Olympia


China weist Tibet-Aktivisten aus

  • 06.08.2008, 08:28 Uhr

 © Kerim Okten/DPA
Kurz vor Beginn der Spiele reagiert die chinesische Staatsführung immer strenger auf geplante Protest-Kundgebungen

Zum Start der Wettkämpfe bekommen Sportler die Repressalien Chinas zu spüren. Vier Tibet-Demonstranten, die mit einer spektakulären Aktion Aufsehen erregt hatten, müssen das Land verlassen. Olympiasiegerin Amanda Beard durfte nicht nackt protestieren, Olympiasieger Joey Cheek gar nicht erst einreisen.

Kurz vor der offiziellen Eröffnung der Olympischen Spiele an diesem Freitag duldet die chinesische Führung keinerlei Proteste mehr. So bekommt der amerikanische Eisschnelllauf-Olympiasieger Joey Cheek kein Visum für die Reise zu den Sommerspielen nach Peking. Die chinesische Botschaft in Washington verweigerte Cheek die Papiere. Cheek wollte in China als Präsident und Mitbegründer des "Teams Darfur" dazu beitragen, dass internationale Organisationen ihre Friedensbemühungen um die sudanesische Krisenprovinz Darfur verstärken.

Die USA kündigten an, gegen die Maßnahme formalen Protest einzulegen. "Wir nehmen die Sache sehr ernst", sagte die Sprecherin von US-Präsident George W. Bush, Dana Perino. "Wir hoffen, dass sie (die Chinesen) ihre Meinung ändern." Auch das Olympia-Komitee der USA will sich dafür einsetzen, dass der Widerruf aufgehoben wird.

Nackter Protest untersagt
Von den chinesischen Behörden verboten wurde auch der Protest von Schwimm-Olympiasiegerin Amanda Beard. Sie wollte in Peking nackt gegen die Herstellung und das Tragen von Pelzen protestieren. Die Aktion der Tierschutzorganisation Peta hätte eigentlich vor wenigen Stunden vor der Schwimmhalle in der Olympia-Stadt stattfinden sollen, doch die Behörden untersagten das Unterfangen aus "Gründen der öffentlichen Sicherheit". China gilt als einer der größten Pelzexporteure der Welt.

Beard durfte lediglich vor dem olympischen Dorf ein Plakat hochhalten, auf dem sie nackt zu sehen ist. Darüber steht der Slogan: "Fühl dich wohl in deiner Haut. Trage keinen Pelz!"
 
Darüber hinaus schiebt China vier ausländische Aktivisten ab, die am Mittwochvormittag gegen die chinesische Besatzung Tibets protestiert hatten. Die ersten zwei sollen noch in der Nacht das Land verlassen, die beiden anderen am Donnerstag, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Die Demonstranten aus Großbritannien und den USA hatten kurz vor dem Start der ersten Olympischen Wettkämpfe in Peking mit einer spektakulären Aktion für Aufsehen gesorgt. Die vier Protestler kletterten am Olympia-Park in Peking unweit des Nationalstadions auf zwei 40 Meter hohe Strommasten und entrollten große Transparente mit der Forderung nach Freiheit für Tibet.

"Eine Welt, ein Traum, befreit Tibet" stand in Abwandlung des Mottos der Spiele auf einem langen weißen Banner geschrieben, das die Kletterer anbrachten. Ein anderes verkündete: "Tibet wird frei sein." Die Aktion wurde schließlich von der Polizei beendet, die Feuerwehrautos mit langen Leitern herbeigerufen hatte, um die Transparente wieder abzumontieren. Nach Angaben der Gruppe Students for a Free Tibet brauchten die Einsatzkräfte hierfür eine Stunde, nach Angaben der chinesischen Staatsagentur Xinhua lediglich zwölf Minuten.

"Tibet wird frei sein"
Die Demonstranten hatten vor der Aktion den US-Fernsehsender ABC verständigt. Einer der Aktivisten, der sich als Ian aus Edinburgh identifizierte, rief die Reporter mit seinem Handy vom Strommasten aus an. Er hoffe, die Aktion sei geeignet, "um einen echten Unterschied zu machen".

Obwohl die Spiele in den Stadien - darunter das torlos endende Match der deutschen Fußballdamen gegen die starke brasilianische Olympia-Auswahl - wie geplant beginnen konnten, kritisierte das Organisationskomitee in Peking die Protest-Aktion scharf. "Wir hoffen, dass Ausländer die chinesischen Gesetze und Bestimmungen respektieren", sagte Sprecher Sun Weide.

Eine Sprecherin des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) erklärte unterdessen, die Organisatoren müssten damit rechnen, dass Menschen die Plattform der Olympischen Spiele dazu nutzten, um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen. Das IOC sei zuversichtlich, dass Peking darauf vernünftig und mit Verständnis reagiere.

Nach Auffassung der Pekinger Regierung ist Tibet seit Jahrhunderten ein Teil Chinas. Viele Tibeter dagegen argumentieren, dass das Gebiet vor 1950 eine unabhängige Nation gewesen sei. Der Protest gegen die chinesische Herrschaft in der Bergregion schlug im März in Gewalt um. Seitdem gehen die Behörden massiv gegen Demonstranten vor.

Fackellauf unter strengen Sicherheitsvorkehrungen
Der Olympische Fackellauf trat unterdessen seine letzte Etappe vor dem offiziellen Beginn der Sommerspiele an. Das Feuer wurde im Pekinger Kaiserpalast von Astronaut Yang Liwei in Empfang genommen. Er trug die Flamme an einem riesigen Porträt von Mao Tse-tung vorbei durch das historische Tiananmen-Tor. Die Flamme soll innerhalb von drei Tagen von 841 Fackelträgern durch Peking getragen werden und am Freitag das Olympische Feuer entzünden.
 
Kurz vor Beginn der Spiele hatte US-Präsident George W. Bush erneut mehr Meinungs- und Religionsfreiheit in China angemahnt. Zugleich verteidigte er seine Teilnahme an der Eröffnungsfeier in Peking an diesem Freitag. Hierfür gebe es zwei Gründe: "Erstens, den Chinesen meinen Respekt zu erweisen und zweitens, die US-Mannschaft anzufeuern", sagte Bush. Zwar handele es sich um eine Sportveranstaltung, doch biete sie zugleich die Gelegenheit, den Chinesen zu sagen, dass die Amerikaner ihre Traditionen und ihre Geschichte respektierten. Nichtsdestotrotz sollten die Chinesen "religiöse Menschen in ihrer Gesellschaft nicht fürchten" und Menschen begrüßen, die ihre Meinung frei äußern.
 
DPA/AP/Reuters/AFP



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Leser-Kommentare (27) zu diesem Artikel
@botoxia (6.8.2008, 16:34 Uhr)
Jede Sportveranstaltung (6.8.2008, 16:32 Uhr)
"Das Gesicht verlieren" (6.8.2008, 16:26 Uhr)
No Surprise (6.8.2008, 16:25 Uhr)
provocateur... (6.8.2008, 16:21 Uhr)
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