache und PROPAGANDA betreibt! Der STERN fiel mir da am meisten auf....
*g*
ZITAT: "...zaxxon (5.7.2008, 13:09 Uhr)
@LaoLu
und ihre propaganda glaubt niemand.
sind sie chinesischer staatsangestellter oder freiberuflicher leugner?!.."
Maria1000 (06.07.2008, 20:58 Uhr)
@Nana-Regierungsschreiber: Wie bitte? Der STERN
veröffentlicht meiner Meinung nach, seit Monaten euphemistische Darstellungen der DIKTATUR und sonstigen sozialen und umwelttechnischen und menschenrechtsmässigen skandalösen Zustände in China!
ZITAT: "...Nana_Xiaojie (5.7.2008, 11:52 Uhr)
Na dann...
hat sich die harte Arbeit von Stern, Focus und all den anderen Anti-China-Hetzern ja gelohnt. Glueckwunsch!
Maria1000 (06.07.2008, 20:56 Uhr)
@aeniston: Dies sind exakt auch meine Gründe, warum ich China BPYKOTTIERE als Tourist!
ZITAT: "..arniston (5.7.2008, 11:05 Uhr)
da fehlt noch was
Ausbeutung von Mensch und Natur.
Unterdrückung anders denkender.
Brutale Ausbeutung von Minderheit .
Versklavung von Wanderarbeitern.
Enteignung des Volkes für Großprojekte mit totaler Umweltvernichtung.
Verfolgung, observieren, Terror gegen das eigene Volk.
Diktatur pur, mit freundlicher Unterstützung der westlichen Regierungen und Verbrauchern .
Fast schon eine Olympische Disziplinen.
Maria1000 (06.07.2008, 20:55 Uhr)
Ich kenne einige Leute,
mich eingeschlossen, die wegen der Politik und der Lage in China dort aus Prinzip derzeit nicht hinreisen, obwohl sie das Land selber interessieren würde.
Als da wären als Grund: Tibet, Behandlung Andersdenkender, Tierquälereien auf Märkten und anderswo, Ausbeutung und Misshandlung von Arbeitnehmern, keinerlei Sinn für Umweltschutz oder Naturschutz, Verfolgung politisch andersdenkender Chinesen, usw.
Im Artikel wird dieser Grund mit keinem Wort erwähnt! Der STERN mal wieder, wie schon öfters die letzten Monate, mit Heiapopeia-Alles-ist-toll-in-China-Journmalismus!
LaoLu (06.07.2008, 14:05 Uhr)
Tja, mister,
wenn Sie China denn wirklich "von innen" kennen, leidet einer von uns beiden unter Wahrnehmungsstörungen.
.
Vielleicht könnten Sie ein wenig zur Aufklärung beitragen, indem Sie mal kurz darlegen, worauf sich Ihre Einordnung der chinesischen Regierung als "Mördertruppe" gründet?
mister-mister (06.07.2008, 08:52 Uhr)
@Nana_Xiaojie
Nein - nicht ganz. Erst wenn die Flieger komplett leerbleiben.
.
Das wird noch etwas dauern - aber der Anfang ist vielversprechend.
Trampler (06.07.2008, 07:26 Uhr)
Naja, ein paar Aussagen sind nun nicht richtig.
Also Lufthansa fliegt bis jetzt 3 mal nach Shanghai am Tag, mit dem Winterfluplan wird es dann 2 mal sein, somit reduziert die Lufthansa ihre Fluege nach Shanghai um 33%!
Die Visbestimmungen haben sich schon geaendert:
1. Eine Einladung bzw. die Buchungsbestaetigung war vorher NICHT erforderlich, jetzt schon.
2. Geschaeftsvisa werden nur noch fuer einen Monat vergeben, vorher waren es bis zu 6. Es gibt nun schlagartig weit weniger Praktikanten in Shanghai und ebenso Trainees und andere kuerzere Geschaeftsaufenthalte.
Die Visbestimmungen haben also nicht nur Auswirkungen auf die Touristen. Man kann uebrigens auch einfach ein Hotel buchen, Visum beantragen, Visum abholen und dann Hotel kostenfrei stornieren ;)
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