Unmut in Peking


Die Schattenseite von Olympia

  • 05.08.2008, 16:08 Uhr

 © Ng Han Guan/AP
Um den Olympia-Gästen ein sauberes Stadtbild zu präsentieren, wurden um ärmere Wohnviertel zum Teil extra Mauern errichtet. Ganz zart regen sich jetzt erste Proteste der Anwohner gegen diese Praxis

Das Weltereignis Olympia hat Peking fest im Griff. Zu fest, wie manche Chinesen finden. Ganz vorsichtig regen sich inzwischen erste Proteste vor allem bei den ärmeren Einwohnern in der umliegenden Provinz. Sie müssen ihr ganzes Leben nach dem Sport-Event ausrichten - und sogar eine "Verpflichtung zu anständigem Verhalten" abgeben.

Die Olympischen Spiele sind der Stolz Chinas, aber bei der einfachen Bevölkerung macht sich Unmut über das gigantische Sportereignis breit. Normale Bürger hätten keine Chance, die Wettbewerbe zu sehen, aber jeder müsse sein Leben und seine Arbeit danach ausrichten, beklagt beispielsweise der 24-jährige Zhang Heng.
 
Wie viele andere Kritiker der Spiele in Peking hält sich Zhang mit seinem Protest zurück, denn die Behörden reagieren prompt. Er habe eine "Verpflichtung zu anständigem Verhalten" unterzeichnen und an seinem Arbeitsplatz nachweisen müssen, dass er noch nie Ärger mit der Polizei gehabt habe, schreibt Zhang in seinem Blog. Die Bäckerei in Shijiazhuang, bei der er sein Frühstück besorgt, muss laut einer amtlichen Vorgabe während der Sommerspiele ab 08.30 Uhr morgens schließen, weil sie als nicht ansehnlich genug beurteilt wurde.

"Seid vorsichtig"
Dabei finden in der Stadt keinerlei sportliche Wettbewerbe statt, auch Urlauber werden dort während der Spiele nicht erwartet. Doch Shijiazhuang liegt in der Provinz Hebei, die die Hauptstadt Peking umgibt - Grund genug für die Behörden, strikte Vorgaben zu machen

Zhang kann seinem Ärger vermutlich deshalb ungestraft Luft machen, weil er sich einigermaßen zurückhaltend ausdrückt. Ein Blogger-Kollege, der sich direkter zu den Olympischen Spielen äußerte, hatte weniger Glück: Sein Blog mit dem Titel "Die Olympischen Spiele in Peking: Ich unterstütze sie nicht" wurde im vergangenen Jahr nach nur sechs Tagen geschlossen. "Ich glaube nicht, das ich etwas Falsches getan habe", schrieb der Autor Guan Jun in einem anderen Blog. "Das ist eine Warnung an meine Freunde, die versuchen, sich den Olympischen Spielen in Peking zu widersetzen: Seid vorsichtig."
 
Schon im Jahr 2004 griffen die Behörden hart durch, als sich Protest regte. Ye Gouzhu besaß in Peking ein Haus und ein Restaurant, beides wurde abgerissen, um den Bau eines Gebäudes für die Olympischen Spiele zu ermöglichen. Als Ye versuchte, deswegen einen Protest auf die Beine zu stellen, wurde er zu vier Jahren Haft verurteilt. Ende Juli wurde er nach Angaben von Menschenrechtlern weiter inhaftiert, offenbar um ihn an Demonstrationen während der Spiele zu hindern.

Steigende Lebenshaltungskosten im Zuge von Olympia
In China seien Protest und Demonstrationen schlicht unmöglich, sagt Keen Kang. "Wenn es Freiheit gäbe, würden die Menschen ganz sicher protestieren". Der 34-Jährige beklagt vor allem die steigenden Lebenshaltungskosten im Zuge der Olympischen Spiele und will aus Angst vor Repressionen seinen richtigen Namen nicht nennen. Diese Sorge hat Zhang Shumao nicht. Er habe kaum genug Geld für Lebensmittel, da sei die Angst vor den Behörden zweitrangig, antwortet der 48-Jährige auf die Frage, ob er seinen Namen lieber nicht in den Medien sehen will.

Er äußert Kritik an korrupten Behördenvertretern und prangert Verschwendung beim Bau der Olympischen Stätten an. Seit Zhang vor acht Jahren von seinem Arbeitgeber, einem Autoteile-Hersteller, entlassen wurde, kämpfen auch er und seine Frau mit den immer höheren Lebenshaltungskosten. Geld verdient Zhang inzwischen mit der Reparatur von Fahrrädern.

Einer der wenigen, die öffentlich Kritik üben, ist Ai Weiwei. Der Künstler war einer der Berater beim Bau des "Vogelnests", des neuen Stadions für die Olympischen Spiele. Vom Design des Gebäudes distanzierte er sich später, weil es seiner Meinung nach lediglich die sozialen und politischen Probleme des Landes überspielen solle. Ai gehört zu einer kleinen Elite, die sich frei äußern kann - denn ihn schützt, dass er international bekannt und der Sohn eines beliebten chinesischen Schriftstellers ist.
 
Anita Chang/AP



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Leser-Kommentare (1) zu diesem Artikel
Au weia, (5.8.2008, 23:58 Uhr)
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