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1. August 2008, 07:43 Uhr

Peking lockert Internetzensur

Nach heftiger weltweiter Kritik hat die chinesische Regierung die Internetzensur für Journalisten während der Olympischen Spiele zumindest teilweise aufgehoben. Außerhalb des Medienzentrums bleiben bestimmte Webseiten allerdings weiter gesperrt. Auch Staatspräsident Hu Jintao äußerste sich zu dem brisanten Thema.

Bei einer Pressekonferenz vor ausländischen Journalisten forderte Chinas Staatspräsident Hu Jintao das Ausland auf, die Spiele nicht zu "politisieren"© Mark Ralston/AFP

Trotz internationaler Proteste und eines Krisengipfels mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) hat China die Internet-Zensur im olympischen Pressezentrum in Peking nicht aufgehoben. Zwar waren zwischenzeitlich mehr Informationen als bisher zugänglich, doch viele Web-Seiten blieben gesperrt. Außerhalb des Medienzentrums waren viele Internetseiten weiterhin blockiert.

Ein Sprecher des Organisationskomitees BOCOG sagte, China "garantiere" den Zugang zum Internet. "Die Berichterstattung chinesischer und ausländischer Reporter über das Internet ist ungehindert." Die Zusage entpuppte sich als falsch. Das IOC bleibt damit in Erklärungsnot, weil es den Zugang zu allen Webseiten garantiert hatte. Am Wochenende wird sich die IOC-Exekutive mit dem Thema befassen.

Plötzlich zugänglich im Pressezentrum waren unter anderem die chinesischen Webseiten der britischen BBC und der Deutschen Welle. Das IOC reagierte darauf positiv: "Wir sehen das als gute Nachricht und einen positiven Schritt vorwärts", sagte Emmanuelle Moreau, beim IOC zuständig für Öffentlichkeitsarbeit. Bei einem Krisengespräch mit chinesischen Offiziellen am Vorabend hatten IOC-Olympiadirektor Gilbert Felli und Hein Verbruggen, Chef der IOC-Koordinierungskommission, die Internet-Zensur angesprochen.

Wikipedia und Google wieder blockiert

Nach wie vor gesperrt waren dagegen die Webseiten der Tibet-Aktivisten Freetibet.org, der uigurischen Unabhängigkeitsbewegung und der Menschenrechtsorganisation Human Rights in China. Nur teilweise zugänglich war das Angebot von Amnesty International. Internetnutzer konnten zwar die Hauptseite aufrufen, nicht aber die dort laufende Debatte über Menschenrechte in China. Die chinesische Ausgabe des Internet-Lexikons Wikipedia war zwar am Vormittag (Ortszeit) zugänglich, am Nachmittag aber bereits wieder blockiert. Und bei der Suchmaschine Google war am Vormittag die Suche nach der Kultbewegung Falun Gong noch möglich, am Nachmittag jedoch nicht mehr.

"Die chinesische Regierung reguliert das Internet gemäß seiner Gesetze und Vorschriften", sagte der BOCOG-Sprecher weiter. Im Sprachgebrauch der Pekinger Behörden bedeutet dies, dass "illegale" Webseiten gesperrt werden. Tibetische und uigurische Aktivisten betreiben nach offizieller Sicht die Spaltung Chinas - was nach chinesischem Recht verboten ist.

Vorwürfe an das IOC

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke, kritisierte in der "Berliner Zeitung" die Zensur. "Das ist ein klarer Bruch der Absprachen und ein unhaltbarer Zustand." Grünen-Chefin Claudia Roth forderte eine Erklärung des IOC. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warf dem IOC vor, den chinesischen Behörden durch eine nachgiebige Haltung sogar bei der Internet-Zensur behilflich zu sein. Die Vereinigung der Auslandskorrespondenten in Peking begrüßte die Freigabe einiger Webseiten, zeigte sich aber besorgt über die fortbestehenden Einschränkungen.

Der Verband deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) forderte das IOC und den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) zum Handeln auf. "Das ist ein eklatanter Verstoß gegen die Pressefreiheit und den olympischen Geist", kritisierte VDZ-Geschäftsführer Wolfgang Fürstner. IOC-Präsident Jacques Rogge hatte vor zwei Wochen zugesichert, dass die internationale Presse freien Zugang zum Netz haben werde. In den vergangenen Tagen gab es dazu widersprüchliche Angaben von IOC-Funktionären.

Hu Jintao: Spiele nicht "politisieren"

Chinas Präsident Hu Jintao versuchte unterdessen eine Woche vor dem Beginn der Spiele, Kritik an der Politik seines Landes den Wind aus den Segeln zu nehmen. In einer - äußerst seltenen - Pressekonferenz vor ausländischen Journalisten forderte Hu das Ausland auf, die Spiele nicht zu "politisieren". Er versicherte, dass China für niemanden eine Bedrohung sei und während der kommenden Sportveranstaltungen zeigen werde, "dass das chinesische Volk ein friedliebendes Volk ist".

"Es ist unvermeidbar, dass die Völker verschiedener Länder und Regionen der Erde unterschiedliche Auffassungen zu verschiedenen Themen haben", sagte Hu im offensichtlichen Bemühen, um Verständnis zu werben. "Ich glaube nicht, dass das Politisieren der Olympischen Spiele eine hilfreiche Reaktion darauf ist." Der Staatschef ging auch auf die Empörung ein, die der eingeschränkte Internetzugang in der Weltpresse ausgelöst hatte. "Wir werden auch weiter Strukturen und Mittel bereitstellen, damit die ausländischen Journalisten arbeiten können", sagte Hu. "Dabei hoffen wir selbstverständlich, dass die ausländische Presse die chinesischen Gesetze und Vorschriften befolgt", sagte Hu, der sich "objektive Informationen wünschte".

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
kuki83 (01.08.2008, 13:39 Uhr)
und was wirklich schlimm ist...
...nach den olympischen Spielen wird schon bald der ganze Rummel verflogen sein und nur die Wenigsten werden dann wieder von Menschrechten etc in China reden. Ach noch ein Wort zum Herrn Rogge: Feuern sollte man ihn ohne einen Cent Abfindung! Den die würde er bekommen und wie üppig die ausfallen würde kann man sich ja auch denken...
mister-mister (01.08.2008, 13:33 Uhr)
Übliches Medien-Theater einer Diktatur
Wer einem Land wie China Olympische Spiele zuschanzt und dann erwartet, dass ein Regime, welches zur Durchsetzung seiner Interessen buchstäblich über Leichen geht, Zensur- und Pressefreiheit sicherstellt, muss von einem anderen Planeten kommen.
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NATÜRLICH hat das IOC nichts davon geahnt und NATÜRLICH sind keine wirtschaftlichen Interessen im Spiel.
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Und Zitronenfalter falten Zitronen. Man muss es dem Medienpublikum nur versuchen glaubhaft zu machen.
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Herr Rogge - ein Manager in der freien Wirtschaft, der einen derart dilettantischen Vertrag abschließt und dann als Partner (auf Augenhöhe???) nicht die Einhaltung der getroffenen Vereinbarungen durchsetzt, gehört wegen Inkompetenz fristlos gefeuert.
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Aber da Geld nicht stinkt, möchte man es sich mit dem großen Globalisierungs-Partner natürlich nicht verscherzen und eiert rum.
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Einer der Vorredner hat geschrieben, dass die Spiele noch nie seit 1936 derartig pervertiert wurden.
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Er hat recht. Nur dass dieses Mal nicht das braune Kakerlakenpack, sondern das chinesische Regime die Olympische Idee vergewaltigen darf. Mit Milliarden-Ressourcen. Mehr Gesichtsverlust als bisher geht kaum noch.
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"Zu Gast bei Mördern" wäre ein passendes Motto für diese Veranstaltung.
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Und die Welt schaut zu. Und die einheimischen und ausländischen Konzernlenker sorgen sich höchstens um die billigen Produktionskakazitäten, das heilige Kalb Shareholder-Value und um ihren eigenen ach so wichtigen Chefsessel zuhause.
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Na dann viel Spaß bei friedlichen und heiteren Spielen...................
Frank_aus_Genf (01.08.2008, 12:13 Uhr)
@kuki83
Eben! All das konnte man sich schon vorher ausmalen und ich verstehe nicht, warum Peking bzw. China die Spiele überhaupt bekommen hat. "The Olympic spirit" ist wohl schon lange Legende. Ich selbst hatte jedenfalls trotz permanenter, neuer Superlative noch nie so wenig Lust mich mit Olympia zu beschäftigen wie bei diesem Mal....
kuki83 (01.08.2008, 11:58 Uhr)
Das wusste man doch schon alles vorher...
Es ist unglaublich, wie in letzter Zeit sich die Leute die Augen reiben und vollkommen überrascht sind über die "Sitten" in China. Als Olympia nach Peking vergeben wurde herrschte da auch schon Zensur und das Menschenrecht wurde im wahrsten Sinne des Wortes mit Füssen getreten. Herrschte zu dieser Zeit keine Zensur in China? Ziemlich heuchlerisch wie empört sich jetzt viele Funktionäre, Sportler und Fans zeigen. Die Gier des IOC nach milliardenschweren Umsätzen in einem Milliardenland war der einzige Grund für diese Vergabe. Alles andere ist unglaubwürdig! Wo waren all die Leute damals, die jetzt einen Boykott fordern? All diese Unruhe bringt jetzt auch nicht mehr viel. Lasst uns die Spiele genießen, es werden gute Spiele werden mit einigen gedopten Sportlern, manchen Überraschungen und klaren Siegern!
dist-bln (01.08.2008, 11:53 Uhr)
STASI SPIELE- DIE SCHÖNSTEN SEIT 1936
nach der Blamage des IOC, das sich kaum mehr um die olympischen Werte interessiert... nach dem Verhalten Chinas- Tibet, Dissidenten... Internetanschlüsse etc. wird sich vermutlich das Interesse an diesen Stasi Spielen in Grenzen halten...
DerDa (01.08.2008, 11:26 Uhr)
An Hu
Was Du disch eigentlich erlauben, bist du Flasche halb voll oder halbleer?
Es lebe der Größenwahn,
CeeTo (01.08.2008, 11:16 Uhr)
-.-
Finden die meisten Veranstaltungen bei uns nicht eh in der Nacht statt? Das würde einen boykott für viele erleichtern.
Driftshogun (01.08.2008, 10:49 Uhr)
Die Olypmpischen Spiele
sind doch schon längst nurnoch eine Werbeveranstaltung... auf Menschenrechte geben die Funktionäre des IOC keinen Deut. Erst recht nicht, wenn das Geld stimmt. Geldgeiles Pack. Ich werde nen Dreck tun und die Sportler die diese Farce noch unterstützen anschauen. Aber zum Boykott hat in der deutschen Olympiamannschaft ja keiner die Eier. Wo wir wieder beim Thema Geld wären - zum Kotzen. Achja, ich hasse China, nichtnur aufgrund der fragwürdigen "Menschenrechte".
JimPanse (01.08.2008, 10:35 Uhr)
Boykott!
Als ehemaliger Fan der olymp. Spiele kann man die Spiele nur boykottieren. Politisiert ist die ganze Veranstaltung schon, und zwar von der chinesischen Seite. Rogge und die ganze C-Mannschaft abschaffen!
hannes_schinder (01.08.2008, 10:30 Uhr)
Interessant
sind diese komischen Olympischen Spiele hahaha.
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