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6. August 2008, 10:32 Uhr
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Kritik an Vespers "skandalöser Verharmlosung"

Der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes, Michael Vesper, der die Internetzensur in China mit der Sperrung rechtsextremistischer Webseiten in Deutschland verglichen hat, wird für seine Äußerung scharf kritisiert. Vesper hingegen spricht von einem Missverständnis.

DOSB-Generaldirektor Michael Vesper: "Ich wollte nur auf die Tatsache hinweisen, dass überall auf der Welt Webseiten gesperrt sind"© Axel Schmidt/DDP

Der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz hat den Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes, Michael Vesper, gerügt, der die Internetzensur in China mit der Sperrung rechtsextremistischer Webseiten in Deutschland verglichen hatte. Wiefelspütz verlangte in den Dortmunder "Ruhr Nachrichten" eine "schnelle Entschuldigung Vespers für diese fatale Äußerung". "Er hat sich grenzenlos blamiert und muss das aus der Welt schaffen", sagte er. Der SPD-Politiker warf Vesper "eine skandalöse Verharmlosung der chinesischen Zensur" vor.

Entsetzt zeigte sich auch der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Union, Wolfgang Bosbach: "Ich verstehe diese Bagatellisierung nicht", erklärte er. Bosbach warf den Funktionären von IOC und DOSB vor, sich zu zurückhaltend für Menschenrechte und Pressefreiheit einzusetzen. Der menschenrechtspolitische Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, Volker Beck, sagte im "Mannheimer Morgen": "In Deutschland muss der Provider strafrechtlich relevante Seiten aus dem Netz nehmen." Dies habe nichts mit Zensur zu tun. Er rief die Sportler auf, während der Spiele ihr "demokratisches Bewusstsein" zu beweisen. "Ich bin mir sicher, dass viele ihren Verstand und die Zivilcourage nicht auf dem Siegertreppchen ablegen werden. Wer Gold holt, sollte seinen Ruhm zum Einsatz für die Menschenrechte nutzen", wird er zitiert.

Vesper wies die Vorwürfe gegen ihn im "Tagesspiegel online" zurück. "Ich habe mich immer gegen die Zensur in China gewandt. Mir etwas anderes zu unterstellen, ist unfair, falsch und absurd", sagte er den Angaben zufolge. Er sprach von einem Missverständnis. "Ich wollte nur auf die Tatsache hinweisen, dass überall auf der Welt Webseiten gesperrt sind. Aber damit wollte ich nicht die politische Zensur in China rechtfertigen", erklärte er.

AP
KOMMENTARE (10 von 16)
 
dementius (07.08.2008, 18:56 Uhr)
Blackout?
Was ist mit Herrn Vesper los? Dieser Vergleich entbehrt jeder Vernunft. Wer gegen Unterdrückung und Zensurmaßnahmen ist - und das will ich ihm gerne glauben - der kann doch nicht die Kritik an der chinesischen Staatsführung mit dem bei uns zu Recht bestehenden Verbot rechtsextremer Hetze gleichsetzen! Sein Rechtfertigungsversuch ("Missverständnis") macht alles nur noch schlimmer. Er sollte sich nicht dümmer anstellen, als er ist und sich für diese Entgleisung entschuldigen.
STR_EDDS (06.08.2008, 16:47 Uhr)
Scheingefecht
@Pamela
Wenn Ihren Kommentar richtig verstehe, verlangen Sie ausdrücklich nach einer Zensur auch in Deutschland? Ich vermisse auf Ihrer Wunschliste ausser den (zu recht) verabscheuungswürdigen rechten Inhalten, die radikalen Linken. Auch ANTIFA-Seiten rufen zu Mord und Totschlag auf. Auch diese sind problemlos erreichbar.
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Ich denke eine Demokratie sollte von Zensur generell die Finger lassen. Das Verbotenes nicht über die Maßen interessant. Zensieren kann jeder Leser im Kopf. Auf Basis seines eigenen Verstandes. Ist dieser schwach, wanderd der Leser meinungsgebildet nach ganz links oder ganz rechts ab. Das wird sich nicht verhindern lassen.
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Zu Zensur an sich: man stelle sich vor, die Amerikaner (jeder möge hier ein imperialistisches Feindbild seiner Wahl einfügen) würden uns durch die weltweiten Median zerren, wegen unserer Einstellung zur Meinungsfreiheit. Unser Einbürgerungsrecht stösst bei US-Amerikanern od. Kanadiern auf höchstes Unverständnis. In den Augen mancher sind auch wir nicht optimal demokratisch. Aber wir handeln trotzdem nicht wider geltende Gesetze. Unseren Gesetzen. Und 1,4 Mrd. Chinesen will man plötzlich diktieren, was Recht und Ordnung ist? Wir wollen das? Ich halte die Kritik für substanzlos und verlogen. Mit keinem Wort will ich politische Verfolgung, etc. gutheissen. Aber im Gegensatz zu Irak od. Afghanistan sollten wir lerenen, dass andere Völker ihre Probleme selbst lösen müssen. Wäre das nicht konsequent?
BBirke (06.08.2008, 12:20 Uhr)
Zensur in Deutschland
@Pamela_1971:
Doch, es gibt Sperrverfügungen der Bezirksregierung Düsseldorf für NRW, ursprünglich gegen Naziseiten und Gewaltdarstellungen, technisch dadurch, dass die Seitennamen (wie "www.brauneszeugs.com") nicht mehr auf die betreffenden Seiten verwiesen und die nicht angezeigt wurden. Das lässt sich zwar umgehen, trifft auch nur die Internetprovider, die in NRW ihren Sitz haben, die meisten Gelegenheitssurfer dürfte es aber trotzdem fernhalten.
Außerdem werden gerade im Bereich Rechtsextremismus nicht nur originär kriminelle Inhalte verfolgt (also solche, die auf eine Schädigung anderer Menschen abzielen, z.B. Gewaltaufrufe, Beleidigungen wie rassistische Beschimpfungen, Forderungen NS-Verbrechen zu wiederholen), sondern eben auch immer mehr Handlungen, die zum Schutz von Staatsideologie und einem gesellschaftlichen Normenkonsens unter Strafe stehen. Wie die Verwendung von Symbolen oder die Behauptung, dass bestimmte NS-Verbrechen gar nicht statt gefunden hätten, ohne dass dabei eine Billigung oder ein Aufruf zur Wiederholung erfolgt. Eine Indizierung durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien kann u.U. schon nur aufgrund einfacher Rechtstendenzen erfolgen, ohne dass auch nur die Nähe zur Strafbarkeit besteht.
Und wer meint, dass sich das nur gegen die Nazis richtet, der soll auch mal daran denken, dass neulich z.B. ein religionskritisches Kinderbuch (als "Ferkelbuch" bekannt) zur Indizierung anstand, weil neben christlichen und muslimischen Geistlichen auch ein jüdischer Rabbi als religiöser Fanatiker dargestellt wurde und das als "Antisemitismus" gewertet wurde. Das Buch wurde zwar nicht indiziert, aber es gab bei der Entscheidung mehrere Stimmen dafür.
Pamela_1971 (06.08.2008, 12:01 Uhr)
Unsinn......
... wo werden denn in Deutschland Homepages "gesperrt"? Zu welcher Nazi-Homepage wurde je der Online-Zugang aus Deutschland blockiert? So etwas gibt es in Deutschland überhaupt nicht. Allenfalls mal ein Strafverfahren - das richtet sich dann aber nicht gegen eine "Meinung" (wie es hier völlig verharmlosend dargestellt wird), sondern gegen übelst kriminelle Inhalte, wo zu Rassenhass, Mord und Totschlag aufgerufen, oder aber Krieg und (NS-)Massenmord verherrlicht wird.
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Dagegen können hunderte von NPD- und Kameradschafts-Seiten, Altermedia & Co. in Deutschland und von Deutschland aus jeden Tag 24 Stunden rund um die Uhr völlig ungehindert ihre braune Propaganda und Hetze verbreiten. Sogar die Homepages des amerikanischen Ku-Klux-Klan oder der "NSDAP/AO" sind von Deutschland aus völlig frei und un"zensiert" zugänglich... es gehört schon eine gehörige Portion Perfidie dazu, angesichts dieser Tatsachen den (völlig falschen und verleumderischen) Eindruck zu erwecken, in Deutschland sei der Zugriff auf Nazi-Seiten gesperrt.
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Das genaue Gegenteil ist der Fall - und genau DAS ist hier ja eigentlich das (kritikwürdige) Problem!
BBirke (06.08.2008, 11:54 Uhr)
Vesper billigt Zensur generell
Das Problem ist doch nicht, WAS gesperrt wird, sondern DASS der Staat sich überhaupt anmaßt, seine Bürger von unerwünschten Informationen fernzuhalten! Das entscheidende Grundrecht ist die Informationsfreiheit, dass man sich ungehindert jede Information ansehen kann, egal, ob sie mit den jeweiligen Gesetzen konform geht. Jedes Vorenthalten von Informationen ist Zensur. Insbesondere dann, wenn nicht Schutz von Individuen das Ziel ist (wie bei Kinderpornos, "Happy Slapping", Aufrufen zu Gewalttaten usw.), sondern Machtverhältnisse, Staatsideologien oder Sitten- und Normvorstellungen geschützt werden sollen. Naziseiten sind sicher qualitativ nicht mit Menschenrechtsseiten zu vergleichen, ihre Sperrung durch Machthaber, im Sinne einer Staatsideologie, aber sehr wohl!
domit (06.08.2008, 11:32 Uhr)
Ende im Gelände
Die Medien jaulen und jammern über Vertragsbrüche und Veralberung.Soll das IOC doch intern mit den Chinesen diese Funktionärsfestspiele, bei denen die Athleten nur noch als Alibifunktion zum Gelddrucken herhalten, durchziehen. Wer zwingt denn die Medien zur Berichterstattung? Da sollten die jetzt schon bekanntgewordenen Dopingfälle letztlich nur der Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt. Also: praktiziert Solidarität und Ende im Gelände.
Uwe650 (06.08.2008, 11:26 Uhr)
Unterschiede ?
Es ist sicher richtig, das hier auch Seiten verboten sind, Diese werden aber nicht, wie behauptet gesperrt, sondern der Betreiber wird aufgefordert diese zu entfernen oder so zu ändern, dass der Straftatbestand nicht mehr besteht.
Der Unterschied ist der, dass wir sehr wohl auf alle Seiten zugreifen können, auch auf rechtsradikale, die nicht in D gehostet sind. Das ist defintiv keine Zensur.

Den Chinesen wird aber durch die Sperrung gewisser kritischer Seiten die Möglichkeit genommen sich selber schlau zu machen, und somit auch sich ein eigenes Bild der Situation in anderen Ländern und über die eigene Regierung zu machen, dadurch wird eben auch verhindert oder zumindest massivs verzögert, dass eine Änderung von innen heraus passieren kann. Die gesamte Ausbildung von klein auf ist darauf ausgerichtet - die partei hat immer Recht - und das setzt sich in den Köpfen fest. Natürlich gibt es bei 1,5 Mill. Menschen auch welche, die über den Tellerrand schauen, aber das ist die absolute Minderheit und die lebt äusserst gefährlich.
Die Diktatur und Gleichschaltung in China ist mit Sicherheit nicht kulturell bedingt, sonst hätte das gleiche in der DDR gelten müssen.
Und vor diesem Hintergrund eine Aussage eines Herrn Vesper (Grüner oder Ex-Grüner) zu hören, zeigt welches Demokratieverständnis dieser
Mensch hat. Und selbst wenn andere Länder Zensur üben, und diese gegen die Menschenrechte verstösst, hat es nichts damit zu tun, das ein IOC, dem der DOSB angehört, einem Land die Spiele gegeben hat, das bekannt dafür ist, Zusagen zu brechen und freie Meinungsäusserung zu unterbinden und bestrafen. Und das IOC und dasmit der DOSB spielt fleissig mit, siehe die IOC Hauptversammlung gestern, kein TV und Radio zugelassen.
Wo leben wir eigentlich, es entsteht der Eindruck, dass eben dieses chinesische System gutgeheissen wird und als Zukunftsweisend auch für die bnestehenden Demokratien gewünscht wird, zumindest von interessierten Gruppen (Finanzwelt und Sport).
Heute morgen im Radio die Meldung, das IOC hat beschlossen, dass Sportler die bei der Eröffnungsfeier politische Aktionen oder Bekenntnisse äussern - abgestraft werden sollen.
Also steht das IOC voll hinter der Chinesischen Politik - hat es vielleicht Gehirnwäschen gegeben ?
Um es nochmal klar zu machen, es geht nicht darum China wie die USA es macht, heilsbringend die Demokratie nach unserem Vorbild aufzustülpen, nein es geht darum, den Menschen die Möglichkeit zu geben sich zu informieren und daraus eigene Meinungen zu bilden und zu agieren. Und genau davor hat die Partei Angst, denn dann sind sie schneller weg als man papp sagen kann. Deswegen auch die Überwachung von ausländischen Journalisten etc.
Motte07 (06.08.2008, 11:21 Uhr)
Missverständnis?
Mir geht es gar nicht darum, was Vesper gesagt hat, sondern wie er jetzt damit umgeht: Es ist ja alles ein "Missverständnis". Das heißt, die Schuld liegt nicht bei dem der was Blödes gesagt hat, sondern Schuld habe ich, weil ich das ja "miss"verstanden habe, d.h. ich war zu blöd einen genialen Satz zu verstehen und habe ihn mit meinem beschränkten Verstand lt. Vesper einfach nicht kapiert.
Ich hasse das wie die Pest, wenn jemand nicht in der Lage ist, sich ehrlich zu entschuldigen (oder dazu zu stehen), sondern einfach die "Schuld" auf mich als Zuhörer abwälzt. Die Beleidigungen die mir dazu einfallen, schenke ich mir jetzt mal.
testsieger2006 (06.08.2008, 11:01 Uhr)
Vesper hat Recht
Wir zensieren selbst und sperren Meinungen, die unserer Gesellschaft nicht passen AUS. Die Chinesen machen im Rahmen ihres Weltbildes genau das gleiche.
endbenutzer (06.08.2008, 10:37 Uhr)
Wer solche Vergleiche zieht...
...kann nicht mehr ganz richtig im Kopf sein. Was für ein Weltbild hat dieser Mensch?
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