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3. August 2008, 18:48 Uhr

Weltweite Empörung nimmt zu

Die Zensur des Internets durch die chinesische Regierung während der Olympischen Spiele in Peking erregt weltweit die Gemüter. Zunehmend rückt auch Jacques Rogge ins Zentrum der Kritik. Doch der IOC-Präsident weist die Vorwürfe zurück.

Zoom

IOC-Präsident Jacques Rogge gerät weltweit unter Druck© Reuters

Wenige Tage vor Eröffnung der Olympischen Spiele in Peking wächst die weltweite Empörung über die Medienzensur der chinesischen Regierung. Ins Zentrum der Kritik rückt dabei auch IOC-Präsident Jacques Rogge. Auf einer Pressekonferenz in Peking sprach der Belgier am Samstag nur noch vom "vollsten möglichen" und nicht mehr vom freien Zugang zum Internet, den China im Medienzentrum garantieren solle.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und Innenminister Wolfgang Schäuble kritisierten das chinesische Vorgehen scharf und forderten eindringlich volle Pressefreiheit. Nach Protesten gegen die Internetzensur hatte die kommunistische Staatsführung zuletzt die Einschränkungen etwas gelockert. Allerdings ergab eine AP-Recherche am Wochenende, dass viele Seiten mit missliebigen Informationen weiterhin blockiert waren, so etwa Seiten der Meditationsbewegung Falun Gong.

Das Internationale Olympische Komitee wies Vorwürfe zurück, es habe einen entsprechenden Deal mit den chinesischen Behörden gegeben: Tatsächlich habe es niemals eine Vereinbarung gegeben, Einschränkungen zu akzeptieren, sagte Rogge. Bei der Vergabe der Olympischen Spiele hatte China eine völlig freie Berichterstattung zugesagt, wie es bislang immer geheißen hatte. Zuletzt schränkte IOC-Pressechef Kevan Gosper jedoch ein, diese Zusage habe sich mit Blick auf das Internet nur auf Seiten bezogen, die sich unmittelbar mit den Sportveranstaltungen befassten. Dies habe er aber selbst erst kürzlich von den Veranstaltern erfahren, sagte Gosper und deutete an, dass Rogge von dieser Veränderung gewusst haben müsse.

Der IOC-Präsident wies dies vehement zurück und lehnte zugleich eine Entschuldigung für die jüngsten Entwicklungen ab. "Ich entschuldige mich nicht für etwas, wofür das IOC nicht verantwortlich ist", sagte Rogge, der die Organisation der Spiele als hervorragend lobte. "Wir kontrollieren nicht das Internet in China. Die chinesischen Behörden kontrollieren das Internet." Das deutsche IOC-Mitglied Walther Tröger versprach im Deutschlandfunk, China habe sich zu Pressefreiheit verpflichtet, und nun werde das IOC auch darauf dringen.

Begrenzung sorgt für Skepsis

Steinmeier sagte dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel": "Ich verstehe nicht, warum die chinesische Regierung mit der Begrenzung des Internetzugangs erneut weltweite Skepsis geweckt hat." Er habe seinem chinesischen Kollegen Yang Jiechi dieses Unverständnis deutlich vorgetragen, sagte der SPD-Politiker. Schäuble forderte in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung": "Die Korrespondenten dürfen nicht in ihrer Arbeit behindert werden." Der CDU-Politiker warb aber zugleich auch um mehr Anerkennung für die Fortschritte Chinas: "Die Chinesen scheinen einzusehen, dass Freiheit und Menschenrechte die beste Basis für eine gute Zukunft sind." Man solle Respekt vor der Entwicklung Chinas und vor der Größe der Probleme haben und auch Kritik immer respektvoll äußern.

Auch führende deutsche Zeitungen und Fernsehsender protestierten gegen die Beschränkungen der Arbeitsmöglichkeiten für Journalisten. Herausgeber und Chefredakteure von ZDF, RTL, "Frankfurter Allgemeiner Zeitung" und "Süddeutscher Zeitung" sprachen von Zensur eines diktatorischen Regimes. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warf dem IOC schwere Versäumnisse im Umgang mit der chinesischen Regierung vor: "Das IOC hat nie klar Stellung bezogen und auch nicht wirklich darauf gedrängt, dass die chinesischen Zusagen in Bezug auf Menschenrechte und Pressefreiheit auch eingehalten werden", sagte die Generalsekretärin der deutschen Amnesty-Sektion, Barbara Lochbihler, in Interviews der "Neuen Osnabrücker Zeitung" und der "Neuen Presse" in Hannover.

AP/Froben Homburger
KOMMENTARE (10 von 30)
 
Spocks_Kommentar (04.08.2008, 20:58 Uhr)
Erst die deutsche Internetzensur beenden.......
Google indiziert weniger als 30% aller Sites und bei manchen Themen werden mehr Fundstellen unterdrückt als ausgegeben.
MSN gibt bei der Bildersuche nach "preteen model", was nix mit Pornographie zu tun hat, die Mitteilung aus, daß die Ergebnisse durch Safe-Search blockiert sind.
Wer mit russischer IP in eine Suchmaschine geht, erlebt sein blaues Wunder, was unter der deutschen bei der gleichen Anfrage alles nicht kommt....
Wir sollten uns erst einmal Gedanken über die Internetzensur in Deutschland machen, bevor wir in China rumreparieren.........
mister-mister (04.08.2008, 12:09 Uhr)
@laolu
Es reicht nicht aus, ein Posting diagonalzulesen und dann auf alle und jeden einzuschlagen.
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Meine Bemerkung zur Zerstückelung bezog sich auf ein anderes Posting von vorher. Bitte nachlesen, denken und dann losklimpern.
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Auch bin ich nicht gerade ein Freund der großen Worte. Ihre blumige Ausdrucksweise von "mit Blut erkämpfen" etc. hat zwar mindestens Karl-May-Format - aber der hat bekanntlich Abenteuerromane für Jugendliche geschrieben.
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Gerade tröpfeln übrigens die ersten Informationen über strikte Demonstrations-Restriktionen ein; Ihr geschätztes Regime muss wirklich ganz, ganz große Angst haben............
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Aber bleiben Sie ruhig weiter bei der Stange - vielleicht bezahlt man Sie ja auch dafür...?? Nichts für Ungut und Gruss aus der Realität.
Robbespierre (04.08.2008, 10:33 Uhr)
Freiheit muß erkämpft werden
@Laolu: Schon bezeichnend, daß Sie als der profilierteste Diktaturversteher in diesem Forum moralische Empörung kennen - allerdings nur, wenn über ein mögliches Ende des von Ihnen so verehrten Regimes nachgedacht wird. Wissen Sie eigentlich mittlerweile, wieviele Dissidenten in ihrem Lieblingsrepressionsterritorium in Haft sind, wieviele monatlich Todesurteile vollstreckt werden, wieviele Menschen tagtäglich und für die Olympiade im Besonderen enteignet werden?.
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Taiwan ist ein freies Land und so sollte es auch mit Tibet sein.
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Freiheit mußte immer erkämpft werden. Franzosen verstehen das, weil sie in ihrer Geschichte eine siegreiche Revolution hatten. Engländern, Schweizern und Amerikanern geht es ähnlich. Nur die Deutschen haben mit dem Kampf um die Freiheit ihre Probleme. Aber das ist kein Wunder, wenn sich seit Goethes Zeiten die kulturellen Hofnarren regelmäßig verachtend von revolutionären Ereignissen abwenden. In gewisser Weise könnte man auch Sie Laolu für ein Opfer dieses deutschen Mißverhältnisses zur Freiheit halten.
Ihr Zynismus hat jedenfalls fast schon Kultwert... .
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@Watchdog, Sie deutscher Biedermeier: Was soll man von ihrem Posting halten, indem kurz die Moralkeule geschwungen wird, um dann ganz im chinesischen Sinne vom "Mißbrauch der Pressefreiheit" zu lamentieren? Gehen Sie eben nach China wenn sie der Zensur die Stange halten wollen. Laolu wird Sie sicher gern empfangen und mit einer kolonialen Sänfte abholen lassen.
Watschdog39 (04.08.2008, 08:21 Uhr)
Weltweit?
Sorry, ich war auf Yahoo "Weltweit", also auf allen international erreichbaren Seiten und fand dort nichts über Empörung.
Google brachte nur magere (deutschsprachige) Ergebnisse. Welche Welt ist denn gemeint??
Ich verstehe auch die Aufregung nicht, da labert einer von Bürgerkrieg sei eine innere Angelegenheit (war das in Jugoslawien auch?)sieht also Blut, ethnische Massaker und unzählige Tote als Kollateralschaden zur Erreichung einer "Freiheit" wie wir sie haben als kleineres Übel? Sorry, da muss man doch schon mehr als dumm und pervers sein sowas zu schreiben.
Natürlich kann jeder seine Meinung äußern. Aber in manchen Sachen ist eine ungezügelte Meinungsäußerung schon gefährlich. Ebenso die mißbrauchte Pressefreiheit.
LaoLu (04.08.2008, 07:05 Uhr)
Alkohol? Oder Drogen?
Ich frage mich, ob einige der Kommentatoren hier am frühen Sonntagabend bereits einen über den Durst getrunken hatten?
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Da räsoniert Robbespierre, ein Bürgerkrieg, an dem China zerbricht, sei wohl die bessere Alternative, bevor denn „die faschistische Diktatur China Taiwan überfällt“.
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Und mister mister schwafelt von einer „Zerstückelung Chinas“, die er aber als ein „rein innenpolitisches Problem“ sehe.
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Wahre Freunde des chinesischen Volkes, die beiden.
Des Volkes, nicht der Regierung, natürlich.
Haben ja auch immer die Schlagworte Menschenrechte, Meinungs-, Religions-, Presse- und welche Freiheit auch sonst noch auf der Fahne.
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Aber Bürgerkrieg in einem Vielvölkerstaat mit mehr als 1,3 Milliarden Einwohnern, sowie Zerstückelung desselben, das geht schon.
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Weil, Freiheit muß erkämpft werden.
Mit Blut.
Ginnungagap (03.08.2008, 20:19 Uhr)
ach die zensur
Solange Kinder auf dem Schulhof Extrempornos und Hinrichtungen in Form von Handyvideos tauschen koennen gibt es in den westlichen Ländern vieeeel zu wenig Zensur.
Da regt sich niemand drüber auf, bis das eigene Kind verstört nachhause kommt und ein Psychologe herausfinden muss was passiert ist.
mister-mister (03.08.2008, 19:39 Uhr)
@julian2225
Geht Ihr Kommentar nicht am Ziel vorbei?
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Dass der Bürger gläsern wird ist eine Folge von Verdatung und Vernetzung und fällt unter die Rubrik "Fortschritt". Der hat neben vielen positiven eben auch diese negativen Seiten. Unbestritten. Sitzen wir deswegen im Glashaus...?
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Billige Produkte aus China? Was haben wir gelacht. Teure Markenproduzenten lassen in China fertigen und verkaufen dann hier durchaus zum Marktpreis. Den Profit streichen die schon erwähnten Firmen ein. Drer chinesische Fließbandarbeiter hat nichts davon. Aber bei unseren Globalisierungsfans eröffnet sich dabei ein gigantisches Marktpotenzial. Dass dahinter auch Menschen stehen, interessiert - sowohl in China als auch bei uns - kein Schwein.
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Ich finde es aber keineswegs albern sich darüber aufzuregen und gerne auch darüber zu streiten. Hier können wir das wenigstens noch in aller Deutlichkeit und Schärfe tun, ohne dass kurzfristig eine Limo mit ein paar netten Herren unten vorfährt........
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Alles eine Sache des Maßstabs.
Felicitas123 (03.08.2008, 19:21 Uhr)
Weltweite Empörung nimmt zu !
Hallo,
es ist eine Unverschämtheit vom
IOC,daß hier der Rest der
Menschheit mit Spitzfindingkeiten
die Weltbevölkerung vom IOC und
den chinesischen Machthabern für
Dummverkauft werden sollen.
Diese Leute sollte man aufknüpfen.
mfg
Felicitals123
Julian2225 (03.08.2008, 19:18 Uhr)
Ganz schoen albern!
Ganz schoen albern, die Welt beklagt sich ueber eine Zensur des Internets durch China, bekommt aber die Zensur und Filterung im Namen des Terrorismus nicht mit. Auch in Deutschland wird der "Deutsche" zum glaesernen Buerger der aufpassen muss was er sagt, wohin er reist, und irgendwann auch aufpassen muss was er denkt. Und das ist was China moechte, was die westlichen Staaten moechten, Buerger schaffen die das kauen was ihnen vorgeworfen wird und bloss nicht stoebern ob auch alles korrekt ist.
Well, da es China nun oeffentlich macht, ist natuerlich fuer die die im Glashaus sitzen ein gefundenes Fressen. Aber seis drum, morgen werden sie dennoch die Made in China Produkte kaufen, weil sie billiger sind. Also ganz schoen albern sich darueber aufzuregen und zu denken man sei besser dran!
mister-mister (03.08.2008, 19:05 Uhr)
Man kann es sich einfach machen......
.......und, wie STR_EDDS es vorführt, vor der eigenen Tür kehren und alles andere so zu lassen wie es ist.
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Natürlich steht jedem Land zu, selbst zu entscheiden, wie es mit seiner Innenpolitik umgeht. Wichtig ist dabei u.a., wer diese ENtscheidung trifft - die Bevölkerung oder ein Regime? Wie geht diese Entscheidung vor sich? Wie werden Andersdenkende behandelt? WIesieht es mit dem (Grund)recht auf freie Information und Meinungsfreiheit aus?
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Wie gesagt, das Land kann natürlich selbst entscheiden - es muss dann aber auch die Meinung der anderen über das eigene Auftreten bzw. die Umsetzung der Entscheidung vertragen können. Und sich den Respekt nicht mit Säbelrasseln ernötigen.
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Die Gefahr einer Zerstückelung Chinas sehe ich ebenfalls als ein rein innenpolitisches Problem.
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Das Land verfügt heute über eine zwar vielleicht effektive (glaube kaum, dass jemals ein chinesischer Normalbürger hierzu eine freie Meinung ohne Angst vor Repressionen schlimmster Art abgeben durfte), aber dazu eine der verachtenswertesten Führungen der Welt. Über Details wurde schon soviel geschrieben und diskutiert, dass wir das hier nicht weiter vertiefen müssen.
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Lassen wir billige Arbeit, Produktionskapa, Kotau zelebrierende Auslands-Führungschefs und ethisch völlig degenerierte IOC-Chefs mal außen vor - welche Macht der Welt hat denn als einzige das Potenzial, hier etwas zu ändern...???
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GENAU. Die freie Information, die Medien, die öffentliche Meinung.
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Bisher hat sich China schon mehr bloßgestellt, als es durch andere Optionen jemals möglich gewesen wäre. Und das ist m.E. erst der Anfang.
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Es sollte meiner bescheidenen Meinung nach nicht dazu kommen, dass ein mörderisches Regime (im Wortsinn gemeint)diese Grossveranstaltung, hinter der trotz Kommerzialisierung eine gute und unterstützungswürdige Idee steht, als Plattform trotz seiner verlogenen, gefälschten und im tiefsten Herzen menschenverachtenden Politik vergewaltigen darf. Zumindest nicht ohne dass diese Absicht auch weltweit zur Kenntnis genommen wird.
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"Zu Gast bei Mördern" ist m.E. immer noch ein relativ dicht der Wahrheit entsprechender Untertitel für die Olympischen Spiele 2008
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